Reichsbund der Deutschen Beamten ( RDB )
Das Mitgliedsabzeichen des Reichsbundes der Deutschen Beamten (RDB) stellt ein faszinierendes Zeugnis der nationalsozialistischen Durchdringung der deutschen Staatsadministration dar. Diese kleinen Metallabzeichen, die an der zivilen Kleidung oder auf Uniformen getragen wurden, verkörperten die politische Kontrolle über das Beamtentum im Dritten Reich.
Der Reichsbund der Deutschen Beamten wurde im Oktober 1933 als eine mit der NSDAP verbundene Organisation gegründet. Die Vereinigung löste den im Dezember 1918 gegründeten Deutschen Beamtenbund ab und markierte damit den Übergang zu einer vollständig gleichgeschalteten Beamtenschaft. Unter der Leitung von Hermann Neef, der gleichzeitig als Leiter des Hauptamtes für Beamte in der Reichsleitung der NSDAP fungierte, sollte der RDB die deutsche Beamtenschaft kontrollieren, die politische Loyalität gegenüber dem NS-Regime sicherstellen und an Gesetzgebung und Personalentscheidungen im Beamtenwesen mitwirken. Die Organisation gliederte ihre Mitglieder in 14 berufliche Fachschaften nach Verwaltungszugehörigkeit.
Die Mitgliedsabzeichen zeigen eine stilisierte nationalsozialistische Adlerfigur mit ausgebreiteten Schwingen, die ein Hakenkreuz umfasst. Auf der Brust des Adlers sind die Initialen RDB angebracht. Diese ikonographische Gestaltung folgte der typischen NS-Symbolik und verband die Mitgliedschaft im Beamtenbund unmittelbar mit der nationalsozialistischen Ideologie. Die Abzeichen wurden in verschiedenen Materialien gefertigt, darunter versilberte Bronze, Messing und versilbertes Metall, manchmal auch in Buntmetall mit versilberter Oberfläche.
Ab 1934 unterlag die Herstellung der Mitgliedsabzeichen der Qualitätskontrolle durch die Reichszeugmeisterei (RZM), die zentrale Materialverwaltung der NSDAP. Verschiedene autorisierte Hersteller produzierten die Abzeichen, darunter renommierte Firmen wie Matthias Oechsler & Sohn aus Ansbach (RZM-Code M1/14), Karl Wurster aus Markneukirchen (M1/34), Steinhauer & Lück aus Lüdenscheid (M1/63) und Deschler & Sohn aus München (M1/152). Auf der Rückseite der Abzeichen finden sich entsprechende Herstellermarkierungen, entweder als RZM-Codes oder als Herstellerkürzel wie M.O.S., KW, STL oder der Vermerk Ges. Gesch. (Gesetzlich Geschützt). Die Abzeichen waren typischerweise etwa 21 bis 23 Millimeter breit und 14 bis 15 Millimeter hoch, wobei die Maße je nach Hersteller leicht variierten.
Das vorliegende Exemplar wird als 2. Form bezeichnet und verfügt über eine Clipnadel-Befestigung. Der angegebene Erhaltungszustand 2 weist auf einen guten bis sehr guten gebrauchten Zustand hin. Die verschiedenen Befestigungsarten – horizontale Nadel oder Clip – spiegeln die unterschiedlichen Tragegewohnheiten und Herstellungsvarianten wider.
Ein wichtiger Aspekt der RDB-Mitgliedschaft war ihre formale Freiwilligkeit. Die Mitgliedschaft im Reichsbund war nicht zwingend erforderlich, um als Beamter tätig zu sein, und die RDB-Mitgliedschaft setzte auch keine NSDAP-Parteimitgliedschaft voraus, obwohl die meisten RDB-Mitglieder sich entschieden, der Partei beizutreten. Das Abzeichen diente dennoch als sichtbares Zeichen der Loyalität zum nationalsozialistischen System und der Bereitschaft, die NS-Ideologie innerhalb der Beamtenschaft zu verbreiten.
Nach der Niederlage NS-Deutschlands im Zweiten Weltkrieg 1945 erließ die amerikanische Militärregierung Sondergesetze, die die NSDAP und alle ihre Gliederungen, einschließlich des RDB, verboten. Die Organisation wurde aufgelöst und hörte auf zu existieren. Die Mitgliedsabzeichen wurden zu Sammlerstücken und historischen Artefakten, die heute als Sachzeugen einer dunklen Epoche deutscher Geschichte gelten und Einblick in die Mechanismen politischer Kontrolle und ideologischer Durchdringung des Staatsapparates bieten.