Deutsches Kaiserreich Schutzgebiet ( Kolonie ) - Postkarten " Kriegsbilder - Deutsch-Süd-West-Afrika "
Die vorliegende Sammlung von acht Postkarten stammt aus der Serie "Kriegsbilder - Deutsch-Süd-West-Afrika", herausgegeben von Franz Spenker in Hamburg. Diese Postkarten stellen bedeutende historische Dokumente dar, die sowohl als Propagandamaterial als auch als Zeugnisse kolonialer Gewalt und des Völkermordes an den Herero und Nama im damaligen Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia) dienen.
Franz Spenker war selbst Soldat in Deutsch-Südwestafrika und wurde später zum Herausgeber dieser Postkartenserie. Die Karten wurden in Hamburg veröffentlicht und tragen Kennzeichnungen wie "Franz Spenker, Rissen-Hamburg" sowie "Franz Spenker, Hmb." mit verschiedenen Seriennummern. Die Produktionsperiode erstreckte sich von etwa 1904 bis 1915, basierend auf Poststempeln und Verwendungsdaten aus archivarischen Quellen. Einige Karten wurden bereits 1906 verwendet und mit Poststempeln versehen.
Der historische Kontext dieser Postkarten ist von erschütternder Bedeutung. Die Herero rebellierten 1904 in einem Aufstand gegen Landenteignungen und rassistische Behandlung durch Siedler und deren Institutionen. Zwischen 1904 und 1908 verübte das Deutsche Kaiserreich die Vernichtung der Herero und Nama in Deutsch-Südwestafrika. Etwa 40.000 bis 80.000 Herero (80 Prozent ihrer Vorkriegsbevölkerung) und 10.000 Nama (die Hälfte ihrer Vorkriegsbevölkerung) starben. Die entscheidende Schlacht fand am Waterberg statt. Das Ergebnis zwang die Herero, mit ihrem gesamten Volk in eine Wüste zu fliehen, wo deutsche Truppen ihnen sowohl den Ausgang aus der Wüste als auch den Zugang zu Wasserquellen verwehrten. Hauptsächlich durch Verdursten verloren etwa 40.000 bis 60.000 Herero und damit bis zu 80 Prozent des Volkes ihr Leben, was heute von Historikern als Völkermord eingestuft wird.
Die "Kriegsbilder"-Serie präsentierte Gedichte und Lieder, die die Kämpfe zwischen gut ausgebildeten deutschen Soldaten und Herero-Kriegern während des Herero-Aufstands propagandistisch idealisierten. Die Serie war eine von mehreren Postkartensammlungen, die Spenker zu Deutsch-Südwestafrika produzierte, einschließlich sowohl Kriegsszenen als auch zivilen und landschaftlichen Ansichten. Bereits 1906 druckte die "Deutsche Kolonialzeitung" die Serie "Südwestafrikanische Kriegsbilder"; Postkarten kamen hinzu, und Buchverlage reagierten ebenfalls schnell auf die Nachfrage nach Bildmaterial im Reich.
Die physischen Karten im Format 9 x 14 cm zeigen Fotografien oder Illustrationen von Kriegsszenen aus Deutsch-Südwestafrika mit deutschen Bildunterschriften. Einzelne Karten zeigten: Soldaten der kaiserlichen Schutztruppe beim Lesen von Feldpostbriefen; "Kriegsbilder - Am Waterberg"; "Abfahrt eines Zuges von Windhuk nach der Küste mit Verwundeten und Kranken"; Truppenbewegungen, Schlachtfeldszenen und militärisches Leben. Die Karten waren nummeriert (z.B. Nr. 5060, Nr. 7057, Nr. 7028, Nr. 6014, Nr. 6034, Nr. 6019) und trugen auf der Rückseite Verlagsangaben sowie den Vermerk "Ges. gesch." (gesetzlich geschützt gegen Nachbildung).
Die Postkarten wurden zwischen 1907 und 1909 aus der ehemaligen Kolonie nach Deutschland versandt. Soldaten der kaiserlichen Schutztruppe und deutsche Siedler in der Kolonie nutzten diese Postkarten für ihre Korrespondenz. Die Zeit von 1895 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs gilt als goldenes Zeitalter der Postkarte, und ihre Allgegenwart zwischen der Jahrhundertwende und dem Ersten Weltkrieg machte sie zu einem wirksamen Instrument, um koloniale Ereignisse zu vermitteln und zu legitimieren.
Im Ersten Weltkrieg (1914-18) mussten die deutschen Verteidigungskräfte in der Kolonie kapitulieren. Drei Karten passierten nach der deutschen Niederlage die Zensurpost. Die Friedensregelung von 1919 bestimmte, dass Südafrika Südwestafrika nicht eingliedern durfte; stattdessen musste Südafrika Südwestafrika als Mandat des Völkerbundes verwalten. Die Postkarten wurden zu historischen Dokumenten und Sammlerstücken.
Der Völkermord an den Herero und Nama wurde von den Vereinten Nationen und der Bundesrepublik Deutschland anerkannt. 2004 erkannte die deutsche Regierung ihre Verantwortung für den Völkermord an den Herero an, ohne finanzielle Entschädigung zu gewähren. Im Mai 2021, nach fünf Jahren Verhandlungen, richtete die deutsche Regierung – in Anerkennung des Hottentottenaufstands als kolonialen Völkermord – einen Entschädigungsfonds in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar ein. Heute werden diese Postkarten als Propagandamaterialien und historische Beweise kolonialer Gewalt und des Völkermordes untersucht.