Luftwaffe Fliegerbluse und Soldbuch aus dem Besitz von Generalleutnant Kurt Mälzer

Soldbuch ausgestellt als Oberst am 01.09.1939 durch den Stab Luftflottenkommando 2, mit schönem Uniformfoto, Truppenteil : Stab Kampfgruppe 55, Luftzeuggruppe 4, Luftzeuggruppe Stab, Luftzeuggruppe 17, Luftzeugstab AOK10, Luftzeugkommando Rom, Kar... 514. Jetzt zuständiger Ersatztruppenteil : Fl.Ausb.Rgt.61, Fl.Ersat-Batll.IV, Fl.Ers.Batl.XVII. Auszeichnungen: Medaille zu Erinnerung an den 13.März 1938, Medaillen zur Erinnerung an den 1. Oktober 1938, Wiederholungsspange zum Eisernes Kreuz II. Klasse, Kriegsverdienstkreuz I.Klasse mit Schwertern, Verwundetenabzeichen in Silber. Erste Seite wurde neun eingeklebt, Seite 3 und 4 sind lose, innen wurden einige Seiten verstärkt, Zustand 3-
Dazu noch 1 Foto aus seiner Zeit vor dem Britischen Kriegstribunal.

Fliegerbluse als Eigentumstück, aus leichtem Stoff ( für den Sommer ), komplett mit allen Effekten. Tuch aus blauer Gabardine. Brustadler und Kragenspiegel in Metallfaden handgestickte Ausführung, umlaufende goldene Kordel, die Kragenspiegel maschinell vernäht. Schulterstücke zum Schlaufen, das Generalsgeflecht in Silber/Gold, auf weißer Tuchunterlage. Auf der Brust Schlaufen für eine grosse Ordensspange sowie für 4 Steckabzeichen. Innen mit grauem Seidenfutter, im Nacken mit Schneideretikett "Josef Andrysek Wien IV / 50", Innentasche mit Trägeretikett "Gen.Lt.K.Mählzer 12.12.1943". Armlänge 70 cm, Brustumfang 112 cm, Rückenlänge 77 cm, kleine Mottenschäden, Zustand 2

Mälzer trat 1914 noch vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs als Fahnenjunker in die Sächsische Armee ein. Im selben Jahr wurde ihm das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse verliehen. Außerdem absolvierte er während des Krieges eine Pilotenausbildung. Nach Kriegsende wurde er als Leutnant in die Reichswehr übernommen und diente zunächst als Zugführer der 4. Kraftfahr-Abteilung. 1923/24 absolvierte er eine Ausbildung an der Artillerieschule Jüterbog. 1925 zum Oberleutnant befördert, wurde er Batteriechef beim 4. Artillerie-Regiment. Zwischen 1928 und 1933 war er zum Studium an die Technische Hochschule Charlottenburg abgestellt, wo er 1933 den Abschluss eines Diplom-Ingenieurs erwarb. Anschließend wurde er zum Reichswehrministerium abgeordnet. 1934 wechselte Mälzer zu der im Neuaufbau befindlichen Luftwaffe. Er unterrichtete kurzzeitig an der Technischen Schule in Jüterbog und gehörte zu den ersten Ausbildern an der neuen Luftkriegsschule II in Berlin-Gatow. 1937 wurde er, inzwischen im Dienstgrad eines Oberstleutnants, Kommandant des Kampfgeschwaders 255 und des Luftwaffenstützpunktes Landsberg am Lech. Bei Beginn des Zweiten Weltkriegs war Mälzer zum Stab der Luftflotte 2 abgestellt. Während des Frankreichfeldzuges wurde Mälzer am 28. Mai 1940 Kommandant der Flugbereitschaft des Luftgaukommandos Belgien-Nordfrankreich in Brüssel. 1941 zum Generalmajor befördert, war er 1942/43 Abteilungsleiter im Reichsluftfahrtministerium und wurde im September 1943 Kommandant der Sanitäts-Flugbereitschaft 17 in Wien. Am 1. Oktober 1943 zum Generalleutnant befördert, wurde er zum 30. Oktober 1943 als Stadtkommandant nach Rom versetzt. Als solcher unterstand er Eberhard von Mackensen. In dieser Eigenschaft war er einer der Verantwortlichen für das Massaker in den Ardeatinischen Höhlen. Da Rom als offene Stadt galt, lag die Entscheidungsgewalt über Vergeltungsmaßnahmen nach Angriffen auf deutsche Soldaten bei den Kommandeuren der Wehrmacht, also bei Mälzer, Mackensen und Feldmarschall Albert Kesselring. Der Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD in Rom, Herbert Kappler, unterstand dabei Mälzer. Nach dem Attentat in der Via Rasella am 23. März 1944 auf das Polizeiregiment „Bozen“ befahl Mälzer, der von Mackensen bei anderer Gelegenheit auch als „wirrer Kopf“ bezeichnet wurde, bereits nach seinem Eintreffen am Tatort, das Häuserviertel in der Via Rasella in die Luft zu sprengen. Der Offizier, der diesen Befehl entgegennahm, untersagte die Sprengung jedoch im Namen von Feldmarschall Kesselring.[1] Gemeinsam mit Kappler und Kesselring beschloss Mälzer, angeblich zur Ausführung eines Führerbefehls, die Erschießung von jeweils zehn Geiseln für jeden getöteten Deutschen. Insgesamt wurden am 24. März 1944 335 italienische Zivilisten, darunter 75 jüdische Geiseln, getötet. Mälzer wurde wegen dieses Kriegsverbrechens gemeinsam mit Mackensen im November 1946 vor einem britischen Militärgericht in Italien angeklagt und zum Tode verurteilt. Bereits im September 1946 hatte ein amerikanisches Militärgericht Mälzer wegen der öffentlichen Zurschaustellung von Kriegsgefangenen während einer Parade in Rom am 2. Februar 1944 zu zehn Jahren Haft verurteilt, eine Strafe, die auf drei Jahre reduziert wurde. Am 29. Juni 1947 wurden Mälzer und Mackensen zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt. Die Briten begründeten dies damit, dass Kesselring vor einem italienischen Gericht nicht zum Tode verurteilt worden wäre. Mackensen und Mälzer verbüßten ihre Strafe seit 1947 in der Strafanstalt Werl. Während Mackensen im Oktober 1952 freigelassen wurde, starb Mälzer noch im Gefängnis. Sein Begräbnis wurde vom Verband deutscher Soldaten zu einer Solidaritätskundgebung umfunktioniert, der sich auch das Deutsche Rote Kreuz, der Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, die FDP und Die Falken anschlossen.
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Die Fliegerbluse und das Soldbuch von Generalleutnant Kurt Mälzer – Relikte eines belasteten Kommandanten

