III. Reich Pressefoto. Einweihung der 5. Gemeinde im Pontinischen Acker in Italien. 31.10.1939.  

Maße. ca. 13 x 18 cm, rückseitig mit Beschreibung, gebrauchter Zustand.
311884
35,00

III. Reich Pressefoto. Einweihung der 5. Gemeinde im Pontinischen Acker in Italien. 31.10.1939.  

Das vorliegende Pressefoto aus dem Dritten Reich dokumentiert ein bedeutendes Ereignis der faschistischen Siedlungspolitik in Italien: die Einweihung der fünften Gemeinde in den Pontinischen Sümpfen (Agro Pontino) am 31. Oktober 1939. Dieses Foto ist Teil der umfangreichen Propagandamaschinerie des NS-Regimes, die eng mit dem faschistischen Italien unter Benito Mussolini zusammenarbeitete.

Die Bonifica Pontina, die Trockenlegung der Pontinischen Sümpfe südlich von Rom, war eines der prestigeträchtigsten Projekte des italienischen Faschismus. Zwischen 1928 und 1939 wurden die seit der Antike versumpften Gebiete durch ein aufwendiges Entwässerungssystem urbarmacht. Mussolini nutzte dieses Projekt intensiv für Propagandazwecke, um die vermeintliche Leistungsfähigkeit und Modernität des faschistischen Regimes zu demonstrieren.

Die fünf neugegründeten Gemeinden waren Littoria (1932, heute Latina), Sabaudia (1934), Pontinia (1935), Aprilia (1937) und Pomezia (1939). Das vorliegende Foto dokumentiert wahrscheinlich die Einweihung von Pomezia, der fünften und letzten dieser planmäßig angelegten Städte, die am 29. Oktober 1939 offiziell gegründet wurde. Diese Siedlungen folgten den Prinzipien der rationalistischen Architektur und sollten als Musterstädte des Faschismus dienen.

Die Präsenz deutscher Pressefotografen bei dieser Zeremonie unterstreicht die engen Beziehungen zwischen dem nationalsozialistischen Deutschland und dem faschistischen Italien im Rahmen der Achse Berlin-Rom, die 1936 begründet und 1939 durch den Stahlpakt gefestigt wurde. Die beiden Regime tauschten nicht nur militärische und politische Strategien aus, sondern auch propagandistische Methoden und Bildmaterial.

Pressefotos wie das vorliegende spielten eine zentrale Rolle in der nationalsozialistischen Propagandaarbeit. Das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unter Joseph Goebbels kontrollierte streng die Bildberichterstattung. Fotografen mussten akkreditiert sein, und ihre Bilder durchliefen Zensurprozesse, bevor sie zur Veröffentlichung freigegeben wurden. Die rückseitige Beschriftung, die bei diesem Foto vorhanden ist, war typisch für solche offiziellen Pressefotos und enthielt meist Informationen über Datum, Ort und Ereignis sowie häufig Veröffentlichungsrichtlinien.

Das Format von etwa 13 x 18 cm entspricht den damaligen Standardformaten für Pressefotos. Diese wurden an Zeitungen, Zeitschriften und Nachrichtenagenturen verteilt, um eine einheitliche Berichterstattung im Sinne der Regimepropaganda zu gewährleisten. Die Bilder sollten die Stärke und internationale Bedeutung der faschistischen Bewegung dokumentieren und die deutsch-italienische Freundschaft bildlich festhalten.

Im historischen Kontext von Ende Oktober 1939 war der Zweite Weltkrieg bereits seit zwei Monaten im Gange. Deutschland hatte am 1. September Polen angegriffen, Italien jedoch blieb zunächst neutral und trat erst im Juni 1940 in den Krieg ein. Die Dokumentation friedlicher Aufbauprojekte wie der Pontinischen Siedlungen diente auch dazu, die zivilisatorischen Errungenschaften des Faschismus zu betonen, während sich Europa bereits im Kriegszustand befand.

Heute sind solche Pressefotos wichtige historische Quellen. Sie dokumentieren nicht nur die abgebildeten Ereignisse, sondern auch die Funktionsweise totalitärer Propagandasysteme. Der “gebrauchte Zustand” des Fotos - mit möglichen Gebrauchsspuren, Stempeln oder handschriftlichen Vermerken - kann zusätzliche Informationen über die Verwendung und Verbreitung des Bildes liefern. Für Sammler militärhistorischer Dokumente und Historiker sind diese Fotos bedeutsame Zeitzeugnisse der deutsch-italienischen Beziehungen und der faschistischen Propaganda im Vorfeld und während des Zweiten Weltkriegs.

Die Pontinischen Städte existieren bis heute und stehen als architektonische Zeugnisse einer problematischen historischen Epoche. Ihre Geschichte erinnert an die großangelegten Siedlungsprojekte totalitärer Regime und deren Instrumentalisierung für propagandistische Zwecke.