Wehrmacht Heer - Schützenschnur neuer Art 6. Stufe Infanterie
Die Schützenschnur gehörte zu den bedeutendsten Leistungsabzeichen der Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs. Sie wurde an Soldaten verliehen, die besondere Fertigkeiten im Schießen nachweisen konnten. Die hier beschriebene Schützenschnur stellt die 6. Stufe für Infanterie dar, eine der höchsten erreichbaren Auszeichnungen in diesem System.
Das Abzeichensystem der Schützenschnur wurde durch die Heeresverordnung (HV) 1937 eingeführt und erfuhr mehrere Überarbeitungen während der Kriegsjahre. Die sogenannte “neue Art” der Schützenschnur wurde ab 1944 eingeführt, als kriegsbedingte Materialeinsparungen und vereinfachte Herstellungsverfahren notwendig wurden. Diese späteren Versionen unterschieden sich in Material und Verarbeitung von den früheren Ausführungen, behielten jedoch die grundlegende symbolische Bedeutung bei.
Die Schützenschnur wurde in verschiedenen Stufen verliehen, abhängig von den erzielten Schießleistungen. Für die Infanterie gab es zwölf Stufen, die sich durch unterschiedliche Anzahl und Anordnung von Eicheln und Schilden unterschieden. Die 6. Stufe, wie hier beschrieben, kennzeichnete sich durch einen großen Eichenlaubkranz als Auflage und eine anhängende Eichel. Diese Kombination zeugte von überdurchschnittlichen Schießfähigkeiten des Trägers.
Die Schützenschnur wurde an der rechten Schulter der Uniform getragen und um den rechten Arm geschlungen. Sie bestand aus geflochtener Schnur, in der Regel in den Waffenfarben der jeweiligen Truppengattung. Für die Infanterie war dies die Farbe Weiß. Die Schnur selbst war kunstvoll geflochten und endete in einer oder mehreren Eicheln, je nach erreichter Stufe.
Um die Schützenschnur zu erwerben, mussten Soldaten strenge Qualifikationen erfüllen. Die Prüfungen umfassten das Schießen mit verschiedenen Waffen über unterschiedliche Entfernungen. Für die Infanterie gehörten dazu Tests mit dem Karabiner 98k, dem Standard-Gewehr der Wehrmacht, sowie mit Maschinengewehren und teilweise auch mit Pistolen. Die Anforderungen stiegen mit jeder Stufe erheblich an, sodass die 6. Stufe bereits eine beachtliche Leistung darstellte.
Die Verleihung der Schützenschnur erfolgte nach erfolgreicher Ablegung der entsprechenden Schießprüfung. Die Berechtigung zum Tragen musste jährlich durch erneute Prüfungen bestätigt werden, was den Leistungscharakter dieser Auszeichnung unterstreicht. Dies unterschied die Schützenschnur von rein dekorativen Orden und Ehrenzeichen.
Die “neue Art” der Schützenschnur ab 1944 zeigte kriegsbedingte Veränderungen in der Herstellung. Während frühere Versionen oft aus hochwertigen Materialien mit aufwendiger Verarbeitung gefertigt wurden, mussten spätere Ausführungen mit einfacheren Mitteln auskommen. Dennoch behielten sie ihre offizielle Anerkennung und Bedeutung im militärischen Alltag.
Der Zustand “leicht getragen” deutet darauf hin, dass diese Schützenschnur tatsächlich im Dienst verwendet wurde. Die Spuren der Nutzung verleihen dem Objekt historische Authentizität und zeugen davon, dass sie von einem Soldaten als Zeichen seiner Schießfertigkeit getragen wurde.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden alle Auszeichnungen der Wehrmacht durch die Alliierten verboten. Das Tragen solcher Abzeichen war zunächst untersagt, und viele wurden vernichtet oder abgelegt. Heute sind erhaltene Exemplare von militärhistorischem Interesse und dokumentieren das Auszeichnungssystem der Wehrmacht sowie die Bedeutung, die militärischen Fähigkeiten und deren Anerkennung beigemessen wurde.
Die Schützenschnur steht exemplarisch für die systematische Förderung militärischer Leistungen durch Auszeichnungen. Sie motivierte Soldaten zur ständigen Verbesserung ihrer Schießfertigkeiten, was für die militärische Effizienz als wesentlich erachtet wurde. Gleichzeitig bot sie eine sichtbare Anerkennung individueller Leistung innerhalb der militärischen Hierarchie.