Preußen Teilkoloriertes Kabinettfoto eines Soldaten im Garde-Füsilier-Regiment

Standort Berlin, um 1910. Maße 10.6 x 16 cm. Zustand 2.

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Preußen Teilkoloriertes Kabinettfoto eines Soldaten im Garde-Füsilier-Regiment

Das Garde-Füsilier-Regiment zählte zu den prestigeträchtigsten Einheiten der preußischen Armee und später des Deutschen Kaiserreichs. Dieses teilkolorierte Kabinettfoto aus der Zeit um 1910 dokumentiert einen Soldaten dieser Eliteeinheit und repräsentiert eine wichtige Epoche der deutschen Militärgeschichte kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs.

Das Garde-Füsilier-Regiment wurde bereits im Jahre 1791 als Füsilier-Bataillon von Rohdich gegründet und erhielt 1806 die Bezeichnung 1. Garde-Regiment zu Fuß. Im Jahr 1888 erfolgte die Umbenennung in Garde-Füsilier-Regiment, unter welchem Namen es bis zum Ende des Ersten Weltkriegs bestand. Der Standort des Regiments befand sich in Berlin-Moabit und später in der Maikäferkaserne in Berlin.

Die Uniform des Garde-Füsilier-Regiments um 1910 folgte der preußischen Militärtradition mit spezifischen Besonderheiten für Gardeeinheiten. Die Soldaten trugen den charakteristischen Waffenrock in dunkelblauer Farbe mit den für Füsiliere typischen Distinktionen. Die Gardelitzen an Kragen und Ärmelaufschlägen kennzeichneten die Zugehörigkeit zur Garde. Die Kopfbedeckung bestand aus der Pickelhaube mit dem preußischen Adler und dem Gardestern, einem unverkennbaren Symbol der preußischen Militärmacht.

Die Kabinettfotografie entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem beliebten Medium für militärische Porträts. Das Format von etwa 10,6 x 16 cm war standardisiert und wurde auf festem Karton montiert, oft mit dem Namen und der Adresse des Fotografen auf der Rückseite. Die Teilkolorierung von Fotografien war eine aufwendige Technik, bei der bestimmte Elemente wie Uniformteile, Orden oder Abzeichen nachträglich von Hand mit Farbe versehen wurden. Dies betonte die militärischen Distinktionen und verlieh dem Bild eine besondere Wirkung.

Um 1910 befand sich das Deutsche Kaiserreich unter Kaiser Wilhelm II. auf dem Höhepunkt seiner militärischen Präsenz. Die Armee wurde massiv ausgebaut, und das Militär spielte eine zentrale Rolle in Gesellschaft und Politik. Für junge Männer bedeutete der Dienst in einem Garderegiment nicht nur militärische Ehre, sondern auch gesellschaftliches Prestige. Die Garderegimenter rekrutierten ihre Soldaten nach strengen Kriterien, wobei neben der körperlichen Eignung auch Zuverlässigkeit und oft eine gewisse soziale Herkunft berücksichtigt wurden.

Die Anfertigung eines solchen Porträts in einem Berliner Fotoatelier war für die Soldaten und ihre Familien ein bedeutsames Ereignis. Diese Fotografien dienten mehreren Zwecken: Sie waren Erinnerungsstücke für die Familie, Dokumente des militärischen Dienstes und Ausdruck des Stolzes auf die Zugehörigkeit zu einer Eliteeinheit. Viele Soldaten ließen sich in voller Montur fotografieren, um ihre militärische Laufbahn festzuhalten.

Das Garde-Füsilier-Regiment nahm an zahlreichen militärischen Paraden und Zeremonien in Berlin teil und war eng mit dem preußischen Königshaus verbunden. Bei Staatsbesuchen und offiziellen Anlässen stellte das Regiment häufig die Ehrenwache. Diese repräsentative Funktion unterstrich die Bedeutung der Gardeeinheiten für das Selbstverständnis der preußisch-deutschen Monarchie.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 wurde das Garde-Füsilier-Regiment an verschiedenen Fronten eingesetzt. Die Einheit kämpfte in Belgien, Frankreich und später auch an der Ostfront. Die schweren Verluste des Krieges trafen auch die Garderegimenter hart. Das Ende der Monarchie 1918 bedeutete gleichzeitig das Ende der traditionsreichen Garde-Einheiten. Das Regiment wurde im Rahmen der Demobilisierung aufgelöst.

Heute sind solche Kabinettfotos wichtige historische Quellen für die Militär- und Sozialgeschichte. Sie dokumentieren nicht nur Uniformen und Ausrüstung, sondern auch die Bedeutung des Militärs in der wilhelminischen Gesellschaft. Die Teilkolorierung macht diese Fotografien besonders wertvoll, da sie authentische Informationen über Farben und Details der Uniformierung liefern, die in reinen Schwarz-Weiß-Aufnahmen verloren gehen würden.

Für Sammler und Historiker stellen diese Fotografien ein faszinierendes Zeugnis einer untergegangenen Epoche dar. Sie verbinden fotografische Kunstfertigkeit mit militärhistorischer Dokumentation und bieten Einblicke in eine Zeit, die durch den Ersten Weltkrieg für immer verändert werden sollte.

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