Zaristisches Rußland Prunkvolles, teils vergoldetes Geschenkmesser mit russischem Doppeladler und schwedischem Staatswappen, um 1910

Stahl, geätzt, vergoldet, geblaut und geschwärzt. Vier verschiedene Klingen, eine mit Herstellerstempel "Emil Olsson Eskilstuna". Rückseitig kyrillische Signatur "Karl Nissen". Länge 8,9 cm. Im originalen ledernen Etui. Sehr gute Qualität und Zustand.
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2.300,00

Zaristisches Rußland Prunkvolles, teils vergoldetes Geschenkmesser mit russischem Doppeladler und schwedischem Staatswappen, um 1910

Dieses prunkvolle Geschenkmesser verkörpert eine bemerkenswerte Episode der russisch-schwedischen Beziehungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Das etwa um 1910 entstandene vierklingige Taschenmesser vereint die technische Exzellenz schwedischer Messerhandwerkskunst mit aufwendiger Verzierung, die sowohl den russischen kaiserlichen Doppeladler als auch das schwedische Staatswappen mit den drei Kronen zeigt.

Die Herstellung erfolgte durch die Firma Emil Olsson in Eskilstuna, der skandinavischen Hauptstadt der Messerfertigung. Die 1896 von Fredrick Emil Olsson gegründete Firma war bis zu ihrer Schließung 1967 tätig und produzierte während ihrer 71-jährigen Betriebszeit Hunderttausende von Messern. Eskilstuna hatte sich zur Jahrhundertwende zu einem Zentrum der Schneidwarenindustrie mit über 100 Firmen entwickelt. Die Firma Emil Olsson spezialisierte sich auf tiefgeätzte Verzierungen und mehrblättrige Taschenmesser, die häufig als Firmengeschenke und Erinnerungsstücke dienten. Dieses diplomatische Präsentationsmesser stellt jedoch eine einzigartige Auftragsarbeit dar.

Die Ausarbeitung des Messers erfolgte durch Karl Nissen, dessen kyrillische Signatur auf der Rückseite angebracht ist. Das Messer ist aus Stahl gefertigt und zeigt eine kunstvolle Kombination verschiedener Oberflächenbehandlungen: geätzt, teilvergoldet, geblaut und geschwärzt. Mit einer geschlossenen Länge von 8,9 Zentimetern und vier verschiedenen Klingen verkörpert es die hohe Qualität diplomatischer Geschenke jener Epoche. Es wird in seinem originalen Lederetui aufbewahrt.

Der historische Kontext der Entstehungszeit ist von besonderer Bedeutung. Nach Jahrhunderten militärischer Auseinandersetzungen zwischen Russland und Schweden – der letzte russisch-schwedische Krieg endete 1809 – markierte das frühe 20. Jahrhundert eine Phase bemerkenswerter Annäherung. Im Jahr 1905 unterzeichneten Schweden und Russland ein Schiedsabkommen. In den Jahren von 1910 bis 1917 entwickelte sich Russland zu einem der wichtigsten Exportmärkte Schwedens, wobei die schwedischen Exporte nach Russland zwischen 1905 und 1917 um beeindruckende 1.746 Prozent anstiegen. Diese wirtschaftliche Verflechtung spiegelte sich in diplomatischen Austauschbeziehungen wider, für die solche Präsentationsmesser als materielle Zeichen der bilateralen Beziehungen dienten.

Die Symbolik des Messers verbindet zwei bedeutende staatliche Embleme. Der doppelköpfige Adler war seit Iwan III. (1462-1505) das offizielle Symbol des Russischen Reiches und erhielt unter Peter dem Großen (1682-1725) seine definitive Form. Das schwedische Staatswappen mit den drei Kronen datiert aus dem 17. Jahrhundert. Diese Kombination auf einem schwedischen Erzeugnis mit russischer Verzierung dokumentiert die kulturelle und politische Verflechtung beider Nationen in der Vorkriegszeit.

Die historische Entwicklung nach 1910 verlief dramatisch. Die Russische Revolution von 1917 beendete die Zarenherrschaft und damit auch die Verwendung des kaiserlichen Doppeladlers, der von den Bolschewiki abgeschafft wurde. Dennoch blieben die schwedisch-russischen Beziehungen bestehen. Schweden wurde 1918 die erste westliche Macht, die ein Handelsabkommen mit dem bolschewistischen Regime abschloss, gefolgt von der formellen Anerkennung im Jahr 1924. Die Firma Emil Olsson setzte ihre Produktion bis 1967 fort, als sie schließlich ihre Pforten schloss. Der kaiserliche Doppeladler wurde erst in der Russischen Föderation 1993 als Staatssymbol wiedereingeführt.

Dieses Messer steht als faszinierendes Zeugnis für eine Epoche diplomatischer und wirtschaftlicher Kooperation zwischen zwei ehemals verfeindeten Nationen, deren Partnerschaft durch die politischen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts grundlegend transformiert wurde.