Wehrmacht Heer (WH) Extraseitengewehr .
Das Extraseitengewehr (auch als Bajonett bezeichnet) der Wehrmacht stellt ein faszinierendes Zeugnis deutscher Militärgeschichte der Zeit zwischen 1935 und 1945 dar. Diese Waffe wurde als Standardausrüstung für die Soldaten des Heeres entwickelt und diente sowohl als Stichwaffe im Nahkampf als auch als vielseitiges Werkzeug im Felddienst.
Die Entwicklung des Wehrmacht-Seitengewehrs basierte auf den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs und den Bestimmungen des Versailler Vertrags von 1919, der die deutsche Bewaffnung stark einschränkte. Nach der Machtübernahme 1933 und der offiziellen Wiedereinführung der Wehrpflicht 1935 begann die systematische Aufrüstung der neuen Wehrmacht. Das Seitengewehr wurde zum unverzichtbaren Bestandteil der Infanterieausrüstung.
Die hier beschriebene Ausführung mit langer Klinge entspricht dem Standardmodell, das für das Karabiner 98k entwickelt wurde, dem Hauptgewehr der Wehrmacht. Die Klingenlänge betrug üblicherweise etwa 25 Zentimeter, wobei verschiedene Varianten existierten. Die lange Klinge war besonders in den frühen Kriegsjahren verbreitet und folgte der traditionellen Militärdoktrin, die dem Bajonett noch eine wichtige Rolle im Nahkampf zuschrieb.
Das Zinkgefäß (Griff und Parierstange) ist charakteristisch für die Produktionsphase ab etwa 1939-1940, als kriegsbedingte Materialknappheit zu Einsparungen führte. Während frühere Modelle oft aufwendigere Metalllegierungen verwendeten, ging man zu kostengünstigeren Materialien über. Das ermattete Zinkgefäß zeigt die typische nicht-reflektierende Oberfläche, die taktische Vorteile im Feld bot und Entdeckung durch Lichtreflexion verhinderte.
Der bewegliche Drücker ist ein wesentliches funktionales Element des Bajonetts. Dieser Mechanismus ermöglichte die sichere Befestigung am Gewehrlauf und musste gleichzeitig eine schnelle Montage und Demontage gewährleisten. Die Konstruktion war robust genug, um den harten Bedingungen des Frontdienstes standzuhalten, von den eisigen Wintern an der Ostfront bis zu den staubigen Wüsten Nordafrikas.
Die schwarze Stahlscheide diente nicht nur zum Schutz der Klinge, sondern war auch Teil des taktischen Erscheinungsbildes der Wehrmacht. Die schwarze Lackierung verhinderte Rostbildung und reduzierte Lichtreflexionen. Der Tragehaken ermöglichte die Befestigung am Koppel des Soldaten, wobei die leichte Beweglichkeit des Hakens für Tragekomfort sorgte und gleichzeitig einen schnellen Zugriff im Ernstfall garantierte.
Die Herstellung von Seitengewehren erfolgte während des Krieges bei zahlreichen Firmen im gesamten deutschen Reich und in besetzten Gebieten. Bekannte Hersteller waren unter anderem Carl Eickhorn (Solingen), WKC (Waffenfabrik Kirschbaum & Co.), Alcoso (Alexander Coppel Solingen) und viele weitere. Das Fehlen einer Herstellermarkierung bei diesem Exemplar kann verschiedene Gründe haben: Spätkriegsproduktion unter Zeitdruck, Nachkriegsrenovierung, oder Produktion durch kleinere, nicht registrierte Zulieferer.
Im taktischen Einsatz der Wehrmacht spielte das Bajonett eine zunehmend untergeordnete Rolle, da moderne Kriegsführung durch Feuerwaffen, Panzer und Artillerie dominiert wurde. Dennoch blieb es symbolisch wichtig und wurde bei Nahkampfsituationen, Wachposten und als Mehrzweckwerkzeug verwendet. Soldaten nutzten Bajonette zum Öffnen von Konserven, als Drahtschneider, zum Graben oder für andere praktische Zwecke im Feldlager.
Der angegebene Zustand 2 deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar mit minimalen Gebrauchsspuren hin. Dies ist bemerkenswert für ein Objekt, das über 75 Jahre alt ist und möglicherweise aktiven Kriegsdienst gesehen hat. Die beulenfreie Scheide und die funktionstüchtigen beweglichen Teile sprechen für sorgfältige Lagerung oder begrenzte Feldeinsatzzeit.
Heute sind Wehrmacht-Seitengewehre bedeutende militärhistorische Sammlerstücke, die wichtige Einblicke in Produktionsmethoden, Materialverwendung und militärische Ausrüstung der Zeit bieten. Sie dienen als greifbare Verbindung zu einer der prägendsten Perioden des 20. Jahrhunderts und sind wertvolle Quellen für die Forschung zur Militärtechnologie und Kriegsführung des Zweiten Weltkriegs.