Elastolin - Heer Offizier stehend telefonierend
Elastolin-Figuren: Deutsche Heeresoffiziere im Miniaturformat
Die vorliegende Elastolin-Figur eines stehenden, telefonierenden Heeresoffiziers der Wehrmacht repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der deutschen Spielzeug- und Militärgeschichte. Mit einer Höhe von 7 cm gehört sie zur klassischen Standardgröße der Hausser-Elastolin-Produktlinie, die zwischen den 1930er und 1950er Jahren gefertigt wurde.
Die Firma Hausser und das Material Elastolin
Die Firma O. & M. Hausser wurde 1904 in Ludwigsburg gegründet und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten deutschen Spielzeughersteller. Die Brüder Otto und Max Hausser erfanden um 1926 das Material Elastolin, eine bahnbrechende Masse aus Kasein, Kreide, Glyzerin, Leim und anderen Zusätzen. Diese Innovation revolutionierte die Spielzeugproduktion, da das Material elastischer und bruchsicherer als die bis dahin übliche Masseware war. Elastolin-Figuren konnten gegossen werden, waren relativ leicht und detailliert gestaltbar – ideale Eigenschaften für Spielzeugfiguren.
Militärische Kommunikation im Zweiten Weltkrieg
Die Darstellung eines telefonierenden Offiziers spiegelt die immense Bedeutung der Nachrichtenverbindungen in der deutschen Wehrmacht wider. Die Fernmeldetruppe (Nachrichtentruppe) bildete das Rückgrat der militärischen Kommunikation. Feldtelefone wie das Feldfernsprecher FF33 oder das spätere FF38 waren unverzichtbare Ausrüstungsgegenstände an allen Fronten. Diese Geräte ermöglichten die Verbindung über Feldkabel bis zu mehreren Kilometern Entfernung.
Offiziere der Wehrmacht trugen die Verantwortung für die Koordination ihrer Einheiten, und das Telefon war dabei ein essentielles Führungsmittel. Im Gegensatz zum Funk, der abhörbar war, bot die Kabelverbindung mehr Sicherheit für vertrauliche Gespräche. Die Darstellung eines Offiziers mit Telefon war somit kein zufälliges Motiv, sondern reflektierte eine militärische Realität.
Sammleraspekte und Zustandsbeurteilung
Der angegebene Zustand 2 entspricht in der gängigen Sammlerterminologie einem sehr guten Erhaltungszustand mit nur minimalen Gebrauchsspuren. Bei Elastolin-Figuren wird der Zustand typischerweise nach einer Skala von 1 (neuwertig) bis 5 (stark beschädigt) bewertet. Zustand 2 bedeutet, dass die Figur nahezu vollständig erhalten ist, die Bemalung weitgehend intakt ist und nur geringfügige Alters- oder Spielspuren aufweist.
Historischer Kontext der Produktion
Während der NS-Zeit produzierte Hausser-Elastolin umfangreiche Serien von Wehrmacht-Figuren, die sowohl als Spielzeug als auch zu propagandistischen Zwecken dienten. Die Figuren stellten alle Waffengattungen dar: Infanterie, Panzertruppe, Luftwaffe und Kriegsmarine. Nach 1945 wurde die Produktion zunächst eingestellt, später aber unter alliierter Aufsicht wieder aufgenommen, wobei militärische Motive zunächst untersagt waren.
In den 1950er Jahren begann Hausser erneut mit der Produktion von Militärfiguren, nun auch für den Export. Diese Nachkriegsproduktionen sind oft schwerer von Originalfiguren aus den 1930er und 1940er Jahren zu unterscheiden, was für Sammler eine besondere Herausforderung darstellt.
Kulturhistorische Bedeutung
Elastolin-Figuren sind heute wichtige kulturhistorische Zeugnisse. Sie dokumentieren nicht nur die Geschichte der Spielzeugindustrie, sondern auch die gesellschaftliche Militarisierung in der Zwischenkriegszeit und während des Nationalsozialismus. Kinder wuchsen mit diesen Figuren auf und internalisierten militärische Werte und Strukturen durch das Spiel.
Gleichzeitig zeigen diese Miniaturen die hohe handwerkliche Qualität deutscher Spielzeugherstellung. Die detailreiche Gestaltung der Uniformen, Ausrüstungsgegenstände und Haltungen zeugt von präziser Beobachtung und künstlerischem Können der Modelleure.
Sammlerwert und Markt
Heute sind gut erhaltene Elastolin-Figuren begehrte Sammlerobjekte. Besonders Offiziersfiguren mit speziellen Attributen wie Telefonen, Ferngläsern oder Kartentischen erzielen höhere Preise als einfache Infanteristen. Der Markt für diese Figuren ist international, mit Sammlern in Europa, Nordamerika und zunehmend auch in Asien.
Die Bewertung erfolgt nach Seltenheit, Zustand, Vollständigkeit und historischer Authentizität. Figuren aus der Vorkriegs- und Kriegszeit sind besonders gesucht, wobei ethische Fragen bezüglich der Kommerzialisierung von NS-Militaria stets mitdiskutiert werden.
Fazit
Die Elastolin-Figur eines telefonierenden Heeresoffiziers ist mehr als ein Spielzeug – sie ist ein materielles Zeugnis deutscher Industrie-, Militär- und Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts. Sie verbindet handwerkliche Tradition mit historischer Dokumentation und bleibt ein faszinierendes Studienobjekt für Sammler, Historiker und Kulturwissenschaftler.