Elastolin - Heer Tambour-Major stillgestanden
Die Elastolin-Figur eines Heer Tambour-Majors in der Haltung "stillgestanden" repräsentiert ein faszinierendes Stück deutscher Spielzeug- und Militärgeschichte. Mit einer Höhe von 7,5 cm gehört diese Figur zur klassischen Standardgröße der Elastolin-Massefiguren, die von der Firma O. & M. Hausser in Neustadt bei Coburg hergestellt wurden.
Die Firma Hausser begann bereits 1904 mit der Produktion von Spielzeugfiguren und entwickelte um 1910 das revolutionäre Material Elastolin – eine formbare Masse aus Kasein, Kreide, Leim, Glycerin und anderen Zusatzstoffen, die auf Drahtgestelle aufgebracht wurde. Diese Innovation ermöglichte die Herstellung detailreicher, haltbarer und dennoch relativ bruchsicherer Figuren, die deutlich widerstandsfähiger waren als die damals üblichen Bleisoldaten.
Der Tambour-Major (auch Tambourmajor geschrieben) nahm in der preußischen und späteren deutschen Militärtradition eine besondere Stellung ein. Als ranghöchster Unteroffizier der Regimentsmusik war er nicht nur für die musikalische Ausbildung der Tamboure und Pfeifer verantwortlich, sondern repräsentierte durch seine prachtvolle Uniform und seinen zeremoniellen Tambourstab die besondere Würde der Militärmusik. Die Uniform des Tambour-Majors zeichnete sich traditionell durch besondere Prachtentfaltung aus: reichhaltige Verschnürungen (Tressen), spezielle Epauletten und der charakteristische Tambourstab mit Metallknauf waren seine Erkennungszeichen.
Die Darstellung in der Haltung "stillgestanden" zeigt die militärische Grundstellung, bei der der Soldat in strammer Haltung mit geschlossenen Absätzen, angelegten Armen und geradem Blick verharrt. Diese Haltung war und ist Teil des militärischen Drills und wird bei Appellen, Paraden und zeremoniellen Anlässen eingenommen.
Elastolin-Figuren der Wehrmacht und des früheren Reichsheeres wurden hauptsächlich zwischen den 1920er und 1940er Jahren produziert. Die Firma Hausser stellte ein umfangreiches Sortiment an Militärfiguren her, das alle Waffengattungen, Dienstgrade und Funktionen umfasste. Besonders detailliert wurden Musikerfiguren wie Tambour-Majore, Spielleute und Kapellenmitglieder gestaltet, da diese durch ihre bunten Uniformen und besonderen Attribute visuell besonders ansprechend waren.
Die Produktion von Militärspielzeug diente nicht nur der Unterhaltung, sondern hatte auch eine gesellschaftliche Dimension. In der Zeit zwischen den Weltkriegen und während der NS-Zeit wurden solche Figuren zur Vermittlung militärischer Werte und zur Vorbereitung der Jugend auf den Wehrdienst eingesetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlagerte die Firma Hausser ihren Schwerpunkt auf zivile Figuren und später auf Kunststoffproduktion.
Der angegebene Zustand 2 entspricht in der Sammlerterminologie einem sehr guten Erhaltungszustand mit möglicherweise geringen Gebrauchsspuren, aber ohne größere Beschädigungen. Dies ist bei Elastolin-Figuren bemerkenswert, da das Material trotz seiner Elastizität anfällig für Abplatzungen der Farbschicht und Risse sein konnte, besonders nach Jahrzehnten der Lagerung.
Heute sind Elastolin-Figuren begehrte Sammlerobjekte, die sowohl militärhistorisches als auch spielzeuggeschichtliches Interesse wecken. Sie dokumentieren nicht nur die Uniformkunde ihrer Entstehungszeit, sondern auch die Fertigungstechniken und ästhetischen Vorstellungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Besonders Figurentypen wie der Tambour-Major sind aufgrund ihrer detailreichen Ausführung und ihrer besonderen Position innerhalb der militärischen Hierarchie bei Sammlern geschätzt.