Dieses Ensemble aus einer Luftwaffe-Fliegerbluse und einem Soldbuch gehörte Generalleutnant Kurt Mälzer (2. August 1894 – 24. März 1952), einem hohen Luftwaffenoffizier, der als Stadtkommandant von Rom in eines der bekanntesten Kriegsverbrechen des Zweiten Weltkriegs verwickelt war. Die beiden Objekte dokumentieren sowohl die militärische Laufbahn eines Generals als auch die materiellen Spuren einer Epoche, die in Verwaltung und Vernichtung gleichermaßen bürokratisch organisiert war.

Das Soldbuch – Dienstausweis und Karrierespiegel

Das Soldbuch wurde am 1. September 1939 – dem Tag des deutschen Überfalls auf Polen – durch den Stab Luftflottenkommando 2 auf den damaligen Oberst Kurt Mälzer ausgestellt. Es diente als kombiniertes Soldbuch und Personalausweis, ein Dokument, das jeder deutsche Soldat und Offizier jederzeit in der Uniformtasche zu tragen hatte. Das kleine, robuste Büchlein mit Ledereinband enthält ein Uniformfoto des Inhabers sowie Eintragungen zu seinen Truppenteilen, darunter Stab Kampfgruppe 55, Luftzeuggruppe 4, Luftzeuggruppe Stab, Luftzeuggruppe 17, Luftzeugstab AOK10 und Luftzeugkommando Rom. Die verzeichneten Auszeichnungen umfassen die Medaille zur Erinnerung an den 13. März 1938 (Anschluss Österreichs), die Medaille zur Erinnerung an den 1. Oktober 1938 (Annexion des Sudetenlandes), die Wiederholungsspange zum Eisernen Kreuz II. Klasse, das Kriegsverdienstkreuz I. Klasse mit Schwertern sowie das Verwundetenabzeichen in Silber.

Das Soldbuch zeigt deutliche Gebrauchsspuren: Die erste Seite wurde neu eingeklebt, die Seiten 3 und 4 sind lose, und mehrere Innenseiten wurden verstärkt – Zeichen eines Dokuments, das über Jahre hinweg tatsächlich im Feldeinsatz mitgeführt wurde.

Die Fliegerbluse – Maßanfertigung für einen General

Die Fliegerbluse ist ein privat in Auftrag gegebenes Eigentumsstück aus leichter blauer Gabardine, gefertigt für den Einsatz in südlichen Klimazonen – insbesondere während Mälzers Dienstzeit in Rom ab Oktober 1943. Sie wurde vom Wiener Schneider Josef Andrysek (Wien IV) angefertigt und trägt im Nacken das entsprechende Schneideretikett. In der Innentasche befindet sich das Trägeretikett mit der Aufschrift “Gen.Lt.K.Mählzer 12.12.1943”.

Die Bluse zeigt die typischen Merkmale einer Generalsuniform der Luftwaffe: Der Brustadler und die Kragenspiegel sind in Metallfaden handgestickt, die goldene Kordel (Generalsgeflecht) läuft umlaufend am Kragen, und die Schulterstücke mit Silber/Gold-Geflecht auf weißer Tuchunterlage sind als Schlaufenschulterstücke ausgeführt. Auf der Brust befinden sich Schlaufen für eine große Ordensspange sowie für vier Steckabzeichen. Das Innenfutter besteht aus grauem Seidenstoff. Die Fliegerbluse, ursprünglich für die beengten Verhältnisse in Flugzeugen konzipiert, hatte sich bis Kriegsmitte als Standard-Dienstkleidung in allen Zweigen der Luftwaffe etabliert.

