Ehrenschale aus Meißner Porzellan des "Colbergsches Grenadier-Regiment Graf Geneisenau (2. Pommersches) Nr. 9 - Colberg 1807"

Durchmesser ca. 25 cm, blaues Dekor unter Glasur, im Zentrum das Regimentswappen, rückseitig mit Schwertermarke und Nummer, mit der original Aufhängung. Unbeschädigt, Zustand 2+.
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650,00

Ehrenschale aus Meißner Porzellan des "Colbergsches Grenadier-Regiment Graf Geneisenau (2. Pommersches) Nr. 9 - Colberg 1807"

Diese Ehrenschale aus Meißner Porzellan repräsentiert ein bedeutendes Stück preußischer Militärgeschichte und verkörpert die Erinnerungskultur des Colbergschen Grenadier-Regiments Graf Gneisenau (2. Pommersches) Nr. 9. Das Regiment trug seinen ehrenvollen Namenszusatz in Würdigung der heldenhaften Verteidigung der Festung Kolberg im Jahre 1807, einem der wenigen Lichtblicke preußischer Widerstandskraft während der napoleonischen Kriege.

Die Belagerung von Kolberg von März bis Juli 1807 stellte einen außergewöhnlichen Moment in der preußischen Militärgeschichte dar. Während die preußische Armee nach den verheerenden Niederlagen bei Jena und Auerstedt 1806 zusammengebrochen war und Napoleon fast ganz Preußen besetzt hatte, hielt die Festung Kolberg unter Oberst August Neidhardt von Gneisenau und Bürgermeister Joachim Nettelbeck stand. Die erfolgreiche Verteidigung gegen französische Truppen unter Marschall Mortier wurde zu einem Symbol preußischer Tapferkeit und Widerstandswillens.

Das Grenadier-Regiment Nr. 9 hatte seinen Ursprung im Jahre 1626 und gehörte zu den traditionsreichsten Verbänden der preußischen Armee. Nach der Reorganisation der preußischen Streitkräfte durch die Heeresreform von Scharnhorst und Gneisenau erhielt das Regiment 1889 offiziell den Ehrennamen “Colbergsches Grenadier-Regiment Graf Gneisenau”, um die historische Verbindung zur heldenhaften Verteidigung zu unterstreichen.

Meißner Porzellan, aus der 1710 gegründeten ersten europäischen Porzellanmanufaktur, war seit jeher eng mit höfischer und militärischer Repräsentationskultur verbunden. Die Staatliche Porzellanmanufaktur Meißen fertigte im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert zahlreiche Ehrenschalen, Teller und andere Erinnerungsstücke für preußische und später deutsche Regimenter. Diese Objekte dienten nicht nur der Dekoration von Offizierskasinos und Regimentsräumen, sondern auch als Geschenke bei besonderen Anlässen und als Ausdruck kameradschaftlicher Verbundenheit.

Das charakteristische blaue Dekor unter Glasur, bekannt als Unterglasurblau, war eine der ältesten und angesehensten Dekorationstechniken der Meißner Manufaktur. Diese Technik, bei der das Kobaltblau vor dem abschließenden Glasurbrand aufgetragen wird, garantierte dauerhafte Farbbrillanz und Haltbarkeit. Die Schwertermarke auf der Rückseite, das weltberühmte Markenzeichen Meißens seit 1722, authentifiziert die Herkunft aus der königlich-sächsischen Manufaktur.

Das im Zentrum dargestellte Regimentswappen vereinte heraldische Elemente, die auf die Geschichte und Tradition des Verbandes verwiesen. Typischerweise enthielten solche Wappen den preußischen Adler, regionale Symbole Pommerns sowie Hinweise auf die Kolberger Verteidigung. Die sorgfältige heraldische Gestaltung entsprach den strengen Vorschriften der preußischen Heeresverwaltung bezüglich militärischer Emblematik.

Solche Ehrenschalen wurden in verschiedenen Kontexten verwendet: als Auszeichnungen für verdiente Offiziere bei deren Versetzung oder Verabschiedung, als Jubiläumsgeschenke zu Regimentsfesten, oder als Teil der Ausstattung von Offiziersheimen. Sie dokumentieren die ausgeprägte Traditionskultur der preußisch-deutschen Armee, in der historische Erinnerung und Kameradschaftspflege zentrale Werte darstellten.

Die Zeit um 1900 bis 1914 markierte den Höhepunkt dieser militärischen Erinnerungskultur. Das Kaiserreich pflegte intensiv die Traditionen seiner Regimenter, und die Erinnerung an die Befreiungskriege gegen Napoleon wurde besonders hochgehalten. Die Festung Kolberg und ihre Verteidigung wurden in zahlreichen Publikationen, Denkmälern und eben auch in kunsthandwerklichen Objekten wie dieser Ehrenschale verewigt.

Das Regiment selbst war in Kolberg in Pommern stationiert und bestand bis zum Ende des Ersten Weltkrieges 1918. Mit der Auflösung der preußischen Armee nach dem Versailler Vertrag endete auch die Geschichte dieses traditionsreichen Verbandes. Solche Porzellanstücke blieben oft als einzige materielle Zeugnisse der Regimentsgeschichte erhalten.

Heute sind derartige militärhistorische Porzellanobjekte wichtige Quellen für die Erforschung der preußisch-deutschen Militärgeschichte, der Uniformkunde und der Erinnerungskultur. Sie dokumentieren nicht nur die heraldische und künstlerische Gestaltung, sondern auch die Wertvorstellungen und das Selbstverständnis der kaiserlichen Armee. Die Qualität der Meißner Fertigung und der hervorragende Erhaltungszustand vieler dieser Stücke ermöglichen es, die historische Tradition über zwei Jahrhunderte hinweg anschaulich nachzuvollziehen.