Preußen Pickelhaube für einen Feldwebel der Schlossgarde-Kompanie

Berlin, um 1910. Lederhelm, komplett mit allen Beschlägen in silberfarbener Ausführung. Vorne der Gardeadler mit aufgelegtem Gardestern in der Ausführung für Mannschaften und Unteroffiziere, flache Schuppenketten an Eisenschrauben mit Rosetten, die beiden Kokarden in der Ausführung für Unteroffiziere, Kreuzblatt mit Kugelkopfschrauben, der Hals der nicht abnehmbaren Spitze mit Perlrand. Eckiger Vorderschirm. Innen mit feinem gelaschtem Lederfutter, die Schirme nicht gefüttert. Größe ca. 57. Der Lack des Lederhelms auf der rechten Seite mit einer ca. 4 cm langen Abplatzung. Zustand 2.
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3.200,00

Preußen Pickelhaube für einen Feldwebel der Schlossgarde-Kompanie

Die Pickelhaube der Schlossgarde-Kompanie repräsentiert eines der prestigeträchtigsten militärischen Kopfbedeckungen des Königreichs Preußen in der späten Kaiserzeit. Diese um 1910 gefertigte Ausführung für einen Feldwebel vereint die charakteristischen Merkmale der preußischen Garde mit den spezifischen Rangabzeichen der Unteroffiziere.

Die Schlossgarde-Kompanie wurde im Jahre 1859 unter König Friedrich Wilhelm IV. gegründet und diente ursprünglich dem besonderen Schutz der königlichen Residenzen in Berlin und Potsdam. Diese Eliteeinheit rekrutierte ihre Mannschaften aus besonders verdienten und zuverlässigen Soldaten der preußischen Armee. Die Angehörigen der Schlossgarde trugen spezielle Uniformen und Abzeichen, die ihre herausgehobene Stellung innerhalb der militärischen Hierarchie deutlich machten.

Die hier vorliegende Pickelhaube zeigt die typische Konstruktion der preußischen Helme dieser Periode. Der Lederhelm wurde aus mehreren Schichten gepressten Leders gefertigt und anschließend mit Schellack lackiert, um eine glänzende, wetterbeständige Oberfläche zu erzeugen. Diese Fertigungstechnik hatte sich seit der Einführung der Pickelhaube in den 1840er Jahren bewährt und blieb bis zum Ende des Ersten Weltkriegs weitgehend unverändert.

Das prägnanteste Merkmal dieser Helm ist der Gardeadler mit aufgelegtem Gardestern auf der Vorderseite. Der preußische Gardeadler unterschied sich vom normalen Linienregiment-Adler durch seine besondere Ausführung und symbolisierte die direkte Unterstellung unter den König. Der Gardestern, ein achtzackiger Stern, war das zusätzliche Erkennungszeichen aller Gardeformationen. Die hier vorliegende Ausführung “für Mannschaften und Unteroffiziere” war schlichter gestaltet als die für Offiziere, bei denen der Stern häufig vergoldet und aufwendiger gearbeitet war.

Die silberfarbenen Beschläge sind charakteristisch für die Schlossgarde-Kompanie und unterscheiden diesen Helm von den Messingbeschlägen der meisten anderen preußischen Einheiten. Die flachen Schuppenketten, die am Helm befestigt waren, dienten ursprünglich dem Schutz des Gesichts im Gefecht, hatten aber im frühen 20. Jahrhundert längst ihre praktische Bedeutung verloren und waren zu rein dekorativen Elementen geworden.

Die beiden Kokarden auf dem Helm tragen wichtige symbolische Bedeutung. Die rechte Kokarde in den schwarz-weißen Farben Preußens und die linke in den schwarz-weiß-roten Reichsfarben des Deutschen Kaiserreichs zeigten die doppelte Loyalität zur preußischen Krone und zum deutschen Kaiser. Die spezielle Ausführung für Unteroffiziere unterschied sich von der für Mannschaften durch einen zusätzlichen Metallring.

Der Feldwebel-Rang, für den dieser Helm gefertigt wurde, war der höchste Unteroffiziersrang in der preußischen Armee. Feldwebel waren die Rückgrat-Dienstgrade, die zwischen Offizieren und Mannschaften vermittelten und für die Ausbildung und Disziplin der Truppe verantwortlich waren. In der prestigeträchtigen Schlossgarde-Kompanie war dieser Rang mit besonderer Verantwortung verbunden.

Die nicht abnehmbare Spitze mit Perlrand ist ein weiteres charakteristisches Merkmal. Während bei Paradehelmen die Spitze häufig durch andere Aufsätze ersetzt werden konnte, war sie bei diesem Diensthelm fest montiert. Der Perlrand am Hals der Spitze war ein typisches Dekorationselement der Zeit um 1910.

Der eckige Vorderschirm entspricht der preußischen Helmform, die sich von den abgerundeten Schirmen anderer deutscher Staaten unterschied. Das feine gelaschte Lederfutter im Inneren sorgte für Tragekomfort und Schweißabsorption. Die Größe 57 entspricht einem Kopfumfang von etwa 57 Zentimetern und war eine gängige Größe.

Um 1910, in der Entstehungszeit dieses Helms, stand das Deutsche Kaiserreich auf dem Höhepunkt seiner Macht. Die Pickelhaube war längst zum internationalen Symbol der preußisch-deutschen Militärmacht geworden. Wenige Jahre später, im Ersten Weltkrieg, sollte sich jedoch zeigen, dass diese prachtvollen Helme den Anforderungen der modernen Kriegsführung nicht gewachsen waren. Ab 1916 wurden sie durch den praktischeren Stahlhelm ersetzt.

Heute sind Pickelhauben der Schlossgarde-Kompanie begehrte Sammlerstücke, die die militärische Tradition und handwerkliche Kunstfertigkeit des preußischen Königreichs dokumentieren. Sie zeugen von einer Epoche, in der militärische Uniformierung nicht nur funktionalen, sondern auch stark repräsentativen Charakter hatte.