Bayern Degen für Infanterieoffiziere M 1818 .
Gesamtlänge 98.5 cm.
Der bayerische Infanterie-Offizierdegen M 1818 stellt ein bedeutendes Zeugnis der militärischen Reformära des Königreichs Bayern im frühen 19. Jahrhundert dar. Nach den tiefgreifenden Veränderungen der Napoleonischen Kriege und dem Wiener Kongress von 1815 unternahm das bayerische Kriegsministerium umfassende Anstrengungen zur Standardisierung und Modernisierung der militärischen Ausrüstung.
Die Einführung dieses Degenmodells im Jahre 1818 erfolgte unter der Regentschaft von König Ludwig I. (später König ab 1825), der als Kronprinz bereits erheblichen Einfluss auf militärische Angelegenheiten ausübte. Das vorliegende Exemplar, gefertigt um 1825/30, trägt die Herrscherchiffre “L” unter der Krone, was es eindeutig der ludovizianischen Ära zuordnet. Diese Zeitspanne markiert eine Phase der Konsolidierung der bayerischen Armee nach den turbulenten Kriegsjahren.
Das Messinggefäß mit Resten von Vergoldung folgt einer Gestaltung, die Ähnlichkeiten zum Kürassier-Stichdegen aufweist – ein bewusster Verweis auf die prestigeträchtigen Kavallerie-Einheiten. Die Verwendung von Messing und Vergoldung war nicht nur dekorativ, sondern symbolisierte auch den Rang und Status der Offiziersklasse. Die breite Klinge entspricht den zeitgenössischen Vorstellungen einer effektiven Stichwaffe, die sowohl für den zeremoniellen Gebrauch als auch für den Kampfeinsatz konzipiert war.
Der Holzgriff mit Drahtwicklung war eine praktische Lösung, die sowohl Haltbarkeit als auch guten Halt im Gefecht gewährleistete. Diese Konstruktion war typisch für die Zeit und wurde in verschiedenen deutschen Staaten in ähnlicher Form verwendet. Die Drahtwicklung, die bei diesem Exemplar intakt erhalten ist, bestand üblicherweise aus Messingdraht und bot eine rutschfeste Grifffläche.
Die Herstellerpunze unter dem Stichblatt, wenn auch halb verdeckt, deutet auf eine Fertigung durch einen der autorisierten Waffenschmiede hin. In Bayern waren mehrere renommierte Werkstätten mit der Produktion militärischer Blankwaffen beauftragt, insbesondere in München und Amberg. Die Qualitätskontrolle war streng, und jeder Hersteller musste seine Arbeiten kennzeichnen.
Das Portepee, das bei diesem Exemplar komplett erhalten ist, war ein wesentlicher Bestandteil der Offiziersausrüstung. Diese Schwertschlaufe diente nicht nur praktischen Zwecken, sondern war auch ein Rangabzeichen. Die Ausführung und Farbgebung des Portepees unterschied sich je nach Waffengattung und Rang des Trägers. Für Infanterieoffiziere waren spezifische Muster vorgeschrieben, die im Laufe der Jahre verschiedene Modifikationen erfuhren.
Die Lederscheide mit Messingbeschlägen komplettiert die Ausrüstung. Die Scheide war so konstruiert, dass sie am Leibgurt oder an der Feldbinde getragen werden konnte. Die Messingbeschläge dienten sowohl dem Schutz als auch der Befestigung und waren oft mit Dekorationen versehen, die dem Gefäß entsprachen.
Der Zustand dieses Exemplars – mit leichten Altersflecken auf der Klinge, aber ansonsten gut erhalten – deutet auf einen tatsächlichen Tragegebrauch hin. Dies unterscheidet es von reinen Paradestücken, die oft in makellosem Zustand bewahrt wurden. Die Patina und die Gebrauchsspuren erzählen die Geschichte eines Offiziers, der diesen Degen während seiner Dienstzeit trug, möglicherweise bei Paraden, Wachdiensten oder anderen militärischen Anlässen.
Die Gesamtlänge von 98,5 cm entspricht den regulären Maßvorgaben für Infanterieoffizierdegen dieser Periode. Diese Länge war ein Kompromiss zwischen praktischer Handhabbarkeit und der repräsentativen Wirkung einer Offiziersblanwaffe.
Der Degen M 1818 blieb über mehrere Jahrzehnte im Dienst der bayerischen Armee und wurde erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch modernere Modelle ersetzt. Exemplare aus der frühen Fertigungsperiode um 1825/30 sind heute besonders geschätzt, da sie die hohe handwerkliche Qualität der Übergangszeit zwischen napoleonischer und biedermeierlicher Ära repräsentieren.
Diese Waffe ist somit nicht nur ein militärisches Ausrüstungsstück, sondern auch ein kulturhistorisches Dokument, das Einblick in die gesellschaftliche Stellung der Offiziere, die militärische Organisation und die handwerkliche Tradition des Königreichs Bayern im frühen 19. Jahrhundert gewährt.