Preußen Offiziers- bzw. Extraseitengewehr KS98 .

Die Klinge mit ausgeschliffenem Sägerücken, Herstellermarke von "W.K. & C.", blankes Stahlgefäß mit dreifach vernieteten Griffschalen aus gewaffeltem Kunststoff, die Scheide mit fast 100% des Originallackes, sehr gut erhalten. Zustand 2


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380,00

Preußen Offiziers- bzw. Extraseitengewehr KS98 .

Das preußische Offiziersseitengewehr zum Karabiner 98 (KS98) stellt ein bedeutendesKapitel in der Geschichte der deutschen Militärblankwaffen des frühen 20. Jahrhunderts dar. Dieses spezielle Seitengewehr wurde als Statussymbol und funktionale Waffe für Offiziere der preußischen und später der deutschen Streitkräfte entwickelt.

Nach der Einführung des Gewehr 98 im Jahr 1898 und des darauf basierenden Karabiner 98 wurde die Notwendigkeit eines passenden Seitengewehrs offensichtlich. Das KS98 repräsentiert die Weiterentwicklung der deutschen Seitengewehrtradition, die ihre Wurzeln in den Faschinenmessern und Sägebajonetten des 19. Jahrhunderts hatte.

Die hier beschriebene Klinge zeigt charakteristische Merkmale eines Offiziers- oder Extraseitengewehrs. Der ausgeschliffene Sägerücken ist ein besonderes Detail, das auf eine frühere Verwendung als Pionier- oder Sägebajonett hindeutet. Solche Sägerücken wurden ursprünglich für praktische Zwecke entwickelt, um Holz zu bearbeiten oder im Feld verschiedene Aufgaben zu erfüllen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden viele dieser Sägerücken auf Anordnung der alliierten Kontrollkommission ausgeschliffen, da sie als "barbarische" Waffen galten.

Die Herstellermarke W.K. & C. steht für Weyersberg, Kirschbaum & Cie. aus Solingen, einem der renommiertesten Hersteller von Blankwaffen in Deutschland. Das Unternehmen, gegründet im 19. Jahrhundert, war ein bedeutender Zulieferer für die preußische und deutsche Armee. Solingen hatte sich seit Jahrhunderten als Zentrum der deutschen Klingenherstellung etabliert, und Firmen wie W.K. & C. trugen maßgeblich zu diesem Ruf bei.

Das blanke Stahlgefäß mit den dreifach vernieteten Griffschalen aus gewaffeltem Kunststoff entspricht den Spezifikationen für Extraseitengewehre, die oft von Offizieren auf eigene Kosten erworben wurden. Im Gegensatz zu den Mannschaftsseitengewehren, die standardisiert und in großen Stückzahlen produziert wurden, zeigten Offiziersseitengewehre oft eine höhere Verarbeitungsqualität. Der gewaffelte Kunststoff, wahrscheinlich Bakelit oder ein ähnliches frühes Kunstharz, war ein modernes Material für die damalige Zeit und bot praktische Vorteile gegenüber Holz oder Horn.

Die Scheide mit fast vollständig erhaltenem Originallack ist besonders bemerkenswert. Die Erhaltung des Lackes über Jahrzehnte hinweg ist selten und zeugt von sorgfältiger Aufbewahrung. Originalscheiden wurden typischerweise aus Stahlblech gefertigt und mit einem schwarzen oder dunkelbraunen Lack versehen, der sowohl dekorativen als auch schützenden Zwecken diente.

Die militärische Verwendung des KS98 erstreckte sich über mehrere Jahrzehnte. Während des Ersten Weltkriegs (1914-1918) wurden Seitengewehre intensiv eingesetzt, sowohl als Nahkampfwaffen als auch als Werkzeuge im Grabenkrieg. Die Erfahrungen des Ersten Weltkriegs führten zu verschiedenen Modifikationen und Varianten.

In der Weimarer Republik (1919-1933) wurde die Reichswehr auf 100.000 Mann begrenzt, und die Bewaffnung unterlag strengen alliierten Kontrollen. Dennoch blieben Seitengewehre Teil der Ausrüstung. Die Wehrmacht übernahm nach 1935 viele dieser Waffen und produzierte auch neue Exemplare nach ähnlichen Spezifikationen.

Offiziere hatten traditionell die Möglichkeit, ihre Ausrüstung nach bestimmten Richtlinien selbst zu beschaffen. Dies führte zu einer Vielfalt bei den Offiziersseitengewehren, wobei jedoch bestimmte Grundanforderungen erfüllt werden mussten. Die Qualität der Verarbeitung und die Wahl des Herstellers konnten den Status und die persönlichen Präferenzen des Trägers widerspiegeln.

Der historische Kontext dieser Waffen ist untrennbar mit der deutschen Militärgeschichte des 20. Jahrhunderts verbunden. Sie repräsentieren nicht nur militärische Funktionalität, sondern auch Handwerkskunst, militärische Tradition und die technologische Entwicklung ihrer Zeit. Heute sind solche Stücke wichtige Studienobjekte für Militärhistoriker und werden von Sammlern weltweit geschätzt.

Die Erhaltung solcher Objekte in gutem Zustand ermöglicht es nachfolgenden Generationen, materielle Zeugnisse der Geschichte zu studieren und die Entwicklung militärischer Ausrüstung nachzuvollziehen. Das beschriebene Exemplar mit seinem ausgezeichneten Erhaltungszustand bietet einen wertvollen Einblick in die Qualität und Gestaltung preußischer Offiziersseitengewehre der KS98-Serie.