Reichs-Sport u.Turn-Kalender 1934,

ne Ort, ohne Verlag,herausgegeben von der Werbeabteilung des Hilfsfonds für den Deutschen Sport  Ganzleineneinband, Kleinformat, 70 Seiten, Zustand 2
Interessantes Büchlein zum Reichsführerring des Deutschen Sports unter Nennung der Leiter der Fachverbände, auch sonst interessante Informationen
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Reichs-Sport u.Turn-Kalender 1934,

Der Reichs-Sport und Turn-Kalender von 1934 stellt ein bedeutendes zeithistorisches Dokument dar, das die umfassende Gleichschaltung des deutschen Sportwesens in der frühen Phase des nationalsozialistischen Regimes dokumentiert. Dieses kleinformatige, 70-seitige Büchlein in Ganzleineneinband wurde von der Werbeabteilung des Hilfsfonds für den Deutschen Sport herausgegeben und bietet einen aufschlussreichen Einblick in die organisatorische Struktur und ideologische Ausrichtung des Sports im Dritten Reich.

Die Bedeutung dieses Kalenders liegt in seinem Entstehungsjahr 1934, einem entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte des deutschen Sports. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 wurde das gesamte Sportwesen systematisch reorganisiert und unter staatliche Kontrolle gebracht. Im Juli 1933 wurde Hans von Tschammer und Osten zum Reichssportführer ernannt, wodurch die Gleichschaltung aller Sportverbände eingeleitet wurde. Der vorliegende Kalender dokumentiert diese neue Struktur durch die Nennung der Leiter der Fachverbände im sogenannten Reichsführerring des Deutschen Sports.

Der Reichsführerring war das zentrale Führungsgremium des gleichgeschalteten deutschen Sports. Er bestand aus den Leitern der verschiedenen Sportfachverbände, die nun nicht mehr unabhängig agierten, sondern dem Reichssportführer direkt unterstellt waren. Diese organisatorische Umstrukturierung diente der totalen Kontrolle und Instrumentalisierung des Sports für nationalsozialistische Propagandazwecke. Sport wurde nicht mehr als unpolitische Freizeitbeschäftigung verstanden, sondern als Mittel zur körperlichen Ertüchtigung der “Volksgemeinschaft” und zur Vorbereitung auf den Krieg.

Der Hilfsfonds für den Deutschen Sport, dessen Werbeabteilung als Herausgeber fungierte, war eine der Institutionen, die zur Finanzierung und Förderung des nationalsozialistischen Sportprogramms geschaffen wurden. Solche Kalender und Publikationen dienten nicht nur der Information über Veranstaltungen und Termine, sondern waren auch wichtige Instrumente der Propaganda und der Verbreitung nationalsozialistischer Sportideologie.

Das Jahr 1934 war geprägt von der weiteren Konsolidierung der nationalsozialistischen Macht. Nach dem “Röhm-Putsch” im Juni 1934 und dem Tod Hindenburgs im August 1934 festigte Hitler seine Position als unumschränkter Führer. In diesem Kontext stand auch die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 1936 in Berlin, die als großes Propagandaspektakel geplant wurden. Der Kalender von 1934 ist somit Teil der Vorbereitungsphase für dieses internationale Sportereignis.

Die im Kalender enthaltenen Informationen über die Fachverbände geben Aufschluss über die Vielfalt des deutschen Sports dieser Zeit. Zu den wichtigsten Fachverbänden gehörten unter anderem der Deutsche Reichsbund für Leibesübungen (DRL), der Turnerbund, Fußballverbände, Leichtathletikverbände und viele weitere Sportarten. Jeder dieser Verbände hatte nun einen vom Regime eingesetzten oder bestätigten Leiter, der die Gleichschaltung auf seiner Ebene durchsetzen musste.

Die physische Beschaffenheit des Kalenders – Kleinformat, Ganzleineneinband, 70 Seiten – deutet auf eine praktische Alltagsverwendung hin. Solche Kalender wurden wahrscheinlich von Sportfunktionären, Vereinsvorstehern und aktiven Sportlern genutzt. Sie enthielten typischerweise wichtige Termine, Wettkampfkalender, Regelwerke und organisatorische Informationen. Gleichzeitig dienten sie als Nachschlagewerke für die neue Organisationsstruktur des Sports.

Aus heutiger historischer Perspektive sind solche Dokumente von unschätzbarem Wert für die Forschung zur NS-Zeit. Sie dokumentieren die alltägliche Durchdringung aller Lebensbereiche durch die nationalsozialistische Ideologie. Der Sport, der zuvor oft als unpolitischer Raum gegolten hatte, wurde zu einem wichtigen Instrument der Massenmobilisierung und ideologischen Indoktrination. Die “Arisierung” der Sportvereine, der Ausschluss jüdischer Sportler und Funktionäre sowie die Instrumentalisierung des Sports für militärische Ertüchtigungszwecke waren Bestandteile dieser Politik.

Der Kalender ist auch ein Beispiel für die umfangreiche Publikationstätigkeit des NS-Regimes. Unzählige Broschüren, Kalender, Zeitschriften und Bücher wurden produziert, um die neue Ordnung zu erklären, zu legitimieren und zu verbreiten. Die Werbeabteilung des Hilfsfonds war nur eine von vielen Institutionen, die an dieser Propagandaarbeit beteiligt waren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Reichs-Sport und Turn-Kalender von 1934 weit mehr ist als ein einfacher Terminkalender. Er ist ein historisches Zeugnis der Gleichschaltung des deutschen Sports, der organisatorischen Umstrukturierung unter nationalsozialistischer Herrschaft und der Instrumentalisierung körperlicher Ertüchtigung für ideologische und militärische Zwecke. Für Sammler und Historiker stellt er ein wichtiges Dokument zur Erforschung der Alltagsgeschichte des Dritten Reiches dar.