Deutsches Reich Vereins-Säbel mit Löwenkopf .

Schön vergoldetes Messinggefäß, Löwenkopfknauf ohne Glasaugen, auf dem Parierlappen gekreuzte Säbel, Rochenhautgriff mit ganz leicht beschädigter Drahtwicklung, schlanke Klinge, leicht gekrümmt, mit beidseitiger floraler Ätzung, sowie Reichsadler im Oval, Herstellermarke von "Carl Eickhorn Solingen", vernickelte Stahlscheide mit zwei Ringbändern aus Messing, die Vernickelung schon stellenweise abgeblättert, sonst aber ein gut erhaltenes Stück. Zustand 2-
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750,00

Deutsches Reich Vereins-Säbel mit Löwenkopf .

Der hier beschriebene Vereinssäbel mit Löwenkopf aus dem Deutschen Kaiserreich repräsentiert eine bedeutende Kategorie militärischer Blankwaffen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Diese Säbel wurden primär von Militärvereinen, Veteranenverbänden und Kriegervereinigungen getragen und symbolisierten die enge Verbindung zwischen militärischer Tradition und bürgerlicher Gesellschaft im wilhelminischen Deutschland.

Die Tradition der Militärvereine im Deutschen Reich erreichte nach der Reichsgründung 1871 ihren Höhepunkt. Ehemalige Soldaten organisierten sich in zahlreichen Kriegervereinigungen, die nicht nur soziale Funktionen erfüllten, sondern auch patriotische Werte und militärische Tugenden pflegen sollten. Diese Vereine besaßen oft eigene Uniformen und Ausrüstungsgegenstände, zu denen auch zeremonielle Säbel gehörten.

Der charakteristische Löwenkopfknauf war ein beliebtes dekoratives Element bei Vereinssäbeln. Der Löwe symbolisierte seit jeher Mut, Stärke und königliche Macht – Eigenschaften, die mit militärischen Tugenden assoziiert wurden. Solche Säbel wurden bei feierlichen Anlässen, Paraden, Gedenkveranstaltungen und Vereinsfesten getragen. Sie dienten weniger als funktionale Waffen, sondern vielmehr als Statussymbole und Zeichen der Zugehörigkeit zu einer ehrenwerten militärischen Gemeinschaft.

Die Firma Carl Eickhorn aus Solingen gehörte zu den renommiertesten Herstellern von Blankwaffen im Deutschen Reich. Das Unternehmen wurde 1865 gegründet und entwickelte sich rasch zu einem der bedeutendsten Produzenten militärischer Säbel, Degen und Bajonette. Solingen, seit Jahrhunderten als “Klingenstadt” bekannt, war das Zentrum der deutschen Blankwaffenproduktion. Die Qualität Solinger Klingen war weltweit anerkannt, und Hersteller wie Eickhorn belieferten nicht nur die deutschen Streitkräfte, sondern exportierten ihre Produkte in zahlreiche Länder.

Das vergoldete Messinggefäß des Säbels entspricht der typischen Ausführung von Vereinssäbeln. Im Gegensatz zu den einfacheren Dienstwaffen der regulären Truppen waren Vereinssäbel oft aufwendiger dekoriert. Die gekreuzten Säbel auf dem Parierlappen sind ein klassisches militärisches Symbol, das die Waffengattung oder militärische Zugehörigkeit andeutet. Der Rochenhautgriff (auch Rayskin oder Galuchat genannt) mit Drahtwicklung war Standard bei höherwertigen Säbeln, da er auch bei Feuchtigkeit einen sicheren Griff gewährleistete.

Die schlanke, leicht gekrümmte Klinge mit floraler Ätzung und Reichsadler ist charakteristisch für deutsche Blankwaffen der Kaiserzeit. Der Reichsadler im Oval war das offizielle Symbol des Deutschen Reiches und findet sich auf zahlreichen militärischen Ausrüstungsgegenständen dieser Epoche. Die floralen Ätzungen dienten der ästhetischen Aufwertung und zeigen das hohe handwerkliche Niveau der Solinger Waffenschmiede. Diese Dekorationen wurden durch aufwendige chemische Ätzverfahren angebracht, bei denen die Klinge teilweise mit Wachs abgedeckt wurde, um die gewünschten Muster zu erzeugen.

Die vernickelte Stahlscheide mit zwei Ringbändern aus Messing entspricht der üblichen Konstruktion. Die Ringbänder dienten zur Befestigung der Scheide am Leibriemen oder Wehrgehänge. Die Vernickelung sollte die Scheide vor Korrosion schützen und ihr ein repräsentatives Aussehen verleihen. Dass die Vernickelung stellenweise abgeblättert ist, deutet auf eine intensive Nutzung oder längere Lagerung unter ungünstigen Bedingungen hin – ein typisches Phänomen bei über hundert Jahre alten Objekten.

Vereinssäbel wie dieser wurden in großer Stückzahl produziert, insbesondere zwischen den 1880er Jahren und dem Ersten Weltkrieg. Nach dem Krieg und dem Untergang des Kaiserreichs 1918 verloren diese Waffen ihre ursprüngliche gesellschaftliche Bedeutung. Viele Kriegervereine wurden in der Weimarer Republik fortgeführt, doch die militärische Kultur veränderte sich grundlegend. Während der NS-Zeit wurden viele traditionelle Militärvereine gleichgeschaltet oder aufgelöst.

Heute sind solche Vereinssäbel wichtige Zeugnisse der Militär- und Gesellschaftsgeschichte des Deutschen Kaiserreichs. Sie dokumentieren die Bedeutung militärischer Traditionen im bürgerlichen Leben und die hohe Handwerkskunst der deutschen Waffenschmiede. Für Sammler und Historiker bieten sie Einblicke in die materielle Kultur einer Epoche, in der militärische Werte tief in der Gesellschaft verankert waren. Der hier beschriebene Säbel mit seiner Carl-Eickhorn-Signatur ist ein authentisches Beispiel dieser historischen Kategorie und dokumentiert die Qualität und Gestaltung deutscher Vereinsblankwaffen aus der Zeit zwischen 1871 und 1918.

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