Elastolin - Kriegsmarine 2 Matrosen in weißer Uniform marschierend
Die vorliegenden Elastolin-Figuren stellen zwei marschierende Kriegsmarinematrosen in weißer Uniform dar und repräsentieren ein charakteristisches Beispiel der deutschen Spielzeugherstellung der 1930er und frühen 1940er Jahre. Mit einer Höhe von 7 cm gehören diese Figuren zur Standardgröße der Hausser-Elastolin-Produktion, die zu den bedeutendsten Herstellern von Massefiguren im Dritten Reich zählte.
Die Firma Hausser in Ludwigsburg begann bereits in den 1920er Jahren mit der Herstellung von Spielzeugfiguren aus Elastolin, einem innovativen Material aus Kasein, Kreide, Glycerin und anderen Zusätzen, das um einen Drahtkern geformt wurde. Diese Technik ermöglichte detailliertere und robustere Figuren als die traditionellen Bleifiguren und machte Elastolin zum Marktführer in Deutschland.
Die weiße Uniform der Kriegsmarine wurde in der Realität als Sommerdienstanzug getragen und war besonders bei offiziellen Anlässen, Paraden und in wärmeren Klimazonen üblich. Die Reichskriegsmarine und später die Kriegsmarine (ab 1935) führten verschiedene Uniformvarianten, wobei die weiße Uniform ein besonders repräsentatives Erscheinungsbild bot. Die Darstellung marschierender Matrosen in weißer Uniform war sowohl propagandistisch wirksam als auch bei Sammlern und Kindern beliebt.
In den 1930er Jahren erlebte die Produktion militärischer Spielzeugfiguren in Deutschland einen enormen Aufschwung. Nach der Machtübernahme 1933 und der intensiven Militarisierung der Gesellschaft wurden solche Figuren nicht nur als Spielzeug, sondern auch als Propagandainstrument verstanden. Die Firma Hausser produzierte umfangreiche Serien von Wehrmacht-, Luftwaffe- und Kriegsmarinefiguren, die alle Waffengattungen und Uniformvarianten abdeckten.
Die Kriegsmarine selbst durchlief in dieser Zeit eine massive Expansion. Nach den Bestimmungen des Versailler Vertrags war die deutsche Marine stark limitiert gewesen, doch mit dem Flottenabkommen von 1935 und der zunehmenden Aufrüstung wuchs sie rapide. Die Marine genoss in der deutschen Öffentlichkeit hohes Ansehen, was sich auch in der Beliebtheit entsprechender Spielzeugfiguren widerspiegelte.
Die Qualität der Elastolin-Figuren war für ihre Zeit bemerkenswert. Die Figuren wurden handbemalt, wobei besonderer Wert auf Details wie Abzeichen, Ranginsignien und Ausrüstungsgegenstände gelegt wurde. Der Zustand 2 dieser Figuren deutet auf gut erhaltene Exemplare mit nur geringen Gebrauchsspuren hin, was bei einem Material, das zu Rissen und Farbabplatzen neigt, durchaus bemerkenswert ist.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Produktion von Spielzeugfiguren zunehmend eingeschränkt, da Rohstoffe und Arbeitskräfte für die Rüstungsindustrie benötigt wurden. Gegen Kriegsende kam die zivile Produktion nahezu zum Erliegen. Nach 1945 wurde die Herstellung militärischer Spielzeugfiguren in Deutschland zunächst verboten, später stark reglementiert.
Heute sind Elastolin-Figuren aus der NS-Zeit begehrte Sammlerobjekte, die sowohl militärhistorisch als auch kulturgeschichtlich von Interesse sind. Sie dokumentieren nicht nur die Uniformgeschichte und militärische Darstellung der Epoche, sondern auch die Rolle von Spielzeug in der Militarisierung der Gesellschaft. Sammler schätzen besonders gut erhaltene Figuren in Originalzustand, wobei die weiße Uniform aufgrund ihrer Anfälligkeit für Verschmutzung und Verfärbung seltener in gutem Zustand erhalten ist.
Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit solchen Objekten erfordert eine differenzierte Betrachtung: Sie sind Zeugnisse ihrer Zeit, die sowohl die handwerkliche Qualität deutscher Spielzeugherstellung als auch die problematische Verbindung von Kinderspielzeug und militärischer Propaganda dokumentieren.