Preußen Notizblock in der Form einer Säbeltasche Husaren

Um 1900. Rotes Leder mit Aufdruck, innen mit Leinenbezug und Abreißzetteln, die oberen ca. drei Stück entfernt. Höhe ca. 12.5 cm. Zustand 2.

Erstmalig in unserem Bestand! Ein sehr schönes Accessoire für die Husaren-Vitrine!
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450,00

Preußen Notizblock in der Form einer Säbeltasche Husaren

Dieses außergewöhnliche Objekt aus der Zeit um 1900 repräsentiert eine faszinierende Verbindung zwischen militärischer Tradition und praktischem Alltagsgebrauch im Königreich Preußen. Der Notizblock in Form einer Säbeltasche spiegelt die tief verwurzelte Husarenkultur wider, die das preußische und später das deutsche Militärwesen über mehr als zwei Jahrhunderte prägte.

Die Husaren waren ursprünglich leichte Kavallerie-Einheiten, die im 15. Jahrhundert in Ungarn entstanden und sich über ganz Europa verbreiteten. In Preußen wurden die ersten Husarenregimenter unter Friedrich Wilhelm I. und seinem Sohn Friedrich dem Großen im 18. Jahrhundert aufgestellt. Diese Truppen entwickelten sich zu Elite-Einheiten, die für ihre Schnelligkeit, ihren Mut und ihre charakteristische Uniform bekannt waren. Die Säbeltasche oder Sabretache, wie sie aus dem Französischen bekannt ist, war ein wesentlicher Bestandteil der Husarenuniform.

Die Sabretache hatte ihren Ursprung als praktisches militärisches Ausrüstungsstück. Sie hing an Riemen vom Säbelgurt herab und diente ursprünglich zur Aufbewahrung wichtiger Dokumente, Karten, Befehle und persönlicher Gegenstände des Offiziers. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Säbeltasche jedoch zunehmend zu einem repräsentativen Element der Husarenuniform. Besonders bei Paraden und offiziellen Anlässen wurden prächtig verzierte Säbeltaschen aus Leder getragen, oft mit aufwendigen Stickereien, Metallbeschlägen und dem Monogramm des jeweiligen Regiments oder des Monarchen.

Im Deutschen Kaiserreich (1871-1918) existierten zahlreiche Husarenregimenter, darunter berühmte Einheiten wie das Leib-Husaren-Regiment Nr. 1 und 2, die Zieten-Husaren und das Totenkopf-Husaren-Regiment Nr. 5. Jedes Regiment hatte seine eigene Tradition, Uniformierung und spezifische Ausgestaltung der Ausrüstungsgegenstände. Die Farben und Verzierungen der Säbeltaschen variierten je nach Regiment und dienten der Identifikation auf dem Schlachtfeld.

Der vorliegende Notizblock aus rotem Leder mit Aufdruck ist ein hervorragendes Beispiel für die Husarenmanie, die um die Jahrhundertwende in Deutschland herrschte. Diese Zeit war geprägt von einem ausgeprägten Militarismus und einer Begeisterung für militärische Traditionen. Husaren galten als besonders romantische und elegante Soldaten, und ihre charakteristische Erscheinung - mit Attila (Jacke), Pelz, Tschako (Kopfbedeckung) und eben der Säbeltasche - faszinierte die Gesellschaft.

Solche zivilen Gebrauchsgegenstände in militärischer Form waren in der wilhelminischen Ära weit verbreitet. Sie dienten als Reservistengeschenke, Andenken an die Dienstzeit oder wurden von Veteranen und Militärbegeisterten als Sammlerstücke erworben. Die Herstellung solcher Objekte war ein eigener Wirtschaftszweig, der von spezialisierten Handwerkern und Manufakturen betrieben wurde.

Die Konstruktion des Notizblocks mit Leinenbezug im Inneren und abreißbaren Zetteln zeigt die praktische Anwendung des Gegenstands. Er war nicht nur ein dekoratives Objekt, sondern sollte tatsächlich benutzt werden - möglicherweise von einem ehemaligen Husarenoffizier oder einem Reservisten, der seine militärische Vergangenheit in seinen Alltag integrieren wollte.

Das rote Leder ist typisch für viele Husarenregimenter, bei denen Rot eine der Traditionsfarben darstellte. Der Aufdruck, vermutlich mit militärischen Symbolen oder Regimentsinsignien, verstärkte die Verbindung zur militärischen Tradition. Die Qualität der Verarbeitung deutet auf eine handwerklich hochwertige Fertigung hin, wie sie für Offiziersgegenstände üblich war.

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Monarchie 1918 verloren solche militärischen Erinnerungsstücke zunächst an Popularität, wurden aber später zu begehrten Sammlerobjekten. Sie dokumentieren eine vergangene Epoche deutscher Militärgeschichte und die besondere Stellung der Kavallerie, die mit der Mechanisierung der Kriegsführung im 20. Jahrhundert endgültig verschwand.

Heute sind solche Objekte wichtige kulturhistorische Zeugnisse, die Einblick in die Alltagskultur, den Militarismus und die gesellschaftlichen Werte der wilhelminischen Zeit geben. Sie sind nicht nur militärhistorisch bedeutsam, sondern auch sozialgeschichtlich aufschlussreich für das Verständnis der preußisch-deutschen Gesellschaft um 1900.