Stammliste der Offiziere, Sanitäts-Offiziere und Beamten des des 6. Rheinischen Infanterie - Regiments Nr 68, vom 1. Juli 1860 - 0. April 1919
Die Stammliste der Offiziere, Sanitäts-Offiziere und Beamten des 6. Rheinischen Infanterie-Regiments Nr. 68 stellt ein bedeutendes militärhistorisches Dokument dar, das die personelle Geschichte einer der traditionsreichsten Einheiten der preußischen Armee dokumentiert. Diese 1924 im Selbstverlag des Vereins ehemaliger Offiziere veröffentlichte Stammliste umfasst den Zeitraum vom 1. Juli 1860 bis zum 30. April 1919 und bietet damit einen umfassenden Überblick über nahezu sechs Jahrzehnte deutscher Militärgeschichte.
Das 6. Rheinische Infanterie-Regiment Nr. 68 gehörte zur königlich-preußischen Armee und war in der Rheinprovinz stationiert. Die Einheit durchlebte bedeutende historische Epochen: die Zeit der Heeresreformen nach 1860, den Deutschen Krieg von 1866, den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, die lange Friedensperiode des Kaiserreichs und schließlich den Ersten Weltkrieg 1914-1918. Das Enddatum der Stammliste im April 1919 markiert die Auflösung der alten preußischen Armeestrukturen nach dem Versailler Vertrag.
Stammlisten dieser Art waren ein charakteristisches Produkt der deutschen Militärtradition des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Sie dienten mehreren Zwecken: Zum einen waren sie Gedenkbücher, die die Erinnerung an gefallene und verstorbene Kameraden bewahrten. Zum anderen fungierten sie als genealogische und biografische Nachschlagewerke, die die Karrierewege einzelner Offiziere dokumentierten. Schließlich waren sie Ausdruck des Korpsgeistes und der Regimentstradition, die im preußisch-deutschen Militärwesen von größter Bedeutung waren.
Die Publikation aus dem Jahr 1924 erfolgte in einer Zeit tiefgreifender Umbrüche. Nach der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg und der Abdankung Kaiser Wilhelms II. war die alte Armee aufgelöst worden. Die Reichswehr der Weimarer Republik war auf 100.000 Mann beschränkt, und die traditionellen Regimenter existierten nicht mehr. In dieser Situation wurden Veteranenvereine zu Trägern der militärischen Tradition. Der Verein ehemaliger Offiziere des 6. Rheinischen Infanterie-Regiments Nr. 68 gab diese Stammliste heraus, um die Geschichte der Einheit für die Nachwelt zu bewahren.
Der Umfang von 342 Seiten deutet auf eine sehr detaillierte Dokumentation hin. Typischerweise enthielten solche Stammlisten biografische Angaben zu jedem Offizier: Geburtsdatum und -ort, Eintritt in die Armee, Beförderungen, Versetzungen, Auszeichnungen, Teilnahme an Feldzügen und gegebenenfalls Todesdatum und -umstände. Auch Sanitätsoffiziere und Beamte wurden aufgeführt, was die umfassende Dokumentation des gesamten Führungspersonals des Regiments widerspiegelt.
Die Zeit von 1860 bis 1919 war für die preußische Armee von enormer Bedeutung. In den 1860er Jahren wurde das preußische Heerwesen unter Kriegsminister Albrecht von Roon und Generalstabschef Helmuth von Moltke modernisiert. Das Infantry-Regiment Nr. 68 war Teil dieser reformierten Armee, die 1866 Österreich besiegte und 1870/71 maßgeblich zur Gründung des Deutschen Kaiserreichs beitrug. Viele der in der Stammliste aufgeführten Offiziere dürften an diesen historischen Ereignissen teilgenommen haben.
Die lange Friedensperiode von 1871 bis 1914 war geprägt von Routine-Garnisondienst, Manövern und der schrittweisen Modernisierung der Ausrüstung und Taktik. Die Stammliste dokumentiert die Karrieren zahlreicher Offiziere, die in dieser Zeit ihren Dienst versahen. Der Erste Weltkrieg brachte dann dramatische Veränderungen: Massive Verluste, rasche Beförderungen zur Deckung des Personalbedarfs und schließlich die Niederlage von 1918.
Der Ganzleineneinband mit Rückendruck war eine typische Bindungsform für offizielle und semi-offizielle Publikationen dieser Zeit. Er bot Haltbarkeit und ein würdiges Erscheinungsbild, das der Bedeutung des Inhalts entsprach. Der angegebene Zustand 2 deutet nach üblicher Klassifizierung auf ein gut erhaltenes Exemplar hin, was bei einem 100 Jahre alten Buch bemerkenswert ist.
Solche Stammlisten sind heute wichtige Quellen für die militärhistorische Forschung, die Genealogie und die Regionalgeschichte. Sie ermöglichen es Forschern, individuelle Karriereverläufe nachzuvollziehen, die soziale Zusammensetzung des Offizierskorps zu analysieren und Verluststatistiken zu erstellen. Für Familienhistoriker können sie unschätzbare Informationen über Vorfahren liefern, die in der preußischen Armee dienten.
Die Veröffentlichung im Selbstverlag war charakteristisch für solche Regimentsdokumentationen. Die Veteranenvereine finanzierten die Produktion oft durch Subskription unter ihren Mitgliedern. Dies stellte sicher, dass die Erinnerung an das Regiment bewahrt wurde, auch wenn kein kommerzieller Verlag Interesse an einer solchen Spezialveröffentlichung hatte. Die Publikation in Berlin, der Hauptstadt des ehemaligen Kaiserreichs, unterstreicht die nationale Bedeutung, die man dieser Dokumentation beimaß.