Große Ordenschnalle eines Offiziers und Teilnehmers an den Feldzügen 1866 und 1870/71

Preußen Eisernes Kreuz 1870 2. Klasse, Fertigung von Godet, mit aufgelegter Jubiläumsspange von 1895, Kriegsdenkmünze 1870/1871 für Kämpfer mit 6 Gefechtsspangen "Gravelotte-St. Privat", "Metz", "Amiens", "An der Hallue", "Bapaume" und "St.Quentin" Kreuz für Kriegshilfsdienst 1914, Zentenarmedaille 1897. Dienstauszeichnung 1.Klasse für Soldaten nach 15 Dienstjahren.

500586
1.850,00

Große Ordenschnalle eines Offiziers und Teilnehmers an den Feldzügen 1866 und 1870/71

Diese bemerkenswerte Ordenschnalle dokumentiert die außergewöhnliche militärische Laufbahn eines preußischen Offiziers, der an den entscheidenden Einigungskriegen des 19. Jahrhunderts teilnahm und bis in die Zeit des Ersten Weltkriegs diente. Die Zusammenstellung der Auszeichnungen erlaubt einen detaillierten Einblick in die deutsche Militärgeschichte zwischen 1866 und 1914.

Das Eiserne Kreuz 2. Klasse von 1870 bildet das Herzstück dieser Schnalle. Diese Auszeichnung wurde am 19. Juli 1870 von König Wilhelm I. von Preußen gestiftet und während des Deutsch-Französischen Krieges verliehen. Die Fertigung durch Godet, einen der renommiertesten Berliner Juweliere und Hersteller militärischer Orden, unterstreicht die Qualität des Stücks. Besonders bemerkenswert ist die aufgelegte Jubiläumsspange von 1895, die zum 25. Jahrestag der Stiftung an alle noch lebenden Träger des Eisernen Kreuzes ausgegeben wurde. Diese Spange, die die Jahreszahlen “1870” und “1895” sowie “W” für Wilhelm zeigt, dokumentiert, dass der Träger ein Vierteljahrhundert nach dem Krieg noch am Leben war.

Die Kriegsdenkmünze 1870/1871 für Kämpfer mit sechs Gefechtsspangen ist von außerordentlicher Bedeutung. Diese Medaille wurde 1871 für alle Teilnehmer des Krieges gestiftet. Die sechs Spangen - Gravelotte-St. Privat, Metz, Amiens, An der Hallue, Bapaume und St. Quentin - dokumentieren die Teilnahme an wichtigen Schlachten und Belagerungen. Die Schlacht bei Gravelotte-St. Privat am 18. August 1870 war eine der blutigsten Schlachten des Krieges mit über 20.000 Toten und Verwundeten auf deutscher Seite. Die Belagerung von Metz führte zur Kapitulation der französischen Rheinarmee unter Marschall Bazaine. Die weiteren Spangen dokumentieren Kämpfe in Nordfrankreich, wobei besonders die Schlacht an der Hallue am 23.-24. Dezember 1870 und die Kämpfe um St. Quentin im Januar 1871 erwähnenswert sind.

Das Kreuz für Kriegshilfsdienst von 1914 ist eine bemerkenswerte Ergänzung. Es wurde am 17. Oktober 1914 gestiftet und an Personen verliehen, die aufgrund ihres Alters oder ihrer Dienststellung nicht mehr im Feld eingesetzt wurden, aber wichtige Dienste in der Heimat leisteten. Dies deutet darauf hin, dass der Träger beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs bereits in fortgeschrittenem Alter war - was angesichts seiner Teilnahme am Krieg von 1870/71 plausibel ist - aber dennoch aktiv zum Kriegseinsatz beitrug.

Die Zentenarmedaille 1897 wurde anlässlich des 100. Geburtstags Kaiser Wilhelms I. am 22. März 1897 gestiftet. Sie wurde an aktive und ehemalige Angehörige der preußischen Armee verliehen und zeigt das Porträt des ersten Deutschen Kaisers. Diese Medaille dokumentiert die fortdauernde Verbindung des Trägers mit dem Militär auch Jahrzehnte nach den Einigungskriegen.

Die Dienstauszeichnung 1. Klasse für 15 Dienstjahre nach preußischem Muster wurde durch Kabinettsorder vom 9. November 1825 gestiftet und mehrfach modifiziert. Sie dokumentiert eine lange und treue Dienstzeit. Interessanterweise fehlt in dieser Schnalle eine Auszeichnung für den Deutschen Krieg von 1866 gegen Österreich, obwohl der Titel des Objekts auf eine Teilnahme an den “Feldzügen 1866 und 1870/71” hinweist. Möglicherweise wurde für diesen Feldzug keine Auszeichnung getragen, oder die Schnalle wurde später zusammengestellt.

Ordenschnallen wie diese wurden auf der Uniform getragen und stellten eine komprimierte Darstellung der militärischen Karriere dar. Die Reihenfolge der Orden folgte strengen Rangordnungen, wobei das Eiserne Kreuz traditionell den höchsten Rang einnahm. Solche Schnallen waren besonders bei offiziellen Anlässen, Paraden und Veteranentreffen gebräuchlich.

Die Zusammenstellung dieser Auszeichnungen erzählt die Geschichte eines Offiziers, der vermutlich als junger Mann in den 1860er Jahren in die preußische Armee eintrat, an den entscheidenden Schlachten der Reichseinigung teilnahm und seine Dienstzeit bis in die Anfangsjahre des Ersten Weltkriegs fortsetzte. Seine aktive Kampfteilnahme an mindestens sechs bedeutenden Gefechten des Krieges 1870/71 zeugt von intensivem Fronteinsatz. Das Überleben bis 1914 und darüber hinaus, dokumentiert durch das Kreuz für Kriegshilfsdienst, macht ihn zu einem Zeitzeugen von fast einem halben Jahrhundert deutscher Militärgeschichte - von der Reichsgründung bis zur Katastrophe des Ersten Weltkriegs.