Waffen-SS - Urkundenpaar für SS-Gruppenführer und Inspekteur der SS-Verfügungstruppe Paul Hausser

großformatige Anerkennungsurkunde ( 35 x 44 cm ) für seine getreue Arbeit zum Wohle des Deutschen Reichskriegerbundes ( Kyffhäuserbund ) e.V., ausgestellt am 30.1.1938 durch SS-Gruppenführer und Bundesführer Wilhelm Reinhard; großformatige Schmuckurkunde ( 30 x 40 cm ) zum Erreichen des 4. Platzes beim Vergleichsschießen des Offiziers-Schützenturniers des " Reichskriegerbundes Kyffhäuser ", ausgestellt am 28.10.1938 durch einen Hauptmann a.D. i.V.; beide Urkunden sind ungefaltet, haben jedoch Gebrauchsspuren.
Paul Hausser, auch Papa Hauser, (* 7. Oktober 1880 in Brandenburg an der Havel; † 21. Dezember 1972 in Ludwigsburg) war Generalleutnant der Reichswehr und SS-Oberst-Gruppenführer und Generaloberst der Waffen-SS. Damit war Hausser einer der zwei ranghöchsten Offiziere in der Waffen-SS. Ihm unterstehende Einheiten waren verantwortlich für Kriegsverbrechen, insbesondere an der sowjetischen und italienischen Zivilbevölkerung, für die er nie angeklagt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg entfaltete Hausser eine vielfältige Lobbyarbeit für die Veteranen der Waffen-SS.
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Waffen-SS - Urkundenpaar für SS-Gruppenführer und Inspekteur der SS-Verfügungstruppe Paul Hausser

Die hier vorliegenden Urkunden stellen ein bedeutsames Zeugnis für die komplexe Verflechtung traditioneller deutscher Veteranenorganisationen mit der nationalsozialistischen Machtstruktur in der Vorkriegszeit dar. Sie dokumentieren die Aktivitäten von SS-Gruppenführer Paul Hausser, einer der einflussreichsten Persönlichkeiten bei der Formierung der Waffen-SS, im Rahmen des Deutschen Reichskriegerbundes (Kyffhäuserbund).

Der Kyffhäuserbund, ursprünglich 1900 als Dachorganisation deutscher Veteranenvereine gegründet, wurde nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 in den NS-Reichskriegerbund (auch: Reichskriegerbund Kyffhäuser) umgewandelt. Diese Organisation sollte die zahlreichen Veteranenvereinigungen im Deutschen Reich unter einheitlicher Führung zusammenfassen und in die NS-Ideologie einbinden. Mit rund vier Millionen Mitgliedern Ende der 1930er Jahre stellte der Reichskriegerbund eine wichtige Säule der nationalsozialistischen Massenmobilisierung dar.

Wilhelm Reinhard, der die erste Urkunde vom 30. Januar 1938 unterzeichnete, war als SS-Gruppenführer und Bundesführer des Reichskriegerbundes eine Schlüsselfigur dieser Organisation. Die Anerkennung für “getreue Arbeit zum Wohle” des Bundes verdeutlicht die enge Kooperation zwischen der SS und traditionellen Veteranenorganisationen. Diese Zusammenarbeit diente der Legitimierung der SS durch Assoziation mit dem traditionellen militärischen Erbe und gleichzeitig der ideologischen Durchdringung der Veteranenverbände.

Die zweite Urkunde vom 28. Oktober 1938 dokumentiert Haussers Teilnahme an einem Offiziers-Schützenwettbewerb, wo er den vierten Platz erreichte. Solche Schießwettkämpfe waren integraler Bestandteil der militärischen Kultur und dienten sowohl der Fertigkeitspflege als auch der Kameradschaftspflege. Die Durchführung durch den Reichskriegerbund unterstreicht dessen Rolle als paramilitärische Organisation zur Aufrechterhaltung soldatischer Tugenden in der Zivilgesellschaft.

Paul Hausser (1880-1972) verkörperte wie kaum ein anderer den Übergang vom traditionellen Offizierskorps zur SS-Führung. Nach einer erfolgreichen Karriere in der Kaiserlichen Armee und als Generalleutnant der Reichswehr trat er 1932 in die SS ein. Als Inspekteur der SS-Verfügungstruppe ab 1936 spielte er eine entscheidende Rolle bei der Umwandlung dieser politischen Kampftruppe in eine militärische Formation nach Wehrmachtsstandards. Hausser etablierte Offiziersschulen, entwickelte taktische Doktrinen und formte die organisatorische Struktur der späteren Waffen-SS.

Die Verfügungstruppe, aus der später die Waffen-SS hervorging, befand sich 1938 in einer entscheidenden Entwicklungsphase. Hausser bemühte sich intensiv um die Professionalisierung und militärische Anerkennung dieser Formation. Seine Teilnahme an Veranstaltungen des Reichskriegerbundes war Teil dieser Strategie, die SS als legitimen Teil der deutschen militärischen Tradition zu etablieren.

Der Zeitraum der Urkundenausstellung – Anfang und Ende 1938 – markiert ein bedeutsames Jahr in der deutschen Militärgeschichte. Die Wehrmacht erlebte ihre ersten “friedlichen” Expansionen mit dem Anschluss Österreichs im März und der Besetzung des Sudetenlandes im Oktober 1938. Die SS-Verfügungstruppe nahm an beiden Aktionen teil, was ihre wachsende Rolle als militärische Kraft unterstrich.

Die Gestaltung solcher Urkunden folgte den typischen Konventionen der Zeit: großformatige Ausführung auf hochwertigem Papier, oft mit kalligraphischen Elementen und offiziellen Siegeln. Sie dienten nicht nur als Bestätigungsdokumente, sondern auch als Repräsentationsobjekte, die die Bedeutung der verliehenen Auszeichnung oder Anerkennung unterstrichen. Die Tatsache, dass diese Urkunden ungefaltet aufbewahrt wurden, deutet darauf hin, dass sie vom Empfänger geschätzt und sorgfältig behandelt wurden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Hausser zu einer kontroversen Figur. Obwohl unter seinem Kommando stehende Einheiten der Waffen-SS an zahlreichen Kriegsverbrechen beteiligt waren, wurde er nie angeklagt. Stattdessen wurde er zu einem führenden Vertreter der Veteranenverbände ehemaliger Waffen-SS-Angehöriger und spielte eine zentrale Rolle bei der Verbreitung der Legende von der Waffen-SS als “unpolitischer” kämpfender Truppe, getrennt von den Verbrechen der Allgemeinen SS.

Historisch betrachtet dokumentieren solche Urkunden die systematische Integration traditioneller militärischer Strukturen und Rituale in das nationalsozialistische Herrschaftssystem. Sie zeigen, wie das NS-Regime bestehende Organisationen und Traditionen instrumentalisierte, um seine Herrschaft zu legitimieren und zu festigen. Der Reichskriegerbund diente als Bindeglied zwischen der traditionellen militärischen Elite und den neuen nationalsozialistischen Machtstrukturen, verkörpert durch die SS.