Reichstreubund ehemaliger Berufssoldaten ( RTB ) - Mitgliedsabzeichen für Marineangehörige
Das Reichstreubund ehemaliger Berufssoldaten (RTB) war eine bedeutende Veteranenorganisation der Weimarer Republik und des nationalsozialistischen Deutschlands, die sich der Betreuung ehemaliger Berufssoldaten widmete. Das hier beschriebene Mitgliedsabzeichen für Marineangehörige stellt ein wichtiges Zeugnis dieser Organisation dar und reflektiert die spezifische Würdigung der maritimen Komponente innerhalb der deutschen Streitkräfte.
Der Reichstreubund ehemaliger Berufssoldaten wurde in den frühen 1920er Jahren gegründet, um den ehemaligen Berufssoldaten des Ersten Weltkriegs und der kaiserlichen Streitkräfte eine organisatorische Heimat zu bieten. Nach dem Versailler Vertrag von 1919, der die deutsche Armee auf 100.000 Mann beschränkte, fanden sich Tausende ehemaliger Soldaten ohne militärische Perspektive wieder. Der RTB entwickelte sich zu einer der wichtigsten Veteranenorganisationen und pflegte Kameradschaft, Tradition und militärische Werte.
Die Organisation differenzierte ihre Mitgliedsabzeichen nach Waffengattungen, wobei das Marineabzeichen eine besondere Stellung einnahm. Die Kaiserliche Marine hatte im Ersten Weltkrieg eine zentrale Rolle gespielt, und ihre Angehörigen bildeten eine stolze und traditionsreiche Gemeinschaft. Nach der Selbstversenkung der Hochseeflotte in Scapa Flow 1919 und den drastischen Beschränkungen der deutschen Seestreitkräfte durch den Versailler Vertrag war die Bewahrung maritimer Traditionen für ehemalige Marineangehörige besonders wichtig.
Das vorliegende Abzeichen wurde von der Firma Gante Berlin hergestellt, einem renommierten Hersteller militärischer Auszeichnungen und Abzeichen in der deutschen Hauptstadt. Die Markierung “GES.GESCH.” (Gesetzlich Geschützt) weist auf die rechtliche Absicherung des Designs hin, was in der Zeit üblich war, um Fälschungen zu verhindern. Die Firma Gante gehörte zu den etablierten Produzenten von Militaria und arbeitete sowohl für staatliche Stellen als auch für Veteranenorganisationen.
Die Konstruktion mit langer Nadel war typisch für Ansteckabzeichen dieser Epoche. Sie ermöglichte das sichere Befestigen an Zivilkleidung oder Vereinsuniformen. Die lange Nadel durchdrang mehrere Stoffschichten und wurde auf der Rückseite mit einer Gegenscheibe oder Verschlusskappe gesichert. Diese Trageweise unterschied sich von militärischen Orden, die meist an Bändern getragen wurden.
Das Design solcher Marineabzeichen des RTB beinhaltete typischerweise maritime Symbole wie Anker, Schiffe oder Steuerräder, oft kombiniert mit dem Hoheitsadler oder anderen nationalen Emblemen. Die Farbgebung orientierte sich häufig an den traditionellen Marinefarben Blau und Gold. Die handwerkliche Qualität dieser Abzeichen war generell hoch, da sie für Träger bestimmt waren, die großen Wert auf militärische Tradition und korrektes Erscheinungsbild legten.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurden Veteranenorganisationen wie der RTB schrittweise in die NS-Organisationsstruktur eingegliedert. Der Nationalsozialistische Reichskriegerbund (NSRKB), später umbenannt in NS-Reichskriegerbund (Kyffhäuserbund), übernahm die Koordination aller Veteranenverbände. Dennoch behielten einzelne Organisationen wie der RTB zunächst eine gewisse Eigenständigkeit und ihre spezifischen Abzeichen.
Die Mitgliedschaft im RTB bot den ehemaligen Berufssoldaten nicht nur soziale Kontakte und Kameradschaft, sondern auch praktische Vorteile. Die Organisation setzte sich für die Belange ihrer Mitglieder ein, unterstützte bei Rentenansprüchen und vermittelte gelegentlich Arbeitsstellen. In den schwierigen wirtschaftlichen Jahren der Weimarer Republik und der frühen NS-Zeit waren solche Netzwerke von erheblicher Bedeutung.
Das Tragen des Mitgliedsabzeichens diente mehreren Zwecken: Es signalisierte die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft ehemaliger Berufssoldaten, dokumentierte den eigenen militärischen Hintergrund und drückte Stolz auf die geleisteten Dienste aus. Bei Veteranentreffen, Gedenkveranstaltungen und offiziellen Anlässen war das Abzeichen sichtbares Zeichen der gemeinsamen Vergangenheit und Identität.
Für ehemalige Marineangehörige hatte das spezifische Abzeichen zusätzliche Bedeutung. Die Marine hatte in der deutschen Militärgeschichte eine besondere Tradition entwickelt, die sich vom Heer unterschied. Die technische Ausbildung, die internationale Ausrichtung und der spezifische Korpsgeist der Marine prägten eine eigenständige Identität, die durch solche Abzeichen zum Ausdruck kam.
Heute sind solche Mitgliedsabzeichen wichtige historische Artefakte, die Einblick in die Veteranenkultur der Zwischenkriegszeit geben. Sie dokumentieren die Bemühungen ehemaliger Soldaten, ihre Identität und Traditionen in einer sich radikal wandelnden Gesellschaft zu bewahren. Für Sammler und Historiker sind sie wertvolle Quellen zum Verständnis der militärischen und sozialen Geschichte Deutschlands zwischen 1918 und 1945.