III. Reich - nichttragbare Erinnerungsplakette "Es gibt heute keine Inseln mehr"
Diese nichttragbare Erinnerungsplakette aus der Zeit des Dritten Reiches stellt ein bemerkenswertes Beispiel der nationalsozialistischen Propagandakunst dar. Mit einem Durchmesser von 51 mm und gefertigt aus dem renommierten Meißner Böttger-Steinzeug, zeigt die Medaille eine dramatische Darstellung von Stuka-Kampfflugzeugen im Anflug auf die Tower Bridge in London. Die Inschrift "Es gibt heute keine Inseln mehr“ verkörpert eine zentrale propagandistische Botschaft der deutschen Luftkriegsführung während des Zweiten Weltkriegs.
Die Herstellung solcher Erinnerungsplaketten in Meißner Steinzeug verbindet traditionelles deutsches Handwerk mit politischer Propaganda. Die Staatliche Porzellan-Manufaktur Meißen, bekannt für ihre jahrhundertealte Tradition seit 1710, wurde während der NS-Zeit auch für die Produktion propagandistischer Objekte herangezogen. Das Böttger-Steinzeug, benannt nach dem Alchemisten Johann Friedrich Böttger, zeichnet sich durch seine charakteristische dunkle Farbe und hohe Festigkeit aus.
Der Slogan "Es gibt heute keine Inseln mehr“ bezieht sich auf die strategische Doktrin der deutschen Luftwaffe, wonach die geographische Insellage Großbritanniens durch die moderne Luftkriegsführung ihre traditionelle Schutzfunktion verloren hatte. Diese Aussage war Teil der psychologischen Kriegsführung während der Luftschlacht um England (1940-1941) und der nachfolgenden Blitz-Kampagne gegen britische Städte.
Die Junkers Ju 87, volkstümlich als "Stuka“ (Sturzkampfflugzeug) bekannt, wurde zu einem ikonischen Symbol der deutschen Luftwaffe. Mit ihrer charakteristischen Silhouette und den gefürchteten Jericho-Trompeten - Sirenen, die beim Sturzflug einen durchdringenden Heulton erzeugten - war die Stuka ein Instrument sowohl der militärischen als auch der psychologischen Kriegsführung. Allerdings wurden Stukas aufgrund ihrer geringen Geschwindigkeit und mangelnden Wendigkeit während der Luftschlacht um England tatsächlich nur begrenzt gegen britische Ziele eingesetzt und erlitten hohe Verluste.
Die Darstellung der Tower Bridge als Angriffsziel ist hochsymbolisch. Als eines der bekanntesten Wahrzeichen Londons, erbaut zwischen 1886 und 1894, repräsentierte die Brücke das britische Empire und dessen maritime Macht. Die propagandistische Darstellung eines deutschen Angriffs auf dieses Symbol sollte die Reichweite und Schlagkraft der Luftwaffe demonstrieren.
Solche nichttragbaren Erinnerungsplaketten wurden während des Krieges in verschiedenen Kontexten verwendet. Sie dienten als Sammlerobjekte, Geschenke oder Verkaufsgegenstände zur Unterstützung von Kriegsanleihen und anderen Finanzierungskampagnen. Anders als tragbare Auszeichnungen oder Ehrenzeichen besaßen sie keinen offiziellen militärischen Status, sondern erfüllten primär propagandistische und kommemorative Funktionen.
Die Produktion solcher Objekte war Teil eines umfassenden Systems der NS-Propaganda, das alle Bereiche des kulturellen und künstlerischen Lebens durchdrang. Das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unter Joseph Goebbels koordinierte die Herstellung und Verbreitung propagandistischer Materialien, von Plakaten und Filmen bis hin zu Kunstgegenständen und Medaillen.
Die Verwendung hochwertiger Materialien und traditioneller Handwerkskunst sollte diesen Propagandaobjekten eine gewisse Wertigkeit und Dauerhaftigkeit verleihen. Meißner Steinzeug galt als besonders edel und beständig, was diese Objekte zu begehrten Sammlerstücken machen sollte, die die nationalsozialistische Botschaft über Generationen bewahren würden.
Aus heutiger Sicht sind solche Objekte wichtige historische Dokumente, die Einblick in die Propagandamaschinerie des NS-Regimes geben. Sie zeigen, wie militärische Ereignisse und Technologie instrumentalisiert wurden, um eine Atmosphäre der Unbesiegbarkeit zu schaffen, selbst als die realen militärischen Aussichten zunehmend ungünstiger wurden. Die Luftschlacht um England endete bekanntlich mit einem strategischen Sieg für Großbritannien, und die erhoffte Invasion der Insel fand nie statt.
Der Umgang mit solchen historischen Objekten erfordert heute Sensibilität und historisches Bewusstsein. Sie dienen als Mahnung und Lehrmaterial über die Mechanismen totalitärer Propaganda und die Instrumentalisierung von Kunst und Handwerk für politische Zwecke.