Reichsverband Deutscher Gebirgs- und Wandervereine - Verleihungsurkunde für die Silberne Ehrennadel

an einen Oberlehrer aus Saarbrücken im Saarwaldverein, für Verdienste um die Deutsche Wandersache, ausgestellt in Darmstadt am 25.9.1934; anbei ist die Silberne Ehrennadel, mit Hersteller : W.A.Jäger FFM und mit 900 Silberstempel, an langer Nadel.
Die Urkunde ist stärker gebraucht und die Nadel wurde durch das Blatt aufbewahrt. Die Nadel selber ist im sehr schönen Zustand.
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80,00

Reichsverband Deutscher Gebirgs- und Wandervereine - Verleihungsurkunde für die Silberne Ehrennadel

Die Silberne Ehrennadel des Reichsverbandes Deutscher Gebirgs- und Wandervereine repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der deutschen Vereinskultur in der frühen NS-Zeit. Diese besondere Auszeichnung, verliehen am 25. September 1934 in Darmstadt, dokumentiert die Transformation traditioneller bürgerlicher Wandervereine während der Gleichschaltungsphase des Dritten Reiches.

Der Reichsverband Deutscher Gebirgs- und Wandervereine entstand aus der Zusammenführung verschiedener regionaler Wandervereine, die seit dem späten 19. Jahrhundert in Deutschland existierten. Die deutsche Wanderbewegung hatte ihre Wurzeln in der Romantik und entwickelte sich im Kaiserreich zu einer bedeutenden Freizeitbewegung des Bürgertums. Nach der Machtübernahme 1933 wurden diese traditionell unpolitischen Vereine in die nationalsozialistische Organisationsstruktur eingegliedert.

Die vorliegende Urkunde stammt aus dem Jahr 1934, einer entscheidenden Übergangsphase. In diesem Jahr wurden zahlreiche traditionelle Vereine und Verbände im Zuge der Gleichschaltung reorganisiert und ideologisch ausgerichtet. Der Reichsverband diente dabei als Dachorganisation, die die verschiedenen regionalen Wandervereine koordinierte und unter nationalsozialistischer Aufsicht zusammenführte.

Der Saarwaldverein, dem der geehrte Oberlehrer angehörte, hatte besondere Bedeutung in der historischen Region des Saarlandes. Das Saargebiet stand zu diesem Zeitpunkt noch unter Völkerbundsverwaltung, nachdem es nach dem Ersten Weltkrieg vom Deutschen Reich getrennt worden war. Die Verleihung einer solchen Auszeichnung an einen Saarländer im September 1934 muss im Kontext der bevorstehenden Saarabstimmung vom 13. Januar 1935 gesehen werden, bei der die Bevölkerung über die Zukunft des Gebietes entscheiden sollte.

Die Ehrennadel selbst wurde vom Hersteller W.A. Jäger aus Frankfurt am Main gefertigt, einem renommierten Produzenten von Vereins- und Verbandsabzeichen. Der aufgeprägte 900er Silberstempel garantiert den hohen Materialwert und unterstreicht die Wertschätzung dieser Auszeichnung. Die lange Nadel war charakteristisch für Anstecknadeln dieser Epoche und ermöglichte das sichere Befestigen an der Kleidung, typischerweise am Revers oder an der Vereinskleidung.

Die Auszeichnung wurde “für Verdienste um die Deutsche Wandersache” verliehen, eine Formulierung, die sowohl die traditionelle Vereinsarbeit als auch die neue ideologische Ausrichtung widerspiegelt. Der Begriff “Deutsche Wandersache” deutet auf die zunehmende Nationalisierung und Politisierung der Wanderbewegung hin, die nun als Teil der nationalsozialistischen Kraft-durch-Freude-Bewegung verstanden wurde.

Ein Oberlehrer als Empfänger war typisch für diese Art von Auszeichnungen. Lehrer spielten eine zentrale Rolle in Wandervereinen, da sie oft Jugendgruppen leiteten und Wanderungen organisierten. In der NS-Zeit erhielt diese Tätigkeit zusätzliche Bedeutung im Rahmen der Jugenderziehung und der Vermittlung von Heimatverbundenheit.

Die Tatsache, dass die Urkunde in Darmstadt ausgestellt wurde, verweist auf die administrative Struktur des Reichsverbandes. Darmstadt war ein wichtiges Zentrum für verschiedene reichsweite Organisationen und Verbände in dieser Zeit.

Der Erhaltungszustand des Ensembles erzählt seine eigene Geschichte: Die stark gebrauchte Urkunde mit Durchstichen von der Nadel zeigt, dass diese Auszeichnung tatsächlich getragen und geschätzt wurde. Dies war keine reine Schubladenehrung, sondern ein aktiv genutztes Ehrenzeichen.

Nach 1945 verloren solche Auszeichnungen aus der NS-Zeit ihre offizielle Bedeutung. Viele Wandervereine gründeten sich nach dem Krieg neu und distanzierten sich von ihrer Geschichte in der NS-Zeit. Heute sind solche Dokumente wichtige historische Quellen für die Erforschung der Gleichschaltung bürgerlicher Vereine und der Alltagskultur im Dritten Reich.

Diese Verleihungsurkunde mit zugehöriger Nadel dokumentiert somit mehrere historische Ebenen: die traditionelle deutsche Vereinskultur, die Transformation in der NS-Zeit, die besondere Situation des Saargebietes 1934 und die materielle Kultur von Vereinsabzeichen der 1930er Jahre.

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