Deutsches Kaiserreich Schutzgebiet ( Kolonie ) - Postkarten " Kolonial-Krieger-Spende "
Die vorliegenden neun Postkarten von Franz Spenker gehören zu einer bemerkenswerten Gruppe von Propagandamaterialien, die während des Ersten Weltkriegs für die Deutsche Kolonialkriegerspende produziert wurden. Diese wohltätige Organisation operierte zwischen 1914 und 1918 mit dem erklärten Ziel, ehemalige Kolonialsoldaten, Kriegsgefangene, Kriegswitwen und Kriegswaisen aus den deutschen Kolonialgebieten zu unterstützen.
Die Kolonial-Krieger-Spende stand unter der Schirmherrschaft von Kronprinz Wilhelm von Preußen und operierte mit Genehmigung des Reichskolonialamts, des Kommandos der Schutztruppen und des Reichskolonialministeriums. Die Organisation widmete sich der Unterstützung derjenigen, die in den Kolonien schwer geschädigt worden waren, während das Deutsche Kaiserreich seine überseeischen Besitzungen – Togo, Kamerun, Deutsch-Südwestafrika, Deutsch-Ostafrika und pazifische Territorien – während des Krieges gegen alliierte Streitkräfte zu verteidigen versuchte.
Postkarten stellten ein zentrales Instrument der Spendenkampagne dar. Sie wurden an das breite Publikum verkauft, wobei die Erlöse direkt den Unterstützungsfonds zugutekamen. Franz Spenker selbst war eine besonders interessante Figur in diesem Kontext: Er hatte als Soldat an den Kriegen gegen die Herero und Nama in Namibia teilgenommen, bevor er Fotograf und Verleger kolonialer Postkarten wurde. Seine persönliche Kriegserfahrung in Deutsch-Südwestafrika verlieh seinen Arbeiten eine gewisse Authentizität, die für Propagandazwecke wertvoll war.
Die Spenker-Postkarten zeigten typischerweise Kriegsbilder aus Deutsch-Südwestafrika. Neben Spenker waren auch andere Künstler und Verleger an der Produktion von Kolonial-Krieger-Spende-Postkarten beteiligt. Der Künstler Fritz Grotemeyer schuf 1918 eine Postkartenserie mit Motiven aus Deutsch-Ostafrika für die Spende. Weitere beteiligte Verlage waren Hugo Bermühler Verlag und F.A. Brockhaus. Die Postkarten zeigten verschiedene Motive: Kolonialsoldaten, afrikanische Landschaften, militärische Szenen, Kamelreiter und Propagandabilder. Einige waren künstlerische oder kolorierte Lithographien, andere fotografische Ansichtskarten.
Die Spendenkampagne erreichte ihren Höhepunkt mit organisierten Opfertagen, wobei besonders große Veranstaltungen am 17. und 18. August 1918 stattfanden. Postkarten konnten an ausgewiesenen Annahmestellen in deutschen Städten erworben werden. Sie dienten sowohl dem Versenden von Korrespondenz als auch als Sammlerstücke, die gleichzeitig den wohltätigen Zweck unterstützten und koloniale Propaganda verbreiteten.
Nach der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg und dem Versailler Vertrag von 1919 verlor Deutschland alle seine Kolonien, die als Mandate an alliierte Mächte verteilt wurden. Die Kolonial-Krieger-Spende stellte mit Kriegsende ihre Operationen ein. Im Jahr 1922 gründete Georg Ludwig Rudolf Maercker den Deutscher Kolonialkrieger-Bund als Dachorganisation für koloniale Veteranengruppen, der später während der NS-Zeit in den Reichskolonialbund eingegliedert wurde.
Die Postkarten wurden zu historischen Dokumenten und Sammlerstücken. Heute werden viele in deutschen Archiven aufbewahrt, darunter das Landesarchiv Baden-Württemberg, das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, das Deutsche Historische Museum sowie verschiedene Stadt- und Staatsarchive. Das Landesarchiv Schleswig-Holstein bewahrt ebenfalls Beispiele auf. Sie dienen als Primärquellen für die Erforschung der deutschen Kolonialgeschichte, der Propaganda des Ersten Weltkriegs und der kolonialen Erinnerungskultur. Grotemeyers Plakat von 1918 für die Kolonial-Krieger-Spende wird von der Library of Congress und dem Stadtmuseum Münster aufbewahrt.
Archivalische Aufzeichnungen dokumentieren mindestens 47 verschiedene kolonialthematische Objekte von Franz Spenker. Die vorliegenden neun Postkarten, von denen einige postalisch gelaufen sind, repräsentieren somit ein bedeutendes Zeugnis der deutschen Kolonialpropaganda während des Ersten Weltkriegs und der Bemühungen, öffentliche Unterstützung für das koloniale Projekt während der Kriegszeit aufrechtzuerhalten.