Deutsche Gesellschaft für Wehrpolitik und Wehrwissenschaften ( DgfWuW ) - Mitgliedsabzeichen

an langer Nadel, Zustand 2.
478582
120,00

Deutsche Gesellschaft für Wehrpolitik und Wehrwissenschaften ( DgfWuW ) - Mitgliedsabzeichen

Das Mitgliedsabzeichen der Deutschen Gesellschaft für Wehrpolitik und Wehrwissenschaften (DgfWuW) stellt ein bedeutendes Zeugnis der deutschen Militärgeschichte der Nachkriegszeit dar. Diese Organisation wurde 1953 in Bonn gegründet und entwickelte sich zu einer der einflussreichsten wehrpolitischen Vereinigungen der jungen Bundesrepublik Deutschland.

Die Deutsche Gesellschaft für Wehrpolitik und Wehrwissenschaften entstand in einer Zeit tiefgreifender Umbrüche. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der bedingungslosen Kapitulation im Mai 1945 war Deutschland zunächst vollständig demilitarisiert worden. Mit dem beginnenden Kalten Krieg und der zunehmenden Spaltung Europas stellte sich jedoch die Frage nach einem deutschen Verteidigungsbeitrag im westlichen Bündnis. Die DgfWuW wurde in dieser Phase der Wiederbewaffnungsdebatte gegründet, die die bundesdeutsche Gesellschaft in den frühen 1950er Jahren spaltete.

Die Gesellschaft verstand sich als Forum für den sachlichen Austausch über wehrpolitische und wehrwissenschaftliche Fragestellungen. Ihre Mitglieder rekrutierten sich aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen: ehemalige Wehrmachtsoffiziere, Politiker, Wissenschaftler, Journalisten und interessierte Bürger. Die Organisation verfolgte das Ziel, zur Versachlichung der hochgradig emotionalisierten Debatte über die deutsche Wiederbewaffnung beizutragen und eine Brücke zwischen militärischer Tradition und demokratischer Erneuerung zu schlagen.

Das Mitgliedsabzeichen selbst wurde an einer langen Nadel getragen und diente als Erkennungszeichen der Zugehörigkeit zur Gesellschaft. Solche Abzeichen waren in der deutschen Vereinstradition seit dem 19. Jahrhundert üblich und symbolisierten die Verbundenheit mit den Zielen und Werten der jeweiligen Organisation. Im Kontext der 1950er Jahre hatte das Tragen eines solchen Abzeichens auch eine demonstrative Komponente, zeigte es doch die grundsätzliche Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit wehrpolitischen Fragen in einer Zeit, in der dies gesellschaftlich durchaus umstritten war.

Die Gründung der DgfWuW fiel in die Phase zwischen der Paulskirchen-Debatte von 1950 und der tatsächlichen Gründung der Bundeswehr im Jahr 1955. Die sogenannte Himmeroder Denkschrift vom Oktober 1950 hatte bereits grundlegende Überlegungen zur Struktur einer künftigen deutschen Streitmacht formuliert. Die DgfWuW bot einen Rahmen, in dem diese und andere konzeptionelle Fragen diskutiert werden konnten.

Die Gesellschaft setzte sich insbesondere mit Fragen der militärischen Planung, der Integration der Bundeswehr in das NATO-Bündnis (dem die Bundesrepublik 1955 beitrat) und den Besonderheiten einer demokratischen Streitkraft auseinander. Das Konzept der Inneren Führung, entwickelt maßgeblich von Wolf Graf von Baudissin, bildete einen wichtigen Diskussionsgegenstand. Dieses Konzept zielte darauf ab, den Soldaten als “Staatsbürger in Uniform” zu etablieren und damit einen fundamentalen Bruch mit den autoritären Strukturen der Wehrmacht zu vollziehen.

Die Aktivitäten der DgfWuW umfassten Vorträge, Tagungen, Publikationen und den persönlichen Austausch zwischen den Mitgliedern. Die Organisation trug damit zur Herausbildung einer neuen wehrpolitischen Kultur in der Bundesrepublik bei, die sich von der militaristischen Tradition des Deutschen Reiches distanzierte und gleichzeitig die Notwendigkeit einer effektiven Landesverteidigung im Rahmen der westlichen Verteidigungsgemeinschaft anerkannte.

Im Kontext der Sammlungsgeschichte militärischer Memorabilia stellen Mitgliedsabzeichen wie das der DgfWuW wichtige historische Quellen dar. Sie dokumentieren nicht nur die organisatorische Struktur und das Selbstverständnis solcher Vereinigungen, sondern auch die gesellschaftlichen Debatten ihrer Zeit. Das vorliegende Abzeichen in Zustand 2 (einer gängigen Erhaltungskategorie für militärische Antiquitäten) zeigt typische Gebrauchsspuren, die seine authentische Nutzung belegen.

Die Deutsche Gesellschaft für Wehrpolitik und Wehrwissenschaften wirkte über mehrere Jahrzehnte und begleitete die Entwicklung der Bundeswehr von ihrer Gründung durch die verschiedenen Phasen des Kalten Krieges. Sie repräsentiert damit ein wichtiges Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte und der Transformation des deutschen Militärwesens von einer autoritären zu einer demokratisch kontrollierten Institution.