Preußen Gips-Plakette mit Bildnis König Friedrich Wilhelms III. (*1770, †1840)

Um 1900. Runde Plakette mit Bildnis des Königs im Profil als Halbrelief, Durchmesser ca. 8.5 cm, rückseitig mit Stempel «Preussischer Kulturbesitz ...», darunter Nummer «3079». Zustand 2.
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95,00

Preußen Gips-Plakette mit Bildnis König Friedrich Wilhelms III. (*1770, †1840)

Die vorliegende Gips-Plakette stellt König Friedrich Wilhelm III. von Preußen (1770-1840) dar und gehört zu einer bedeutenden Kategorie preußischer Erinnerungsobjekte, die um 1900 hergestellt wurden. Diese Art von Memorabilia erlebte im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert eine besondere Blütezeit, als das deutsche Kaiserreich seine preußische Tradition und königliche Vergangenheit zelebrierte.

Friedrich Wilhelm III. bestieg 1797 den preußischen Thron und regierte während einer der turbulentesten Perioden der europäischen Geschichte. Seine Herrschaft war geprägt von den Napoleonischen Kriegen, der katastrophalen Niederlage bei Jena und Auerstedt 1806, der französischen Besatzung, und schließlich dem Triumph der Befreiungskriege 1813-1815. Als König war er zunächst Zeuge des Zusammenbruchs des alten preußischen Staates, bevor er zum Symbol der nationalen Erneuerung wurde.

Die Heeresreformen unter Scharnhorst und Gneisenau sowie die preußischen Reformen unter Hardenberg und Stein prägten seine Regierungszeit nachhaltig. Diese Modernisierungen transformierten Preußen von einem absolutistischen Staat in eine modernere Monarchie mit administrativen und militärischen Strukturen, die zum Vorbild für andere deutsche Staaten wurden.

Die Herstellung von Gips-Plaketten mit königlichen Bildnissen hatte in Preußen eine lange Tradition. Die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM) und andere staatliche Institutionen produzierten solche Memorabilia, um das Andenken bedeutender Herrscher zu bewahren. Der Stempel “Preussischer Kulturbesitz” auf der Rückseite weist darauf hin, dass dieses Objekt aus offiziellen preußischen Sammlungen stammte oder deren Motive reproduzierte.

Um 1900, zur Zeit der Herstellung dieser Plakette, befand sich das Deutsche Kaiserreich unter Kaiser Wilhelm II. auf dem Höhepunkt seiner Macht. Die Verehrung der preußischen Könige, insbesondere Friedrich Wilhelms III. und seines Sohnes Friedrich Wilhelm IV., war Teil der offiziellen Geschichtspolitik. Die Erinnerung an die Befreiungskriege gegen Napoleon wurde als Gründungsmythos des deutschen Nationalstaates instrumentalisiert.

Solche Plaketten dienten verschiedenen Zwecken: Sie waren Sammlerobjekte für das gebildete Bürgertum, Lehrmittel in Schulen, Dekorationsobjekte in öffentlichen Gebäuden und Ausdruck der Loyalität gegenüber der Hohenzollern-Dynastie. Die Profildarstellung folgte der klassischen Tradition der Herrschermedaillons und bezog sich bewusst auf antike römische Vorbilder.

Die Nummer “3079” deutet auf eine systematische Katalogisierung innerhalb einer größeren Sammlung hin. Der Preußische Kulturbesitz umfasste umfangreiche Kunst- und Kultursammlungen, die nach 1945 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR aufgeteilt wurden und heute von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz verwaltet werden.

Die künstlerische Qualität solcher Plaketten variierte erheblich. Während Originalentwürfe oft von renommierten Bildhauern wie Christian Daniel Rauch oder Friedrich Drake stammten, wurden Reproduktionen in verschiedenen Qualitätsstufen hergestellt. Gips als Material ermöglichte kostengünstige Vervielfältigung und war gleichzeitig formstabil genug für detaillierte Reliefdarstellungen.

Im militärhistorischen Kontext ist Friedrich Wilhelm III. besonders bedeutsam für die Neuorganisation der preußischen Armee nach 1806. Die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht, die Reform der Offiziersausbildung und die Modernisierung der Taktik machten die preußische Armee zu einer der schlagkräftigsten Streitkräfte Europas. Diese Reformen bildeten die Grundlage für die späteren militärischen Erfolge Preußens im 19. Jahrhundert.

Heute sind solche Plaketten wichtige Zeugnisse der preußischen Erinnerungskultur und der Geschichtspolitik des wilhelminischen Kaiserreichs. Sie dokumentieren, wie historische Persönlichkeiten für zeitgenössische politische Zwecke instrumentalisiert wurden und wie materielle Kultur zur Festigung nationaler Identität beitrug.

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