Deutsches Reich 1. Weltkrieg Schutzgebiet Deutsch-Ostafrika Kleines Armband für Kinder gefertigt aus sechs «5 Heller»-Münzen

Nach 1914. Durchmesser des Armbands ca. 4.15 cm. Zustand 2.
Ein typisches Souvenir eines Soldaten der Kaiserlichen Schutztruppe für die Familie in der Heimat.
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250,00

Deutsches Reich 1. Weltkrieg Schutzgebiet Deutsch-Ostafrika Kleines Armband für Kinder gefertigt aus sechs «5 Heller»-Münzen

Dieses kleine Kinderarmband aus sechs “5 Heller”-Münzen aus Deutsch-Ostafrika repräsentiert ein faszinierendes Zeugnis der deutschen Kolonialgeschichte während des Ersten Weltkriegs. Als typisches Souvenir eines Soldaten der Kaiserlichen Schutztruppe für seine Familie in der Heimat gefertigt, verkörpert es sowohl die persönlichen Bindungen zwischen Front und Heimat als auch die komplexe Geschichte der deutschen Kolonialpräsenz in Afrika.

Deutsch-Ostafrika, das heutige Tansania, Ruanda und Burundi umfassend, war von 1885 bis 1919 die größte deutsche Kolonie. Die Region wurde durch die Deutsche Ostafrikanische Gesellschaft erschlossen und später als Schutzgebiet direkt der Reichsregierung unterstellt. Die Verwaltung lag in den Händen von Gouverneuren, die ihre Residenz zunächst in Bagamoyo, später in Dar es Salaam hatten.

Das Münzwesen in Deutsch-Ostafrika entwickelte sich entsprechend den lokalen Bedürfnissen. Die Heller-Währung wurde 1904 eingeführt, wobei 100 Heller einer Rupie entsprachen. Diese Münzen wurden speziell für die ostafrikanische Kolonie geprägt und trugen charakteristische Inschriften wie “DEUTSCH-OSTAFRIKA” sowie das Wappen des Deutschen Reiches. Die 5-Heller-Münzen waren aus Bronze gefertigt und gehörten zu den kleineren Nominalen des Kolonialmünzsystems.

Die Kaiserliche Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika wurde 1891 aufgestellt und umfasste sowohl europäische als auch einheimische Soldaten, die sogenannten Askari. Diese Truppe war für die Aufrechterhaltung der deutschen Herrschaft, den Schutz der Handelsrouten und die Grenzsicherung verantwortlich. Während des Ersten Weltkriegs entwickelte sich unter der Führung von Oberst Paul von Lettow-Vorbeck ein legendärer Guerillakrieg gegen die britischen und belgischen Kolonialstreitkräfte.

Der Ostafrikanische Feldzug (1914-1918) war geprägt von der außergewöhnlichen Kriegsführung Lettow-Vorbecks, der mit einer relativ kleinen Truppe die gegnerischen Kräfte über vier Jahre hinweg beschäftigte. Diese Kampagne endete erst mit dem Waffenstillstand in Europa im November 1918. Die deutschen Truppen ergaben sich schließlich in Abercorn (heute Mbala in Sambia).

Souvenirs wie dieses Kinderarmband entstanden in der besonderen Atmosphäre des Kolonialkriegs. Soldaten der Schutztruppe fertigten aus verfügbaren Materialien – in diesem Fall den lokalen Münzen – kleine Geschenke für ihre Familien. Diese Trench Art oder Grabenkunst war ein weit verbreitetes Phänomen in allen Theatern des Ersten Weltkriegs, wobei Soldaten aus Langeweile, als therapeutische Beschäftigung oder als Ausdruck ihrer Verbundenheit zur Heimat kunsthandwerkliche Objekte schufen.

Die Verwendung von Kolonialwährung für solche Souvenirs war besonders bedeutsam, da sie die exotische Herkunft unterstrich und den Empfängern in Deutschland die ferne Welt der Kolonien näherbrachte. Für Kinder waren solche Armbänder nicht nur Schmuck, sondern auch greifbare Verbindungen zu Vätern oder Verwandten, die in fernen Ländern dienten.

Nach der deutschen Niederlage 1918 wurde Deutsch-Ostafrika unter Völkerbundmandat aufgeteilt. Der Großteil ging als Tanganyika an Großbritannien, während Ruanda und Urundi belgisches Mandatsgebiet wurden. Die deutschen Kolonialwährungen verloren ihre Gültigkeit, was Objekte wie dieses Armband zu historischen Zeugnissen einer vergangenen Epoche machte.

Heute stellen solche Stücke wertvolle kolonialhistorische Dokumente dar, die sowohl die administrative als auch die persönliche Dimension der deutschen Kolonialzeit beleuchten. Sie erinnern an die komplexe Geschichte des deutschen Kolonialismus und die individuellen Schicksale der Menschen, die an diesem historischen Kapitel beteiligt waren.

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