Bayern Reservistenbild für einen ehemaligen Soldaten im 1. und 11. Infanterie-Regiment

Um 1900. Eigenanfertigung. Im Holzrahmen. Maße ca. 46,5 x 57,2 cm. Zustand 2.
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180,00

Bayern Reservistenbild für einen ehemaligen Soldaten im 1. und 11. Infanterie-Regiment

Das bayerische Reservistenbild stellt ein faszinierendes Zeugnis der militärischen Erinnerungskultur im Königreich Bayern um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert dar. Dieses spezielle Exemplar wurde für einen ehemaligen Soldaten angefertigt, der in zwei bedeutenden bayerischen Infanterieeinheiten gedient hatte: dem 1. Infanterie-Regiment “König” und dem 11. Infanterie-Regiment “von der Tann”.

Die Tradition der Reservistenbilder entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im gesamten Deutschen Kaiserreich und erlebte ihre Blütezeit zwischen etwa 1880 und dem Beginn des Ersten Weltkriegs 1914. Diese kunstvoll gestalteten Erinnerungsstücke wurden von Soldaten in Auftrag gegeben, die ihre aktive Dienstzeit beendet hatten und in die Reserve überwechselten. Sie dienten als persönliche Denkmäler der Militärzeit und sollten die Kameradschaft, den Stolz auf die geleisteten Dienste und die Verbundenheit mit der Einheit zum Ausdruck bringen.

Das 1. Infanterie-Regiment “König” war eine der traditionsreichsten Einheiten der bayerischen Armee. Mit Garnison in München stand es unter der besonderen Schirmherrschaft des bayerischen Königs selbst. Das Regiment konnte seine Wurzeln bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen und hatte an zahlreichen Feldzügen teilgenommen, darunter die Napoleonischen Kriege, der Deutsche Krieg von 1866 und der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71.

Das 11. Infanterie-Regiment “von der Tann” war nach dem bayerischen General Ludwig Freiherr von und zu der Tann-Rathsamhausen benannt, der sich besonders im Krieg von 1870/71 ausgezeichnet hatte. Das Regiment war in Regensburg stationiert und gehörte zur 3. Königlich Bayerischen Division. Die Benennung nach von der Tann erfolgte 1872 als Ehrung für die militärischen Leistungen dieses bedeutenden Truppenführers.

Die Gestaltung von Reservistenbildern folgte bestimmten ikonographischen Konventionen, die sich im Laufe der Zeit entwickelt hatten. Typischerweise zeigten diese Bilder den Reservisten selbst in Uniform, häufig umgeben von seinen Kameraden, militärischen Symbolen, Garnisonsansichten und patriotischen Motiven. Bayerische Reservistenbilder zeichneten sich oft durch die Darstellung des blau-weißen Rautenwappens, der bayerischen Krone und lokaler Wahrzeichen aus. Sprüche und Widmungen, oft in gereimter Form, ergänzten die bildlichen Darstellungen.

Die Anfertigung solcher Bilder war meist eine Eigenanfertigung oder wurde von spezialisierten Handwerkern und Künstlern übernommen, die sich auf militärische Erinnerungsstücke spezialisiert hatten. In größeren Garnisonstädten gab es regelrechte Werkstätten, die sich auf die Herstellung von Reservistenbildern, -krügen und anderen Andenken konzentrierten. Die Soldaten konnten aus verschiedenen Vorlagen wählen und individuelle Elemente hinzufügen lassen, was jedes Bild zu einem Unikat machte.

Die Tatsache, dass dieser Reservist in zwei verschiedenen Regimentern diente, deutet auf eine längere oder besondere Dienstzeit hin. Versetzungen zwischen Regimentern waren zwar nicht alltäglich, kamen aber vor, besonders bei beruflichen Veränderungen, Beförderungen oder aus administrativen Gründen. Beide Regimenter gehörten zum II. Königlich Bayerischen Armee-Korps, was auf eine gewisse geographische und organisatorische Nähe hindeutet.

Die Zeit um 1900 war geprägt von einem stark ausgeprägten Militarismus in der deutschen Gesellschaft. Der Militärdienst galt als Ehre und als Initiationsritus zum vollwertigen Mannsein. Die Reservistenbilder waren nicht nur private Erinnerungsstücke, sondern auch Statussymbole, die im Wohnzimmer oder in der Gaststube zur Schau gestellt wurden. Sie zeugten vom Bürgerstolz und der Vaterlandsliebe ihrer Besitzer.

Die bayerische Armee behielt bis 1918 ihre Eigenständigkeit innerhalb des deutschen Kaiserreichs. Nach der Reichsgründung 1871 blieb sie eine separate Streitmacht mit eigenen Traditionen, Uniformen und Organisationsstrukturen, was sich auch in der Gestaltung der Reservistenbilder niederschlug. Bayerische Militaria unterschieden sich deutlich von preußischen Pendants durch ihre spezifischen Symbole und kulturellen Eigenheiten.

Der Holzrahmen, in dem dieses Bild präsentiert wird, entspricht der damaligen Praxis, solche Kunstwerke würdig einzufassen. Die Rahmung war Teil der Wertschätzung des Objekts und sollte dessen Bedeutung unterstreichen. Heute sind solche gerahmten Reservistenbilder wichtige Quellen für die militärhistorische Forschung und die Alltagsgeschichte des Kaiserreichs, da sie Einblicke in die Lebenswelt, die Wertvorstellungen und die visuelle Kultur der Zeit geben.

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