Frankreich Julimonarchie/2. Republik Koppelschloss Modell 1845 für Offiziere Linien-Infanterie

Um 1850. Dachbodenfund. Zustand 4.
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35,00

Frankreich Julimonarchie/2. Republik Koppelschloss Modell 1845 für Offiziere Linien-Infanterie

Das Koppelschloss Modell 1845 für Offiziere der Linien-Infanterie stellt ein bedeutendes Ausrüstungsstück aus der Zeit der Julimonarchie und der Zweiten Französischen Republik dar. Dieses um 1850 gefertigte Exemplar verkörpert eine Übergangsperiode in der französischen Militärgeschichte, die von erheblichen politischen und militärischen Umwälzungen geprägt war.

Die Julimonarchie (1830-1848) unter König Louis-Philippe I. brachte zahlreiche Reformen im französischen Militärwesen mit sich. Nach der Julirevolution von 1830 sah sich das neue Regime gezwungen, die Armee zu reorganisieren und ihre Ausrüstung zu modernisieren. Das Koppelschloss Modell 1845 wurde in diesem Kontext als Teil einer umfassenden Standardisierung der Offiziersausrüstung eingeführt.

Die Ordonnanz von 1845 legte detaillierte Vorschriften für die Uniform- und Ausrüstungsgegenstände der französischen Armee fest. Das Koppelschloss diente dabei nicht nur als funktionales Element zur Befestigung des Koppels, sondern auch als Rangabzeichen und Symbol der militärischen Autorität. Für Offiziere der Linien-Infanterie waren diese Schlösser in der Regel aus hochwertigeren Materialien gefertigt als jene der Mannschaften, oft aus vergoldeter Bronze oder Messing.

Die Linien-Infanterie bildete das Rückgrat der französischen Landstreitkräfte. Im Gegensatz zur leichten Infanterie oder den Eliteeinheiten wie den Grenadieren und Voltigeurs waren die Linienregimenter für den regulären Frontdienst vorgesehen. Ihre Offiziere trugen spezifische Ausrüstungsgegenstände, die ihren Status und ihre Zugehörigkeit zur jeweiligen Waffengattung kennzeichneten.

Das Design des Modells 1845 folgte der französischen Tradition militärischer Ornamentik. Typischerweise zeigten diese Koppelschlösser das königliche Wappen oder militärische Symbole wie gekreuzte Gewehre, Adler oder Lorbeerkränze. Die Gestaltung war dabei stets einem strengen Regelwerk unterworfen, das in den militärischen Vorschriften genau festgelegt war.

Die Zeit um 1850, als dieses Stück gefertigt wurde, war für Frankreich von besonderer Bedeutung. Die Revolution von 1848 hatte die Julimonarchie gestürzt und die Zweite Republik ausgerufen. Louis-Napoléon Bonaparte, der spätere Kaiser Napoleon III., wurde zum Präsidenten gewählt. Diese politischen Umwälzungen beeinflussten auch die militärische Symbolik, wobei königliche Embleme durch republikanische ersetzt wurden.

Trotz dieser politischen Veränderungen blieb das Modell 1845 in Verwendung, da militärische Ausrüstungsreformen in der Regel längere Zeiträume in Anspruch nahmen. Viele Offiziere behielten ihre Ausrüstungsgegenstände über Regimewechsel hinweg, wobei manchmal nur die politischen Symbole ausgetauscht wurden.

Die Fertigung solcher Koppelschlösser erfolgte durch spezialisierte Handwerker und Militäreffektenhersteller, die oft in den großen Städten wie Paris, Lyon oder Straßburg ansässig waren. Die Qualität der Verarbeitung variierte je nach Hersteller und Preisklasse, wobei Offiziere häufig die Möglichkeit hatten, hochwertigere Stücke von privaten Lieferanten zu erwerben, solange diese den offiziellen Vorschriften entsprachen.

Das vorliegende Exemplar als Dachbodenfund bezeugt die weit verbreitete Praxis, militärische Ausrüstungsgegenstände als persönliche Erinnerungsstücke aufzubewahren. Viele Offiziere betrachteten ihre Dienstausrüstung als wertvolle Andenken an ihre militärische Karriere und vererbten sie innerhalb der Familie.

Der angegebene Zustand 4 weist auf erhebliche Gebrauchsspuren und möglicherweise Beschädigungen hin, was bei einem über 170 Jahre alten Objekt nicht ungewöhnlich ist. Solche Stücke sind dennoch von erheblichem historischen Wert, da sie authentische Zeugnisse einer wichtigen Epoche der französischen Militärgeschichte darstellen.

Die militärhistorische Bedeutung des Koppelschlosses Modell 1845 liegt nicht nur in seiner Funktion, sondern auch in seiner Rolle als Träger von Symbolik und militärischer Identität. Es repräsentiert eine Ära, in der die französische Armee ihre koloniale Expansion in Algerien vorantrieb und gleichzeitig mit innenpolitischen Unruhen konfrontiert war. Offiziere, die solche Koppelschlösser trugen, dienten in einer Zeit grundlegender Veränderungen, die schließlich zum Zweiten Kaiserreich (1852-1870) führten.

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