Preußischer Offiziershelm (Kürassierhelm) Modell 1889 für das Regiment Garde du Corps oder das Garde-Kürassier-Regiment
Unter den Kopfbedeckungen der kaiserlichen deutschen Armee nimmt der Kürassierhelm aus Tombak, wie er von den Offizieren des Regiments der Gardes du Corps und des Garde-Kürassier-Regiments getragen wurde, eine herausragende Stellung ein. Als Inbegriff preußischer militärischer Pracht und höfischer Repräsentation vereint dieses Exemplar vom Modell 1889 höchste handwerkliche Kunstfertigkeit mit der Symbolik zweier der vornehmsten Kavallerieregimenter des preußischen Königs und deutschen Kaisers.
Die Regimenter: Garde du Corps und Garde-Kürassier-Regiment
Das Regiment der Gardes du Corps wurde im Jahr 1740 von Friedrich dem Großen gegründet und diente als königliches Kürassier-Leibgarderegiment des Königs von Preußen und nach 1871 des Deutschen Kaisers. Der jeweilige regierende Monarch fungierte als Ehrenchef des Regiments. Stationiert in Potsdam, wurden sowohl Reiter als auch Pferde aus den allerbesten Beständen ausgewählt. Im Gegensatz zum Rest der kaiserlichen deutschen Armee nach der Reichsgründung von 1871 wurde das Regiment der Gardes du Corps landesweit rekrutiert und war Teil der 1. Garde-Kavallerie-Division.
Das Garde-Kürassier-Regiment wurde 1815 zunächst als Ulanenregiment aufgestellt und 1821 als Kürassiereinheit reorganisiert. In Berlin stationiert, war es Teil der Garde-Kavallerie-Division. Das Regiment nahm an bedeutenden Konflikten teil, darunter der Deutsch-Dänische Krieg, der Deutsch-Österreichische Krieg, der Deutsch-Französische Krieg und der Erste Weltkrieg. Während des Ersten Weltkriegs kämpfte das Regiment zunächst in Belgien und an der Aisne, und ab dem Sommer 1915 an der Ostfront in Polen, Lettland und der Ukraine.
Beide Regimenter dienten als persönliche Leibgarde des preußischen Königs und Deutschen Kaisers und trugen identische Tombakhelme mit versilberten Beschlägen und dem Gardestern, was eine genaue Zuordnung ohne zusätzliche Provenienz erschwert.
Bauweise und Ausstattung
Der Helm Modell 1889 für Offiziere zeichnet sich durch seine Konstruktion aus Tombak aus, einer Legierung aus Kupfer und Zink, die außen vergoldet ist. Die Beschläge sind versilbert (vernickelt). Die leichte Helmglocke weist einen gestuften Vorderschirm auf, ein charakteristisches Merkmal der Offiziersausführung. Die Chinaschuppen sind gewölbt und vergoldet, befestigt an Kleeblattrosetten in Offiziersqualität, die auf Reichs- und Landeskokarden sitzen.
Auf der Vorderseite des Helms befindet sich der versilberte Gardestern als mehrteiliges Helmemblem mit einem emaillierten Schwarzen-Adler-Ordens-Design im Zentrum. Über dem Adler befindet sich die Devise “SUUM CUIQUE” (“Jedem das Seine”) in vergoldetem Metall, darunter ein Kranz aus emaillierten Lorbeerblättern – beides auf einem runden, weiß emaillierten Hintergrund.
Ein besonders bemerkenswertes Merkmal ist der abnehmbare Paradeadler. Dieser große, versilberte Adler in feiner Ziselierarbeit mit aufgeschraubter vergoldeter Königskrone wurde bei allen Anlässen getragen, die den großen Dienstanzug erforderten. Für den Felddienst und alle anderen Gelegenheiten wurde der Adler durch eine Spitze ersetzt. Das Regiment trug eine weiße Kürassieruniform mit besonderen Auszeichnungen im großen Dienstanzug, darunter ein roter Waffenrock für Offiziere bei Hofdienst und der markante weiße Metalladler, der sich von der Bronzeglocke des Helms zu erheben schien.
Im Inneren verfügt der Helm über ein braunes Schweißlederband mit weißem Seidenbandeinzug und ein weißes Seidenfutter. Der Nackenschirm ist mit schwarzem Samt ausgekleidet.
Das Modell 1889 im historischen Kontext
Der Helmtyp des Modells 1889 (in einigen Quellen auch als Modell 1889–1899 bezeichnet) repräsentiert das Muster der späten Kaiserzeit, das bis zum Ersten Weltkrieg Verwendung fand. Dieser Helm um 1900 verkörpert den Höhepunkt der kaiserlich-preußischen militärischen Prachtentfaltung, getragen während der Regierungszeit Kaiser Wilhelms II. (1888–1918). Die Offiziersversion unterscheidet sich durch ihre Tombakkonstruktion, versilberte Beschläge, den gestuften Vorderschirm, die Kleeblattrosetten für die Schuppenkettenbefestigung und den abnehmbaren Paradeadler.
Ende und Nachwirkung
Am 10. Dezember 1918 marschierte das Regiment durch das Brandenburger Tor in Berlin, wo anschließend die Demobilisierung begann. Zur Unterdrückung der Unruhen in Berlin wurden aus den Überresten der Einheit drei Freiwilligen-Schwadronen gebildet. Das Regiment wurde im September 1919 aufgelöst. Nach dem Vertrag von Versailles und der Auflösung der Kaiserlichen Deutschen Armee wurden solche Helme zu historischen Artefakten und Sammlerstücken. Die Tradition wurde in der Reichswehr und späteren Wehrmacht in modifizierter Form weitergeführt.
Dieser Kürassierhelm Modell 1889 stellt für den Sammler eines der eindrucksvollsten Zeugnisse preußischer Kavallerie-Tradition dar – ein Gegenstand, der die Verbindung von Handwerkskunst, militärischer Hierarchie und kaiserlicher Repräsentation auf einzigartige Weise verkörpert.