III. Reich - Reichstreffen der Kinderreichen Frankfurt a.M. 5.-7. Juni 1937
Das Reichstreffen der Kinderreichen in Frankfurt am Main vom 5. bis 7. Juni 1937 war eine bedeutende propagandistische Veranstaltung des nationalsozialistischen Regimes, die im Rahmen der bevölkerungspolitischen Zielsetzungen des Dritten Reiches organisiert wurde. Das vorliegende Eisenblechabzeichen mit Nadelbefestigung dokumentiert diese Großveranstaltung und gehört zu den charakteristischen Erinnerungsstücken der NS-Familienpolitik.
Die nationalsozialistische Bevölkerungspolitik basierte auf ideologischen Grundsätzen, die kinderreiche Familien als tragendes Element der Volksgemeinschaft betrachteten. Nach der Machtergreifung 1933 entwickelte das Regime ein umfassendes System zur Förderung der Geburtenzahlen, das von finanziellen Anreizen über propagandistische Maßnahmen bis hin zu direkter Diskriminierung kinderloser oder kinderarmer Familien reichte. Die Reichsarbeitsgemeinschaft für Kinderreichtum und ähnliche Organisationen wurden gegründet, um diese Politik zu koordinieren und öffentlichkeitswirksam zu gestalten.
Das Reichstreffen 1937 in Frankfurt am Main fand in einer Phase statt, in der das NS-Regime seine familienpolitischen Bemühungen intensivierte. Der Vierjahresplan von 1936 hatte nicht nur wirtschaftliche, sondern auch demografische Zielsetzungen formuliert. Kinderreiche Familien sollten öffentlich geehrt und als Vorbilder präsentiert werden. Solche Massenveranstaltungen dienten mehreren Zwecken: Sie waren Propagandaspektakel, Belohnungssysteme für systemkonforme Familien und Instrumente zur Vermittlung der NS-Ideologie.
Die dreitägige Veranstaltung in Frankfurt umfasste typischerweise Aufmärsche, Reden hochrangiger NS-Funktionäre, kulturelle Darbietungen und die Verleihung von Auszeichnungen. Das Ehrenkreuz der Deutschen Mutter, das ab 1938 offiziell eingeführt wurde, hatte seine Vorläufer in solchen Veranstaltungen, bei denen kinderreiche Mütter bereits öffentlich geehrt wurden. Die Teilnehmer erhielten als Erinnerung an ihre Teilnahme Abzeichen wie das vorliegende Exemplar.
Das Eisenblechabzeichen selbst repräsentiert die typische Herstellungsweise von Massenabzeichen im Dritten Reich. Eisenblech war ein kostengünstiges Material, das eine industrielle Fertigung in großen Stückzahlen ermöglichte. Die Nadelbefestigung auf der Rückseite erlaubte das Tragen an der Kleidung, was bei solchen Veranstaltungen üblich war, um Teilnehmer zu identifizieren und die Zugehörigkeit zur Veranstaltung nach außen zu demonstrieren. Die Gestaltung solcher Abzeichen folgte häufig den standardisierten Formen der NS-Symbolik mit Reichsadler, Hakenkreuz und entsprechenden Schriftzügen.
Frankfurt am Main als Veranstaltungsort war keine zufällige Wahl. Die Stadt war ein wichtiges wirtschaftliches und verkehrstechnisches Zentrum im Deutschen Reich und bot die notwendige Infrastruktur für Großveranstaltungen. Die Festhalle Frankfurt und andere Veranstaltungsorte wurden regelmäßig für NS-Massenveranstaltungen genutzt. Die zentrale Lage ermöglichte eine gute Erreichbarkeit für Teilnehmer aus allen Teilen des Reiches.
Im breiteren historischen Kontext steht dieses Abzeichen für die systematische Instrumentalisierung der Familie durch das NS-Regime. Die Förderung kinderreicher Familien war untrennbar mit der rassistischen Ideologie des Nationalsozialismus verbunden. Nur “arische” Familien sollten Kinder bekommen, während gleichzeitig andere Bevölkerungsgruppen durch Zwangssterilisation und später durch Mord an der Fortpflanzung gehindert wurden. Die scheinbar positive Familienpolitik war Teil eines verbrecherischen Systems.
Für Sammler und Historiker sind solche Abzeichen heute wichtige Zeitdokumente. Sie belegen die Allgegenwärtigkeit der NS-Propaganda im Alltag und die Mechanismen der Massenmobilisierung. Der angegebene Zustand 2 deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar hin, was bei über 85 Jahre alten Eisenblechabzeichen bemerkenswert ist. Eisenblech neigt zur Rostbildung, weshalb viele dieser Abzeichen heute in schlechterem Zustand sind.
Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit solchen Objekten dient der historischen Aufarbeitung und Bildung. Sie erinnern an die Methoden totalitärer Herrschaft und die Durchdringung aller Lebensbereiche durch die NS-Ideologie. Das Reichstreffen der Kinderreichen 1937 war nur eine von vielen Veranstaltungen, mit denen das Regime versuchte, seine Vorstellungen von Volksgemeinschaft zu verwirklichen und die Bevölkerung auf die kommenden Kriegsziele einzuschwören.