Luftwaffe - Libellenoktant mit Mittlungseinrichtung für Flugzeugbesatzungen

Mit Netzanschluss und im original Kasten. Auf dem Gerät seitlich aufgenietete Aluminiumplatte: "Libell-Oktant mit Mittlungseinrichtung, Bauart: C. Plath - De Te We, Gerät-Nr. 127-134 B-1, Werk-Nr. 203582, Anforderungsz. Fl. 23750, Hersteller De Te We". Innen im Deckel des Kasten mit eingenieteter Platte mit kurzer Bedienungsanweisung, der Holzkasten außen LW-grau lackiert, seitlich "Gerät Nr: 127-134 B". Zustand 2+.
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950,00

Luftwaffe - Libellenoktant mit Mittlungseinrichtung für Flugzeugbesatzungen

Der Libellen-Oktant mit Mittelungseinrichtung gehörte zu den wichtigsten Navigationsinstrumenten der deutschen Luftwaffe während des Zweiten Weltkriegs. Dieses präzise optische Messinstrument wurde von den Flugzeugbesatzungen zur Positionsbestimmung durch astronomische Navigation eingesetzt, insbesondere bei Langstreckenflügen über dem Meer oder in Gebieten ohne sichtbare Orientierungspunkte.

Die hier vorliegende Ausführung trägt die Gerätenummer 127-134 B-1 und wurde von der Firma De Te We (Deutsche Telephonwerke) hergestellt, basierend auf dem bewährten Konstruktionsprinzip der renommierten Hamburger Firma C. Plath. Carl Plath hatte sich bereits seit dem späten 19. Jahrhundert einen Namen als führender Hersteller nautischer Präzisionsinstrumente gemacht. Mit dem Aufkommen der militärischen Luftfahrt adaptierte das Unternehmen seine maritimen Navigationsinstrumente für den Einsatz in Flugzeugen.

Der Begriff “Oktant” bezeichnet ein Winkelmessinstrument, das einem Sextanten ähnlich ist, jedoch nur einen Winkelbereich von 90 Grad (ein Achtel eines Kreises) abdeckt. Das charakteristische Merkmal dieses Luftfahrt-Oktanten ist die eingebaute Libelle – eine Wasserwaage mit einer Luftblase in einer gekrümmten Glasröhre –, die es dem Navigator ermöglichte, auch ohne sichtbaren Horizont präzise Winkelmessungen durchzuführen. Dies war besonders wichtig bei Nachtflügen oder bei Flügen über Wolken.

Die Mittelungseinrichtung war eine technische Verbesserung, die es erlaubte, mehrere Messungen automatisch zu mitteln und so Messfehler durch Flugzeugvibrationen und Turbulenzen zu minimieren. Diese Funktion war entscheidend, da die Bedingungen in einem Flugzeug deutlich schwieriger waren als auf einem Schiff, wo Trägheit und Masse für eine gewisse Stabilität sorgten.

Das Gerät wurde mit Netzanschluss ausgestattet, was auf eine elektrische Beleuchtungseinrichtung hindeutet. Dies war für Nachtflüge unerlässlich, da der Navigator die feinen Skalen und das Fadenkreuz des Instruments ablesen musste. Die Bordspannung der Luftwaffe-Flugzeuge betrug standardmäßig 24 Volt Gleichstrom.

Die Anforderungszeichen Fl. 23750 (Flieger-Nummer) war Teil des systematischen Beschaffungs- und Verwaltungssystems der Luftwaffe. Jedes Ausrüstungsteil erhielt eine eindeutige Kennzeichnung, die Bestellung, Wartung und Ersatzteilversorgung ermöglichte. Dieses System wurde mit großer Präzision geführt und spiegelt die hohe organisatorische Komplexität der deutschen Luftstreitkräfte wider.

Der Holzkasten in Luftwaffen-Grau diente nicht nur dem Schutz des empfindlichen optischen Instruments, sondern enthielt auch eine eingenietet Platte mit einer Kurzanleitung im Deckel. Dies ermöglichte es auch weniger erfahrenen Besatzungsmitgliedern, das Gerät im Notfall zu bedienen. Die Konstruktion des Kastens mit seiner robusten Holzbauweise bot Schutz vor Stößen, Feuchtigkeit und den extremen Temperaturschwankungen, denen Flugzeuge in großen Höhen ausgesetzt waren.

Während des Krieges wurden solche Präzisionsinstrumente in verschiedenen Flugzeugtypen eingesetzt, insbesondere in Langstreckenbombern wie der Heinkel He 177, der Focke-Wulf Fw 200 Condor und der Junkers Ju 290, sowie in Seeaufklärungsflugzeugen und U-Boot-Jägern. Die astronomische Navigation war für Aufklärungsmissionen über dem Atlantik, für Transporte nach Nordafrika und für Langstreckeneinsätze im Mittelmeerraum von entscheidender Bedeutung.

Die Zusammenarbeit zwischen C. Plath als Konstrukteur und De Te We als Produzent war typisch für die deutsche Rüstungsindustrie, wo spezialisierte Entwicklungsunternehmen mit größeren Produktionsbetrieben kooperierten, um die benötigten Stückzahlen zu erreichen. De Te We, ursprünglich ein Hersteller von Fernmeldetechnik, wurde wie viele Unternehmen in die Rüstungsproduktion eingebunden.

Nach Kriegsende wurden viele dieser Instrumente von den Alliierten beschlagnahmt und studiert. Die Qualität der deutschen Präzisionsoptik war weltweit anerkannt, und einige dieser Instrumente fanden ihren Weg in Museen und Sammlungen, wo sie als Zeugnisse der technischen Entwicklung der Luftfahrtnavigation bewahrt werden.

Heute stellen solche Instrumente wichtige technikhistorische Dokumente dar, die die Übergangsphase von der rein manuellen zur elektronischen Navigation dokumentieren. Mit der Einführung von Funknavigationsverfahren wie dem Lorenz-System und später Radar verloren optische Navigationsinstrumente an Bedeutung, blieben aber bis in die Nachkriegszeit als Backup-Systeme in Gebrauch.

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