Kleiner Nachlass eines NSDAP Mitgliedes

NSDAP Mitgliedsabzeichen, emaillierte Ausführung, mit RZM-Hersteller M1/93, an Nadel. Ehrenkreuz der Deutschen Mutter in Silber - Miniatur, 19 mm. Dazu das original Foto der Trägerin. Zustand 2.
496481
260,00

Kleiner Nachlass eines NSDAP Mitgliedes

Diese Sammlung von Artefakten repräsentiert einen kleinen persönlichen Nachlass eines Mitglieds der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) und bietet einen Einblick in die materielle Kultur des nationalsozialistischen Deutschlands zwischen 1933 und 1945. Die Objekte umfassen ein NSDAP-Mitgliedsabzeichen sowie eine Miniatur des Ehrenkreuzes der Deutschen Mutter in Silber mit dem Originalfoto der Trägerin.

Das NSDAP-Mitgliedsabzeichen wurde nach der Machtergreifung 1933 zum wichtigsten Erkennungszeichen der Parteimitglieder. Das Abzeichen zeigt das charakteristische Hakenkreuz in einem weißen Kreis auf rotem Grund, umgeben von einem silbernen Kranz. Die emaillierte Ausführung war die offizielle Version für den täglichen Gebrauch. Das hier beschriebene Exemplar trägt die RZM-Kennzeichnung M1/93, wobei RZM für Reichszeugmeisterei steht, die zentrale Prüf- und Vergabestelle der NSDAP für Parteiabzeichen und -uniformen.

Die Reichszeugmeisterei wurde 1929 gegründet und hatte ihren Sitz in München. Sie war verantwortlich für die Qualitätskontrolle und Lizenzierung aller offiziellen Parteiinsignien. Die Herstellerkennzeichnung M1/93 identifiziert den spezifischen lizenzierten Hersteller. Das “M1” bezeichnet die Hauptkategorie “Mitgliedsabzeichen”, während die Nummer den konkreten Produzenten angibt. Diese systematische Kennzeichnung wurde ab etwa 1934 konsequent durchgesetzt und diente sowohl der Qualitätssicherung als auch der wirtschaftlichen Kontrolle über die Produktion von Parteiinsignien.

Das zweite Objekt, das Ehrenkreuz der Deutschen Mutter in Silber als Miniatur, repräsentiert eine wichtige Auszeichnung im nationalsozialistischen Ehrensystem. Dieses Ehrenzeichen wurde durch eine Verordnung vom 16. Dezember 1938 von Adolf Hitler gestiftet und am Muttertag 1939 erstmals verliehen. Die Auszeichnung war Teil der nationalsozialistischen Bevölkerungspolitik und sollte kinderreiche Mütter ehren.

Das Ehrenkreuz der Deutschen Mutter existierte in drei Stufen: Bronze für Mütter mit vier oder fünf Kindern, Silber für Mütter mit sechs oder sieben Kindern, und Gold für Mütter mit acht oder mehr Kindern. Die Verleihung erfolgte jährlich am Muttertag durch die lokalen NSDAP-Ortsgruppenleiter oder Bürgermeister. Die Kriterien für die Verleihung waren streng: Die Mutter musste “deutschen Blutes” sein, die Kinder mussten “erbgesund” sein, und die Mutter sollte einen “einwandfreien Lebenswandel” führen.

Das Ehrenzeichen selbst zeigt ein blaues Emaillekreuz mit den Worten “Der Deutschen Mutter” und dem Datum 16. Dezember 1938. In der Mitte befindet sich das Hakenkreuz, umgeben von den Worten “Das Kind adelt die Mutter”. Die Miniaturversion mit 19 mm Durchmesser, wie sie hier beschrieben wird, war für das tägliche Tragen an der Zivilkleidung gedacht, während die Vollgröße etwa 35 mm maß und zu besonderen Anlässen getragen wurde.

Besonders bemerkenswert ist, dass dem Nachlass das Originalfoto der Trägerin beiliegt. Solche persönlichen Dokumentationen sind von erheblichem historischem Wert, da sie die abstrakte Geschichte der NS-Zeit mit konkreten individuellen Schicksalen verbinden. Das Foto ermöglicht einen direkten Bezug zur Person, die diese Auszeichnung trug, und macht die Geschichte greifbarer.

Die Kombination dieser beiden Objekte in einem Nachlass ist aufschlussreich. Sie deutet darauf hin, dass es sich um eine Familie handelte, in der mindestens eine Person NSDAP-Mitglied war und eine Frau (möglicherweise die Ehefrau) das Mutterkreuz verliehen bekam. Dies war keine ungewöhnliche Konstellation im nationalsozialistischen Deutschland, wo Parteimitgliedschaft und die Anerkennung von Mutterschaft als “Dienst am Volk” zur gesellschaftlichen Norm gehörten.

Bis 1945 wurden etwa 4,7 Millionen Ehrenkreuze der Deutschen Mutter verliehen, davon etwa 2,2 Millionen in Bronze, 1,7 Millionen in Silber und etwa 800.000 in Gold. Diese Zahlen verdeutlichen, wie weit verbreitet diese Auszeichnung war und wie sie zur Normalisierung der nationalsozialistischen Ideologie im Alltag beitrug.

Der Erhaltungszustand der Objekte wird mit “Zustand 2” angegeben, was in der üblichen Klassifizierung einen guten bis sehr guten Zustand mit leichten Gebrauchsspuren bedeutet. Dies ist bei über 80 Jahre alten Objekten bemerkenswert und spricht für eine sorgfältige Aufbewahrung.

Aus wissenschaftlicher Sicht sind solche Nachlässe wichtige Quellen für die Erforschung der Alltagsgeschichte des Nationalsozialismus. Sie dokumentieren, wie tief die NS-Ideologie in den privaten Bereich eindrang und wie gewöhnliche Menschen durch Abzeichen, Auszeichnungen und Rituale in das System eingebunden wurden. Gleichzeitig werfen sie Fragen nach individueller Verantwortung, Anpassung und Widerstand auf, die bis heute Gegenstand historischer Debatten sind.