Preußen Pickelhaube für einen Reserve-Offizier Infanterie

Um 1914. Lederhelm, komplett mit allen Beschlägen. Vorne der Linienadler, für Reserve-Offiziere ohne Bandeau und mit dem aufgelegten Reservekreuz. Flache Schuppenketten an Rosetten, beide Kokarden. Die Spitze abschraubbar. Innen mit braunem Lederschweißband und brauen Seidenfutter. In der Glocke handschriftlich die Größe «57». Die Glocke leicht gestaucht, die Naht des Vorderschirms gelöst, der Vorderschirm dadurch locker, die Naht des Nackenschirms etwa zur Hälfte gelöst. Zustand 2-.


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850,00

Preußen Pickelhaube für einen Reserve-Offizier Infanterie

Die preußische Pickelhaube für Reserve-Offiziere der Infanterie verkörpert eine markante Phase der deutschen Militärgeschichte und steht exemplarisch für das komplexe Reservesystem des Kaiserreichs. Dieses charakteristische Ausrüngsstück entstand aus einer bemerkenswerten diplomatischen Begegnung und entwickelte sich zu einem der bekanntesten Symbole des kaiserlichen Deutschland.

Die Geschichte der Pickelhaube begann mit dem Besuch von Prinz Karl von Preußen in Russland im Jahr 1837, bei dem der Zar Karl einen neuen Helm präsentierte, der sich noch im Projektstadium befand. Nach dem Tod König Friedrich Wilhelms III. im Jahr 1840 genehmigte der neue König Friedrich Wilhelm IV. die Idee seines jüngeren Bruders, und die preußische Armee führte den Spitzhelm offiziell am 23. Oktober 1842 durch königliche Kabinettsorder ein, noch bevor das russische Projekt abgeschlossen war. Die Verwendung der Pickelhaube verbreitete sich rasch auf andere deutsche Fürstentümer, und bis 1886 hatten alle deutschen Staaten die Pickelhaube übernommen.

Das vorliegende Exemplar aus der Zeit um 1914 weist die spezifischen Merkmale für Reserve-Offiziere auf. Der vordere Linienadler erscheint charakteristischerweise ohne Bandeau, was Reserve-Offiziere eindeutig von aktiven Offizieren unterschied. Das aufgelegte Reservekreuz mit der Inschrift MIT GOTT FÜR KÖNIG UND VATERLAND diente als klares Erkennungszeichen für Reserve-Offiziere und grenzte diese Gruppe deutlich ab. Offiziere vom Leutnant bis zum Oberst trugen identische Merkmale, wobei die Qualität davon abhing, wie viel der Einzelne ausgeben wollte, da Offiziere ihre eigene Ausrüstung kaufen mussten.

Die konstruktive Entwicklung der Pickelhaube durchlief mehrere wichtige Phasen. Das Modell 1860 reduzierte die Höhe und führte eine runde Spitzenbasis ein. Das Modell 1867 wies ein niedrigeres Profil auf, Belüftungslöcher in der Spitzenbasis und eine vereinfachte Konstruktion für die Massenproduktion. Die Offiziers-Pickelhaube blieb von 1871 bis 1899 im Wesentlichen unverändert, als sie eine stärker gewölbte Form hatte; von 1899 bis zum Ende hatte sie eine mehr schädelförmige Gestalt. Eine wichtige Ausnahme war die Einführung der Reichskokarde im Jahr 1897, als die neue Reichskokarde in Rot-Weiß-Schwarz für alle Ränge eingeführt wurde und auf der rechten Seite des Helms getragen wurde, während die Staatskokarde auf die linke Seite verschoben wurde.

Die Pickelhaube wurde aus gekochtem, schwarz lackiertem Leder gefertigt, mit massiven polierten Metallfittings, darunter die Spitze mit zwei Belüftungslöchern, die Spitzenmontierungsbasis, die hintere Wirbelsäule, die Visierverzierung und der Kinnriemen mit mehreren Schuppen und Schiebeverschluss. Die Spitze war abschraubbar, ein Merkmal aller Pickelhauben, um sie durch einen hohen Metallfederhalter, bekannt als Trichter, zu ersetzen. Die flachen Schuppenketten an Rosetten und beide Kokarden – die dreifarbige Kokarde des Kaiserreichs auf der rechten Seite und die schwarze Kokarde Preußens auf der linken Seite – vervollständigten das charakteristische Erscheinungsbild.

Im Jahr 1892 wurde die hellbraune Stoffhelmüberzug M1892 für alle Pickelhauben bei Manövern und im aktiven Dienst zur Standardausrüstung. Der Überzug sollte den Helm vor Schmutz schützen und die Sichtbarkeit im Kampf verringern, da sich Messing- und Silberbeschläge als sehr reflektierend erwiesen. Im Oktober 1916 änderte sich die Farbe zu feldgrau, obwohl zu diesem Zeitpunkt der schlichte Metall-Stahlhelm für die meisten Truppen zur Standardausrüstung gehörte. Ab 1916 wurde die Pickelhaube langsam durch den neuen deutschen Stahlhelm ersetzt, der einen größeren Kopfschutz vor Granatsplittern bieten sollte. Nach der Einführung des Stahlhelms wurde die Pickelhaube auf begrenzte zeremonielle Verwendung durch höhere Offiziere außerhalb der Kriegsgebiete reduziert. Mit dem Zusammenbruch des Deutschen Kaiserreichs im Jahr 1918 hörte die Pickelhaube auf, Teil der Militäruniform zu sein.

Der Spitzhelm blieb bis in die Zwischenkriegszeit Teil des klischeehaften Bildes des kaiserlichen Deutschland, selbst nachdem die Kopfbedeckung nicht mehr getragen wurde, möglicherweise wegen der umfassenden Verwendung der Pickelhaube in der alliierten Propaganda vor und während des Ersten Weltkriegs. Pickelhauben waren beliebte Ziele für alliierte Souvenirjäger während der ersten Kriegsmonate. Heute sind sie hochsammelbare Militaria-Gegenstände, die eine verschwundene Ära der deutschen Militärgeschichte repräsentieren.