Wehrmacht Paar Stiefel für Unteroffiziere, sogenannte "Knobelbecher"

Stiefel aus geschwärztem Leder, Herstellermarkierung "Kretzschmar", Sohlenlänge ca. 30 cm, Stiefelhöhe ca. 42 cm. Zustand 2.
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450,00

Wehrmacht Paar Stiefel für Unteroffiziere, sogenannte "Knobelbecher"

Die hier vorliegenden Stiefel vom Typ “Knobelbecher” repräsentieren ein charakteristisches Ausrüstungsstück der deutschen Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs. Diese spezielle Ausführung für Unteroffiziere zeigt die differenzierte Uniformordnung und Hierarchie innerhalb der deutschen Streitkräfte zwischen 1935 und 1945.

Der umgangssprachliche Begriff “Knobelbecher” entwickelte sich aus der soldatischen Alltagssprache und bezog sich auf die markante Schaftform dieser hohen Marschstiefel. Die offizielle Bezeichnung lautete “Marschstiefel” oder “Schaftstiefel”. Diese Stiefel wurden gemäß der Heeresdienstvorschrift (HDv) und den Bekleidungsvorschriften des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) gefertigt und ausgegeben.

Die Konstruktion dieser Stiefel folgte strengen militärischen Spezifikationen. Mit einer Schafthöhe von etwa 42 cm reichten sie bis unter das Knie und boten optimalen Schutz bei Märschen und im Gefechtsfeld. Das geschwärzte Leder wurde aus robustem Rindsleder gefertigt, das durch mehrfache Behandlung mit Schuhcreme und Lederfett die charakteristische schwarze Färbung erhielt. Die Sohlen bestanden typischerweise aus mehrschichtigem Leder mit einer Stärke von etwa 10-12 mm und waren mit Eisennägeln beschlagen, die charakteristische Beschlagmuster aufwiesen.

Der Hersteller Kretzschmar gehörte zu den zahlreichen Schuhmanufakturen, die während der Rüstungsproduktion des Dritten Reiches für die Wehrmacht produzierten. Die Kennzeichnung mit Herstellernamen war vorgeschrieben und diente der Qualitätskontrolle sowie der Rückverfolgbarkeit. In Deutschland existierten Hunderte von Zulieferbetrieben für Militärstiefel, die unter strenger Aufsicht der Heeresverwaltung arbeiteten.

Für Unteroffiziere galten besondere Bestimmungen hinsichtlich der Uniformierung. Während Mannschaftsdienstgrade nach 1943 zunehmend mit Schnürschuhen und Gamaschen ausgestattet wurden, um Leder zu sparen, behielten Unteroffiziere häufig länger das Privileg, Schaftstiefel zu tragen. Dies unterstrich ihren Status als Vorgesetzte und Ausbilder. Die Stiefel mussten nach Vorschrift stets hochglänzend poliert sein, was durch stundenlanges “Wichsen” mit Schuhcreme und dem charakteristischen “Ausbrennen” mit heißem Wasser erreicht wurde.

Die Produktion von Militärstiefeln stellte während des Krieges eine enorme logistische Herausforderung dar. Die Wehrmacht benötigte Millionen von Stiefeln für ihre etwa 18 Millionen Soldaten. Besonders der Russlandfeldzug ab 1941 führte zu enormem Verschleiß, da die extremen Witterungsbedingungen und die langen Märsche das Material stark beanspruchten. Der Mangel an Rohmaterialien, besonders an hochwertigem Leder, führte ab 1942 zu Qualitätseinbußen und zur verstärkten Verwendung von Ersatzstoffen.

Die angegebene Sohlenlänge von etwa 30 cm entspricht einer Schuhgröße von ungefähr 44-45 nach heutigem europäischen Maßstab. Dies war eine durchschnittliche bis überdurchschnittliche Größe für deutsche Soldaten der damaligen Zeit. Die Stiefel wurden in verschiedenen Weitengraden gefertigt, um unterschiedlichen Fußformen gerecht zu werden.

Technisch gesehen waren diese Marschstiefel für ihre Zeit hochentwickelte Ausrüstungsgegenstände. Die Sohlennaht war in der Regel als Rahmennaht ausgeführt, was eine Reparatur und Neubesohlung ermöglichte – ein wichtiger Faktor angesichts der Material-knappheit. Der Schaft wurde aus einem Stück Leder gefertigt, um Nähte zu minimieren und die Wasserdichtigkeit zu verbessern.

Nach Kriegsende 1945 wurden viele dieser Stiefel von Siegermächten beschlagnahmt oder von der Zivilbevölkerung weiterverwendet. Aufgrund ihrer robusten Konstruktion überdauerten zahlreiche Exemplare bis heute und sind beliebte Sammlerobjekte für Militaria-Sammler. Sie dokumentieren nicht nur die Uniformgeschichte, sondern auch die handwerkliche Qualität deutscher Schuhmanufakturen sowie die sozialen Hierarchien innerhalb der Wehrmacht.

Aus konservatorischer Sicht repräsentieren solche Objekte wichtige Zeugnisse der Militärgeschichte des 20. Jahrhunderts. Sie ermöglichen Forschungen zu Produktionstechniken, Materialverwendung und der alltäglichen Realität von Soldaten. Zugleich erfordern sie eine kritische historische Einordnung im Kontext des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs.

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