III. Reich - ADAC ( Allgemeiner Deutscher Automobil-Club ) - nichttragbare Teilnehmerplakette - " 8. Ratisbona Bergrennen Kelheim 20.8.1933 "
Historischer Kontext: ADAC-Bergrennen Plakette von 1933
Die vorliegende nichttragbare Teilnehmerplakette des 8. Ratisbona Bergrennens in Kelheim vom 20. August 1933 ist ein faszinierendes Zeugnis der frühen Motorsportgeschichte im nationalsozialistischen Deutschland. Diese von der renommierten Firma C. Poellath aus Schrobenhausen hergestellte Plakette dokumentiert eine wichtige Phase in der Entwicklung des deutschen Automobilsports unter der Ägide des ADAC (Allgemeiner Deutscher Automobil-Club).
Der ADAC, 1903 in Stuttgart gegründet, hatte sich bereits in der Weimarer Republik als wichtigste deutsche Automobilorganisation etabliert. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 wurde der Club schnell in die neue Herrschaftsstruktur integriert. Die sogenannte Gleichschaltung erfasste auch den Motorsport, der von den neuen Machthabern als ideales Propagandainstrument erkannt wurde. Der Motorsport sollte deutsche Ingenieurskunst, Technologie und den “Willen zum Sieg” demonstrieren.
Das Ratisbona Bergrennen bei Kelheim, in der malerischen Landschaft des Altmühltals gelegen, war eine der traditionellen Motorsportveranstaltungen Bayerns. Bergrennen waren in den 1920er und 1930er Jahren außerordentlich populär, da sie technisches Können der Fahrer und die Leistungsfähigkeit der Fahrzeuge auf besondere Weise prüften. Die kurvenreichen Bergstrecken mit ihren Steigungen stellten höchste Anforderungen an Mensch und Maschine.
Das Jahr 1933 markierte einen Wendepunkt in der deutschen Geschichte und auch im Motorsport. Der 20. August 1933, das Datum dieser Veranstaltung, fiel in eine Zeit intensiver politischer Umwälzungen. Bereits im März 1933 hatte Adolf Hitler bei der Internationalen Automobilausstellung in Berlin die massive Förderung des Motorsports angekündigt. Die Nationalsozialisten erkannten das propagandistische Potenzial von Motorsportveranstaltungen und begannen, erhebliche staatliche Mittel in die Entwicklung der Rennsportindustrie zu investieren.
Die Herstellung solcher Plaketten lag in den Händen spezialisierter Betriebe. Die Firma C. Poellath aus Schrobenhausen war einer der führenden Hersteller von Auszeichnungen, Plaketten und Abzeichen in Deutschland. Das Unternehmen, das bereits im 19. Jahrhundert gegründet wurde, hatte sich auf die Produktion hochwertiger Metallarbeiten spezialisiert. Die hier beschriebene Plakette aus versilbertem Buntmetall mit Emaillierung zeigt die handwerkliche Qualität, für die Poellath bekannt war. Mit ihren Maßen von 75 x 102 mm handelt es sich um ein substanzielles Erinnerungsstück.
Als nichttragbare Plakette war dieses Objekt nicht zur Befestigung an der Kleidung gedacht, sondern diente als Erinnerungs- und Dokumentationsstück. Die einzelne Bohrung deutet darauf hin, dass die Plakette zur Aufhängung oder zur Befestigung in einer Sammlung vorgesehen war. Solche Plaketten wurden typischerweise an Teilnehmer, Offizielle und Sponsoren des Rennens ausgegeben.
Die Emaillierung war eine aufwendige Technik, bei der farbiges Glas bei hohen Temperaturen auf das Metall aufgeschmolzen wurde. Dies verlieh den Plaketten ihre charakteristische Farbbrillanz und Haltbarkeit. Die Kombination aus Versilberung und Emaille war typisch für hochwertige Auszeichnungen dieser Epoche und spiegelt den Stellenwert wider, den solche Motorsportveranstaltungen in der Gesellschaft hatten.
Bergrennen wie das Ratisbona-Event waren nicht nur sportliche Wettkämpfe, sondern auch gesellschaftliche Ereignisse, die Tausende von Zuschauern anzogen. Sie boten Automobilherstellern die Gelegenheit, ihre neuesten Modelle zu präsentieren, und dienten als Testfeld für technische Innovationen. Viele Entwicklungen, die später in Serienfahrzeugen zum Einsatz kamen, wurden zunächst im Rennsport erprobt.
Die politische Dimension solcher Veranstaltungen im Jahr 1933 darf nicht unterschätzt werden. Während der ADAC formal seine Unabhängigkeit behielt, wurde er faktisch Teil des NS-Herrschaftssystems. Die Organisation wurde in die Oberste Nationale Sportbehörde für die Deutsche Kraftfahrt (ONS) eingegliedert, die dem Korpsführer des Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps (NSKK) unterstand.
Heute sind solche Plaketten wichtige Dokumente der Motorsport- und Zeitgeschichte. Sie dokumentieren nicht nur die sportlichen Ereignisse selbst, sondern auch die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen ihrer Entstehungszeit. Für Sammler und Historiker bieten sie wertvolle Einblicke in eine Epoche, in der Sport und Politik eng miteinander verwoben waren. Die handwerkliche Qualität und die historische Bedeutung machen sie zu begehrten Sammlerstücken, die uns helfen, die komplexe Geschichte des deutschen Motorsports im 20. Jahrhundert zu verstehen.