Preußen Teilkoloriertes Kabinettfoto eines Soldaten im Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiment Nr. 2

Standort Berlin, um 1910. Maße 10.3 x 14.8 cm. Zustand 2.

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40,00

Preußen Teilkoloriertes Kabinettfoto eines Soldaten im Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiment Nr. 2

Das Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiment Nr. 2 gehörte zu den prestigeträchtigsten Einheiten der preußischen Armee und verkörperte die enge dynastische Verbindung zwischen dem Deutschen Kaiserreich und der österreichisch-ungarischen Monarchie. Dieses teilkolorierte Kabinettfoto aus der Zeit um 1910 dokumentiert einen Soldaten dieser Eliteformation in seiner charakteristischen Uniform und bietet einen faszinierenden Einblick in die militärische Kultur des späten Kaiserreichs.

Das Regiment wurde 1814 als 2. Garde-Regiment zu Fuß gegründet und erhielt 1820 die Bezeichnung 2. Garde-Grenadier-Regiment. Den ehrenvollen Namenszusatz “Kaiser Franz” erhielt die Einheit zur Erinnerung an Kaiser Franz II./I. von Österreich, der von 1792 bis 1835 regierte. Diese Namensgebung symbolisierte die traditionelle Waffenbrüderschaft zwischen Preußen und Österreich, die trotz gelegentlicher politischer Spannungen, insbesondere nach dem Deutschen Krieg von 1866, aufrechterhalten wurde.

Die Garnison des Regiments befand sich in Berlin, der Reichshauptstadt, wo es eine wichtige repräsentative Funktion erfüllte. Als Teil der Gardekorps nahmen die Soldaten des Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiments an zahllosen Paraden, Wachablösungen und zeremoniellen Anlässen teil. Die Präsenz in Berlin bedeutete auch, dass das Regiment häufig vor dem Kaiser und ausländischen Würdenträgern aufmarschierte, was höchste Standards in Drill und Auftreten erforderte.

Die Kabinettfotografie war zwischen 1870 und dem Ersten Weltkrieg das vorherrschende Format für Portraitaufnahmen. Mit Maßen von typischerweise 10 x 15 cm (hier 10,3 x 14,8 cm) waren Kabinettfotos größer als die früher populären Visitkartenfotos und wurden auf stabilen Karton aufgezogen. Die Teilkolorierung war eine beliebte Technik, bei der bestimmte Elemente des ansonsten schwarz-weißen Fotos – meist Uniformdetails wie Epauletten, Kragenspiegel, Kokarden oder Achselklappen – nachträglich von Hand coloriert wurden. Diese aufwendige Nachbearbeitung betonte militärische Rangabzeichen und Regimentsfarben und machte das Foto zu einem besonderen Erinnerungsstück.

Die Uniform des Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiments war besonders prachtvoll. Die Grenadiere trugen den charakteristischen Grenadiermütze (Bärenfellmütze) mit der preußischen Gardesternplatte und Adleremblem. Der Waffenrock war in den Farben der Infanterie gehalten, ergänzt durch die spezifischen Regimentsabzeichen. Die Gardelitzen an Kragen und Ärmelaufschlägen waren ein charakteristisches Merkmal aller Garderegimenter. Auf Kabinettfotos wurden diese Details häufig koloriert, um die Zugehörigkeit zum Regiment eindeutig erkennbar zu machen.

Um 1910, der Entstehungszeit dieses Fotos, befand sich das Deutsche Kaiserreich in einer Zeit des äußeren Friedens, aber auch wachsender internationaler Spannungen. Die Armee erlebte eine Phase der Modernisierung, während gleichzeitig die traditionellen Werte und das Zeremoniell der wilhelminischen Ära ihren Höhepunkt erreichten. Für junge Männer war der Militärdienst, besonders in einem Garde-Regiment, eine Frage der Ehre und des sozialen Prestiges.

Die fotografische Dokumentation von Soldaten hatte mehrere Funktionen: Sie diente als persönliches Andenken für die Familie, als Beweis des geleisteten Militärdienstes und als Ausdruck von Stolz auf die Zugehörigkeit zu einer Elite-Einheit. Fotografen in Garnisonstädten wie Berlin spezialisierten sich auf Militärportraits und verfügten über genaue Kenntnisse der verschiedenen Uniformen und Rangabzeichen.

Das Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiment Nr. 2 nahm an den wichtigsten militärischen Auseinandersetzungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts teil, darunter die Befreiungskriege, der Deutsche Krieg 1866, der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 und schließlich der Erste Weltkrieg 1914-1918. Im Ersten Weltkrieg kämpfte das Regiment an der Westfront und erlitt erhebliche Verluste.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Abdankung Kaiser Wilhelms II. wurde das Regiment wie alle anderen Formationen der kaiserlichen Armee aufgelöst. Die Weimarer Republik schuf mit der Reichswehr eine deutlich kleinere Berufsarmee, in der die alten Garde-Regimenter keinen Platz mehr hatten.

Heute sind solche Kabinettfotos wichtige historische Dokumente. Sie ermöglichen es uns, die Gesichter der Männer zu sehen, die diese Uniformen trugen, und vermitteln ein unmittelbares Bild der militärischen Kultur des Kaiserreichs. Der Erhaltungszustand dieses Exemplars (Zustand 2) deutet auf eine gute Bewahrung mit nur geringen Gebrauchsspuren hin, was bei über hundert Jahre alten Fotografien bemerkenswert ist.

Für Sammler militärhistorischer Objekte und Fotografien stellen solche Kabinettfotos von Garde-Regimentern besonders begehrte Stücke dar. Sie verbinden kunsthandwerkliche Qualität, historische Bedeutung und persönliche Geschichte zu einem faszinierenden Zeugnis einer vergangenen Epoche.