Norwegen - Arbeidstjenesten ( AT )
Die Arbeidstjenesten (AT) in Norwegen - Frauenbrosche für Nestbrigadefoerer
Die Arbeidstjenesten (AT), der norwegische Arbeitsdienst, war eine während der deutschen Besatzung Norwegens (1940-1945) etablierte Organisation, die nach dem Vorbild des deutschen Reichsarbeitsdienstes geschaffen wurde. Diese Institution spielte eine bedeutende Rolle in der Kollaborationsgeschichte Norwegens während des Zweiten Weltkriegs.
Historischer Hintergrund
Nach der deutschen Invasion Norwegens am 9. April 1940 und der anschließenden Besatzung wurde unter der Quisling-Regierung und der Nasjonal Samling (NS), der norwegischen faschistischen Partei unter Vidkun Quisling, ein umfassendes System von Organisationen nach deutschem Vorbild etabliert. Die Arbeidstjenesten wurde 1940 gegründet und sollte junge Norweger in einem quasi-militärischen Arbeitsdienst organisieren.
Die Organisation umfasste sowohl Männer als auch Frauen, wobei die Frauenabteilung spezielle Aufgaben und eine eigene Hierarchie hatte. Die Teilnahme sollte norwegische Jugendliche ideologisch schulen und gleichzeitig für Arbeitsprojekte mobilisieren, die der Besatzungsmacht und dem kollaborierenden Regime dienten.
Die Rangabzeichen und Hierarchie
Wie andere nationalsozialistische und faschistische Organisationen dieser Zeit legte auch die norwegische AT großen Wert auf Uniformierung, Rangabzeichen und visuelle Symbolik. Die beschriebene Brosche für Frauen mit einem dünnen inneren Ring und einem dicken Außenring (Gesamtdurchmesser 45 mm) kennzeichnet den Rang einer Nestbrigadefoerer, was sich als “Nestbrigadeführerin” übersetzen lässt.
Der Begriff “Nest” bezeichnete in der Organisationsstruktur der AT eine lokale Einheit, vergleichbar mit ähnlichen Strukturen in anderen faschistischen Organisationen der Zeit. Eine Nestbrigadefoerer war eine mittlere Führungsperson, die mehrere kleinere Einheiten unter sich hatte und somit eine wichtige Position in der lokalen Hierarchie innehatte.
Materielle Beschaffenheit und Symbolik
Die aus Silber gefertigte Brosche zeigt die typische konzentrische Kreisform, die in vielen Abzeichen der AT verwendet wurde. Die zwei Ringe - ein dünner innerer und ein dicker äußerer - dienten der Rangkennzeichnung. Die Nadelbefestigung ermöglichte das Tragen an der Uniform oder ziviler Kleidung.
Solche Abzeichen wurden streng reguliert und nur an Personen ausgegeben, die den entsprechenden Rang innehatten. Sie dienten nicht nur der Identifikation, sondern auch als Statussymbole innerhalb der Organisation und sollten Loyalität und Engagement für die Sache der Kollaborationsregierung demonstrieren.
Die Rolle der Frauen in der AT
Die Frauenabteilung der Arbeidstjenesten war hauptsächlich in sozialen und unterstützenden Funktionen tätig, obwohl sie auch in landwirtschaftlichen und anderen Arbeitsprojekten eingesetzt wurde. Die Ausbildung umfasste ideologische Schulung, hauswirtschaftliche Tätigkeiten und verschiedene Formen von Gemeinschaftsarbeit.
Frauen in Führungspositionen wie die Nestbrigadefoerer hatten die Aufgabe, jüngere Mitglieder zu beaufsichtigen, Schulungen zu organisieren und die Verbindung zwischen der lokalen Ebene und der höheren Führung aufrechtzuerhalten.
Historische Bedeutung und Nachkriegszeit
Nach der Befreiung Norwegens im Mai 1945 wurden alle mit der deutschen Besatzung und dem Quisling-Regime verbundenen Organisationen aufgelöst. Die Mitgliedschaft in der AT und besonders das Innehaben von Führungspositionen führte zu rechtlichen Konsequenzen während der umfassenden Landesverratsaufarbeitung (Landssviksoppgjøret) in der norwegischen Nachkriegszeit.
Abzeichen und Uniformteile dieser Organisationen wurden größtenteils vernichtet oder von ehemaligen Mitgliedern versteckt. Überlebende Exemplare wie die beschriebene Brosche sind heute seltene historische Artefakte, die als materielle Zeugnisse einer dunklen Periode der norwegischen Geschichte dienen.
Sammlerwert und ethische Betrachtungen
Solche Objekte befinden sich heute in Museen, Archiven und Privatsammlungen. Sie werden als wichtige historische Quellen betrachtet, die zur Erforschung und zum Verständnis der Besatzungszeit und der Kollaboration beitragen. Der Umgang mit solchen Objekten erfordert historische Sensibilität und ein Bewusstsein für den Kontext ihrer Entstehung und Verwendung.