Die militärische Karriere Kurt Mälzers

Kurt Mälzer trat 1914 als Fahnenjunker in die Armee ein und erhielt noch im selben Jahr beide Klassen des Eisernen Kreuzes. Während des Ersten Weltkriegs absolvierte er eine Pilotenausbildung. Nach Kriegsende verblieb er als Leutnant in der Reichswehr, diente als Zugführer der 4. Kraftfahr-Abteilung und absolvierte 1923/24 eine Ausbildung an der Artillerieschule Jüterbog. 1925 zum Oberleutnant befördert, übernahm er eine Position als Batteriechef beim 4. Artillerie-Regiment. Zwischen 1928 und 1933 studierte er an der Technischen Hochschule Charlottenburg, wo er 1933 den Abschluss als Diplom-Ingenieur erwarb.

1934 wechselte Mälzer zur im Aufbau befindlichen Luftwaffe. Er unterrichtete an der Technischen Schule in Jüterbog und gehörte zu den ersten Ausbildern an der neuen Luftkriegsschule II in Berlin-Gatow. 1937, mittlerweile Oberstleutnant, wurde er Kommandant des Kampfgeschwaders 255 und des Luftwaffenstützpunktes Landsberg am Lech. Bei Kriegsbeginn war er dem Stab der Luftflotte 2 zugeteilt. Während des Frankreichfeldzugs übernahm er am 28. Mai 1940 das Kommando über die Flugbereitschaft des Luftgaukommandos Belgien-Nordfrankreich in Brüssel. 1941 zum Generalmajor befördert, war er 1942/43 Abteilungsleiter im Reichsluftfahrtministerium. Am 1. Oktober 1943 zum Generalleutnant befördert, wurde er am 30. Oktober 1943 als Stadtkommandant von Rom eingesetzt, unterstellt dem Generalobersten Eberhard von Mackensen und Feldmarschall Albert Kesselring.

Das Massaker in den Ardeatinischen Höhlen

In seiner Eigenschaft als Stadtkommandant war Mälzer direkt verantwortlich für das Massaker in den Ardeatinischen Höhlen am 24. März 1944. Nach einem Partisanenangriff in der Via Rasella am 23. März 1944, bei dem 32 deutsche SS-Polizisten getötet wurden, ordnete Mälzer eine Vergeltung im Verhältnis 10:1 an. Insgesamt wurden 335 italienische Zivilisten, politische Gefangene und Juden erschossen. Mälzer hatte unmittelbar nach seinem Eintreffen am Tatort zunächst befohlen, das gesamte Häuserviertel der Via Rasella zu sprengen – ein Befehl, der jedoch von einem untergeordneten Offizier im Namen Kesselrings unterbunden wurde.

Prozesse und Verurteilung

Nach der Befreiung Roms im Juni 1944 wurde Mälzer gefasst und vor alliierte Militärgerichte gestellt. Im September 1946 verurteilte ihn eine amerikanische Militärkommission in Florenz zu zehn Jahren Haft (später auf drei Jahre reduziert) wegen der öffentlichen Zurschaustellung alliierter Kriegsgefangener während einer Parade in Rom am 2. Februar 1944, ein Verstoß gegen die Genfer Konvention. Am 30. November 1946 verurteilte ein britisches Militärgericht in Rom sowohl Mälzer als auch Mackensen zum Tode für das Massaker in den Ardeatinischen Höhlen. Am 29. Juni 1947 wurden beide Todesurteile in lebenslängliches Zuchthaus umgewandelt. Die Briten begründeten die Begnadigung damit, dass auch Kesselrings Urteil herabgesetzt worden war.

Mälzer verbüßte seine Strafe in der Strafanstalt Werl, wo er am 24. März 1952 verstarb – am achten Jahrestag des Massakers. Während Mackensen im Oktober 1952 freigelassen wurde, erlebte Mälzer seine Entlassung nicht mehr. Sein Begräbnis auf dem Parkfriedhof Werl wurde vom Verband deutscher Soldaten zu einer Solidaritätskundgebung umfunktioniert, an der sich über 1.000 Trauergäste beteiligten, darunter Vertreter des Deutschen Roten Kreuzes, des Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, der FDP und der Falken. Die Stätte des Massakers in den Ardeatinischen Höhlen wurde bereits 1949 zur nationalen Gedenkstätte und zum Mausoleum erklärt.

Diese beiden Objekte – das Soldbuch eines Obersten vom ersten Kriegstag und die Generalsbluse aus dem Winter 1943 – sind stumme Zeugen einer Karriere, die von technischer Kompetenz über Verwaltungsaufgaben bis hin zu einem der schwersten Kriegsverbrechen auf italienischem Boden führte. Für den Sammler sind sie Dokumente von außerordentlicher historischer Dichte und Provenienz.

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