Der Ehrenbecher für den Sieger im Luftkampf mit der Inschrift "Dem Sieger im Luftkampf" gehört zu den bedeutendsten Auszeichnungen der deutschen Luftstreitkräfte im Ersten Weltkrieg. Diese nicht tragbare Auszeichnung wurde während des Krieges vom Chef des Feldflugwesens, Hermann von der Lieth-Thomsen, gestiftet und aus einem ihm zur Verfügung stehenden finanziellen Reserve finanziert. Lieth-Thomsen diente ab März 1915 als Chef des Feldflugwesens und später ab November 1916 als Stabschef der Luftstreitkräfte.
Die ersten dokumentierten Verleihungen erfolgten Ende Dezember 1915, als die legendären Flieger Oswald Boelcke und Max Immelmann beide am 24. Dezember 1915 ihre Ehrenbecher erhielten. Ursprünglich wurde die Auszeichnung bereits für den ersten bestätigten Luftsieg an Jagdflieger verliehen. Verschiedene Silbermanufakturen produzierten die Becher, darunter dokumentiert sind P. Bruckmann & Söhne aus Heilbronn und Johann Wagner & Sohn aus Berlin.
Der vorliegende Ehrenbecher aus dem Besitz von Leutnant Fritz Schuppan repräsentiert die deutlich seltenere zweite Produktionsvariante. Aufgrund der verschlechterten Kriegslage und Materialknappheit wurde ab Ende 1917 die Produktion von Silber auf Eisen umgestellt, wobei die Becher nachträglich versilbert wurden. Gleichzeitig verschärften sich die Verleihungskriterien: Während zunächst der erste Luftsieg genügte, waren ab Ende 1917 drei bestätigte Luftsiege erforderlich. Diese eisernen Varianten sind erheblich seltener als die silbernen Ausführungen, sowohl aufgrund der kürzeren Produktionszeit als auch wegen der erhöhten Siegesanforderung.
Der Kelch selbst steht auf vier kugelförmigen Füßen und ist aus zwei Teilen zusammengelötet. Die Vorderseite zeigt zwei Adler im Luftkampf, wobei ein Adler den anderen überholt. Am Boden trägt der Becher den Stempel "Chef des Feldflugwesens", häufig umgeben von einem kaiserlichen Adleremblem. Die silbernen Exemplare tragen zusätzlich Herstellermarken und Silberfeingehaltstempel. Die allgemeinen Maße betragen etwa 200 Millimeter Höhe bei einem Durchmesser von ungefähr 100 Millimetern.
Fritz Schuppan wurde am 27. September 1893 geboren und fiel am 7. Mai 1918 in Frankreich. Der vorliegende Ehrenbecher wurde nach 1918 von seiner Familie nachträglich versilbert und zaponiert, um ihn vor dem Anlaufen zu schützen. Zum Ensemble gehört auch ein Bilderrahmen, gefertigt aus einem Propellerstück eines von Schuppan abgeschossenen französischen Flugzeugs, mit einem eingelassenen Foto des abgeschossenen Flugzeugs und Leutnant Schuppan im Vordergrund.
Die Gesamtzahl der während des Ersten Weltkriegs verliehenen Ehrenbecher wird auf etwa 2.411 tatsächliche Becher geschätzt, wobei die genaue Zahl mit Sicherheit unbekannt ist. Gegen Kriegsende wurden nur noch Urkunden ohne den physischen Becher ausgestellt. Zu den dokumentierten Empfängern zählen neben Boelcke und Immelmann auch Hermann Göring (15. April 1916), Ernst Udet (17. August 1916), Theo Osterkamp (18. April 1917), Manfred von Richthofen sowie weitere prominente Jagdflieger.
Nach dem Ersten Weltkrieg musste Deutschland gemäß dem Versailler Vertrag seine Luftstreitkräfte auflösen. Einige Ehrenbecher blieben als Familienerbstücke erhalten, wie das Beispiel Schuppan zeigt. Manche Becher wurden in den 1920er und 1930er Jahren von Veteranenverbänden als Wanderpreise wiederverwendet. Das Auszeichnungskonzept selbst wurde im Februar 1940 von Hermann Göring als Ehrenpokal der Luftwaffe für den Zweiten Weltkrieg wiederbelebt. Nach 1945 verloren die Ehrenpokale an Bedeutung, vermutlich aufgrund ihrer Verbindung mit dem NS-Regime.
Neben dem Ehrenbecher für Jagdflieger existierte eine noch seltenere separate Auszeichnung: der Ehrenbecher für erfolgreiche Angriffe aus der Luft für Bomber- und Zeppelin-Besatzungen. Der hier vorliegende eiserne Ehrenbecher aus dem Besitz von Leutnant Fritz Schuppan dokumentiert somit nicht nur die persönliche Tapferkeit eines gefallenen Fliegers, sondern auch die materielle Not der letzten Kriegsmonate und die sich wandelnden Realitäten der Luftkriegsführung im Ersten Weltkrieg.