Königin-Luise-Bund ( KLB )
Der Königin-Luise-Bund (KLB) war eine bedeutende deutsche Frauenorganisation, die von 1923 bis 1934 existierte und nach der preußischen Königin Luise von Mecklenburg-Strelitz (1776-1810) benannt wurde. Diese Organisation spielte eine wichtige Rolle in der konservativen und nationalistischen Frauenbewegung der Weimarer Republik.
Der vorliegende Kettenanhänger aus 830er Silber repräsentiert ein typisches Mitgliedsabzeichen des Bundes. Solche Anhänger wurden von Mitgliedern getragen, um ihre Zugehörigkeit zur Organisation zu demonstrieren. Die Verwendung von Sterlingsilber mit dem Stempel “830” war in Deutschland während der 1920er und frühen 1930er Jahre üblich und entsprach den damaligen Edelmetallstandards.
Historischer Hintergrund: Der Königin-Luise-Bund wurde 1923 gegründet und entwickelte sich schnell zu einer der größten konservativen Frauenorganisationen der Weimarer Republik. Auf seinem Höhepunkt in den frühen 1930er Jahren zählte der Bund schätzungsweise über 200.000 Mitglieder. Die Organisation verstand sich als patriotische Vereinigung, die traditionelle deutsche Werte und Tugenden fördern wollte.
Die Namensgeberin, Königin Luise, galt seit dem 19. Jahrhundert als Idealfigur preußischer und deutscher Weiblichkeit. Ihre Rolle während der napoleonischen Kriege, ihre Anmut und ihr früher Tod im Alter von nur 34 Jahren hatten sie zu einer romantisierten Heldin gemacht. Der Bund bezog sich bewusst auf diese historische Figur, um ein bestimmtes Frauenbild zu propagieren.
Ideologie und Ziele: Der KLB vertrat konservative, monarchistische und nationalistische Positionen. Die Organisation lehnte die Weimarer Republik weitgehend ab und sehnte sich nach der Wiederherstellung monarchischer Strukturen. Gleichzeitig betonte der Bund die Rolle der Frau als Mutter, Erzieherin und Bewahrerin deutscher Traditionen. Dies stand im Gegensatz zu progressiveren Frauenbewegungen der Zeit, die für Gleichberechtigung und politische Teilhabe kämpften.
Abzeichen und Symbolik: Die Mitgliedsabzeichen des Königin-Luise-Bundes zeigten typischerweise das Profil oder Monogramm der Königin Luise. Sie wurden in verschiedenen Ausführungen hergestellt, von einfachen Blechversionen bis zu hochwertigen Silberausführungen wie dem beschriebenen Exemplar. Das Tragen solcher Abzeichen diente nicht nur der Identifikation, sondern war auch ein politisches Statement in einer Zeit großer gesellschaftlicher Umbrüche.
Das Ende des Bundes: Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde der Königin-Luise-Bund wie viele andere Organisationen gleichgeschaltet. 1934 erfolgte die formelle Auflösung, und die Mitglieder wurden in nationalsozialistische Frauenorganisationen, insbesondere die NS-Frauenschaft, überführt. Obwohl ideologische Überschneidungen existierten, widersprach die Existenz eigenständiger konservativer Organisationen dem totalitären Anspruch des NS-Regimes.
Sammlerwert und historische Bedeutung: Heute sind Abzeichen und Ephemera des Königin-Luise-Bundes gesuchte Sammlerstücke, die die komplexe politische und soziale Landschaft der Weimarer Republik dokumentieren. Sie zeugen von einer Zeit, in der verschiedene politische Strömungen um die Zukunft Deutschlands rangen und unterschiedliche Visionen von Gesellschaft und Geschlechterrollen konkurrierten. Die Silberqualität und Erhaltung solcher Stücke bestimmen heute ihren historischen und materiellen Wert.