Oslavy Premysla Drageve Stadioich

rückseitig Papiermarke des Herstellers aus Praha XI
433685
40,00

Oslavy Premysla Drageve Stadioich

Das vorliegende Objekt stellt ein bemerkenswertes Zeugnis der tschechoslowakischen Sokol-Bewegung dar, die im 19. und 20. Jahrhundert eine zentrale Rolle im nationalen und kulturellen Leben der böhmischen Länder spielte. Der Titel “Oslavy Premysla Drageve Stadioich” verweist auf Feierlichkeiten, die in Stadien abgehalten wurden, wobei die Rückseite eine Papiermarke eines Herstellers aus Praha XI (Prag XI) trägt.

Die Sokol-Bewegung wurde 1862 von Miroslav Tyrš und Jindřich Fügner in Prag gegründet und verband körperliche Ertüchtigung mit nationaler Identität und demokratischen Idealen. Der Name “Sokol” (Falke) symbolisierte Kraft, Wachsamkeit und Freiheit. Die Bewegung organisierte regelmäßig Massenturnfeste, sogenannte Slety, die Tausende von Teilnehmern anzogen und zu wichtigen Demonstrationen tschechischer nationaler Einheit wurden.

Der Bezug zu Přemysl im Titel könnte auf die legendäre Přemysliden-Dynastie verweisen, die vom 9. bis zum 14. Jahrhundert über Böhmen herrschte. Die Přemysliden waren die erste historisch belegte Herrscherdynastie der böhmischen Länder, und ihre mythische Gründungsfigur Přemysl der Pflüger wurde im 19. und 20. Jahrhundert zu einem wichtigen Symbol der tschechischen Nationalgeschichte. Die Verbindung historischer Traditionen mit modernen Massensportveranstaltungen war charakteristisch für die national-kulturelle Bewegung dieser Epoche.

Die Herstellung in Prag XI ist von besonderer Bedeutung. Dieser Bezirk umfasste historisch verschiedene Stadtteile der tschechoslowakischen Hauptstadt und war ein Zentrum des Druckerei- und Verlagswesens. Während der Ersten Tschechoslowakischen Republik (1918-1938) erlebte das Druckgewerbe in Prag eine Blütezeit, und zahlreiche Verlage produzierten Plakate, Programmhefte und Erinnerungsstücke für nationale Festlichkeiten.

Solche Objekte hatten während der Zwischenkriegszeit eine besondere Bedeutung. Die junge tschechoslowakische Republik nutzte Massenveranstaltungen und Sportfeste zur Stärkung der nationalen Identität und zur Demonstration ihrer demokratischen Werte. Die Sokol-Slety waren dabei besonders wichtig: Das große Slet von 1920 feierte die neugewonnene Unabhängigkeit, und weitere Slety fanden 1926, 1932 und 1938 statt, jeweils mit Hunderttausenden von Teilnehmern.

Nach der deutschen Besetzung 1939 wurde die Sokol-Bewegung von den Nationalsozialisten verboten, und viele ihrer Funktionäre wurden verfolgt. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Bewegung eine kurze Renaissance, bevor sie 1948 nach der kommunistischen Machtübernahme erneut unterdrückt wurde. Erst nach der Samtenen Revolution von 1989 konnte die Sokol-Bewegung ihre Traditionen wieder frei ausüben.

Die Papiermarke auf der Rückseite des Objekts ist ein wichtiges authentifizierendes Merkmal. Hersteller- und Verlegermarken waren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts üblich und ermöglichen heute die Datierung und Lokalisierung solcher Objekte. Sie zeugen von der hohen Qualität des tschechoslowakischen Druckgewerbes und der Bedeutung, die solchen Erinnerungsstücken beigemessen wurde.

Für Sammler und Historiker sind solche Objekte wertvolle Quellen zur Erforschung der tschechoslowakischen Sozial- und Kulturgeschichte. Sie dokumentieren die Verbindung von Sport, Politik und nationaler Identität und zeigen, wie Massenveranstaltungen zur Formung kollektiver Erinnerung und zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls eingesetzt wurden.

r