Königreich Bayern 1. Weltkrieg Pickelhaube für Offiziere Kavallerie und Artillerie
Die bayerische Pickelhaube Modell 1886 für Offiziere der Kavallerie und Artillerie repräsentiert die letzte Entwicklungsstufe einer langen Reihe von Spitzhauben, die das charakteristische Erscheinungsbild der deutschen Streitkräfte bis zum Ersten Weltkrieg prägten. Dieser spezielle Helm stammt aus der Zeit um 1915 und verkörpert die Übergangsphase, in der traditionelle Uniformstücke zunehmend den Realitäten des modernen Krieges weichen mussten.
Die Pickelhaube wurde 1886 in Bayern eingeführt und ersetzte damit den charakteristischen Raupenhelm. Bayerische Offiziere trugen die neue Kopfbedeckung erstmals am 1. April 1887, während die Mannschaftsränge der Infanterie, Jäger und Artillerie zwischen 1887 und 1890 allmählich ausgerüstet wurden. Die Pickelhaube selbst war ursprünglich 1842 von König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen eingeführt worden, hergestellt aus schwarz lackiertem Leder mit Metallbeschlägen, wobei die Spitze ursprünglich dazu gedacht war, Säbelhiebe abzulenken. Bayern war bis 1918 ein autonomes Königreich innerhalb des Deutschen Reiches mit eigener Armee.
Das Modell 1886 durchlief mehrere Entwicklungsstufen. Zunächst gab es das große M1886-Emblem von 1886 bis 1914 mit Lorbeerblatt-Ornamentik, gefolgt von einem modifizierten M1886-Wappen ohne Zweige und Lorbeerblatt-Ornamentik um die Löwen, das oft 1914 entfernt wurde. Das kleine M1914-Emblem, das an diesem Helm zu sehen ist, wurde für Offiziere aller Waffengattungen und berittene Mannschaften eingeführt. Diese Änderung folgte preußischen Vorbildern zur Materialeinsparung und wurde 1915 weitgehend umgesetzt.
Der vorliegende Helm wurde von Offizieren in den Chevaulegers-Regimentern 1, 3, 5 und 7 oder in bayerischen Feldartillerie- und Trainregimentern getragen. Während preußische Artillerie ab 1844 kugelförmige Endstücke verwendete, trugen bayerische Artillerieregimenter bis 1916 geriffelte Spitzen wie die Infanterie. Feldartillerie-Regimenter trugen rote Rosshaarbüsche für Paraden, während Chevaulegers-Regimenter weiße Büsche verwendeten.
Die konstruktiven Unterscheidungsmerkmale zwischen den Waffengattungen zeigen sich in Details: Infanterieoffiziere trugen flache Kinnketten, während Kavallerie- und Artillerieoffiziere gewölbte Schuppenketten verwendeten. Alle Offiziere trugen ausschließlich gewölbte Schuppenketten, die an Rosetten befestigt waren, mit beiden Kokarden – der bayerischen blau-weißen und der schwarz-weiß-roten des Deutschen Reiches. Die Sternsplinte zur Befestigung des Kreuzblattes identifizieren dies eindeutig als Offiziershelm. Die Spitze war abnehmbar.
Offiziere erwarben ihre Helme privat von kommerziellen Herstellern, was zu einer gewissen Variationsbreite in Qualität und Ausführung führte. Der Helm bestand aus gekochtem Leder, schwarz lackiert, mit dem charakteristischen eckigen Vorderschirm nach bayerischem Muster. Das M1886-Modell zeichnete sich durch ein kreuzförmiges Spitzenkreuz bei allen Helmen aus, sowohl für Mannschaften als auch für Offiziere.
Die Materialien dieses um 1915 datierten Helms spiegeln die Kriegswirtschaft wider: Der Helmkörper aus Leder, die Beschläge aus feuervergoldetem Messing, doch das Kreuzblatt aus Ersatzmaterial. Während des Ersten Weltkriegs zwangen Materialknappheiten zur Verwendung von Ersatzmaterialien – Zink statt Messing, Filz statt Leder. Die Innenausstattung entsprach den Standards: braunes Lederschweißband, grün gefütterter Vorderschirm und rot gefütterter Nackenschirm, grünes Seidenripsfutter. Die Größenangabe 57 in der Glocke bezeichnet den Kopfumfang.
Eine Feldbinde (Überzug) aus Stoff wurde am 17. Mai 1892 für den Feldeinsatz eingeführt. Diese Notwendigkeit entfiel 1915 mit der Einführung von oxidierten Stahlbeschlägen. Obwohl visuell beeindruckend, erwies sich der Helm im modernen Kriegsgeschehen als wenig praktisch. Der gebotene Schutz war sehr begrenzt, was zur letztendlichen Ablösung durch Stahlhelme 1916 führte. Die meisten Pickelhauben wurden zwischen 1916 und 1918 aus dem militärischen Einsatz genommen und durch den Stahlhelm ersetzt.
Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Novemberrevolution 1918 wurde die Bezeichnung “Königlich” gestrichen. Nach der Auflösung der bayerischen Armee 1919 gingen die Einheiten in zivile Strukturen über. Die blau-weiße bayerische Staatskokarde an den Helmen wurde durch eine schwarz-weiß-rote Reichskokarde ersetzt. Eine Besonderheit der bayerischen Gendarmerie und Polizei war die fortgesetzte Verwendung der 1896 eingeführten Endform der Pickelhaube weit über das Ende der Monarchie hinaus während der gesamten Weimarer Republik bis 1935.