NSDAP - Weihefeier des Hauses der Deutschen Erziehung und 2. Reichstagung des NSLB in Bayreuth vom 11.-13.7.1936 - Wohnungskarte und Verpflegungskarte

für einen Mann aus Harbach im Gau Hessen-Nassau, bei der Wohnungskarte sind noch 2 Gutscheine für Frühkaffee anhängend; gebrauchter Zustand.
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NSDAP - Weihefeier des Hauses der Deutschen Erziehung und 2. Reichstagung des NSLB in Bayreuth vom 11.-13.7.1936 - Wohnungskarte und Verpflegungskarte

Die vorliegenden Dokumente – eine Wohnungskarte und eine Verpflegungskarte – stammen von der Weihefeier des Hauses der Deutschen Erziehung und der 2. Reichstagung des NSLB (Nationalsozialistischer Lehrerbund), die vom 11. bis 13. Juli 1936 in Bayreuth stattfand. Diese Karten wurden für einen Teilnehmer aus Harbach im Gau Hessen-Nassau ausgestellt und dokumentieren die logistischen Arrangements für die Teilnehmer dieser bedeutenden nationalsozialistischen Veranstaltung.

Der Nationalsozialistische Lehrerbund (NSLB) wurde 1929 gegründet und entwickelte sich nach der Machtübernahme 1933 zur größten Lehrerorganisation im Deutschen Reich. Unter der Leitung von Hans Schemm, der gleichzeitig bayerischer Kultusminister war, wuchs die Organisation bis 1937 auf über 320.000 Mitglieder an – nahezu die gesamte deutsche Lehrerschaft. Der NSLB diente als Instrument zur ideologischen Gleichschaltung des Bildungswesens und zur Verbreitung nationalsozialistischer Erziehungsprinzipien.

Das Haus der Deutschen Erziehung in Bayreuth wurde als zentrale Schulungsstätte des NSLB konzipiert. Hans Schemm, ein begeisterter Wagnerianer und gebürtiger Bayreuther, wählte bewusst seine Heimatstadt als Standort für dieses ideologische Zentrum. Die Weihefeier im Juli 1936 markierte einen Höhepunkt in der Institutionalisierung der nationalsozialistischen Pädagogik. Die Verbindung zu Bayreuth war programmatisch: Die Stadt Richard Wagners sollte nicht nur als kulturelles, sondern auch als erzieherisches Zentrum des “Dritten Reiches” etabliert werden.

Die Reichstagungen des NSLB waren Großveranstaltungen, die der ideologischen Schulung, der Demonstration von Macht und Einheit sowie der Vernetzung der Lehrerschaft dienten. Die zweite Reichstagung 1936 fand in einem politisch bedeutsamen Jahr statt: Die Olympischen Spiele in Berlin sollten wenige Wochen später das NS-Regime international präsentieren, und die Remilitarisierung des Rheinlandes im März hatte Deutschlands außenpolitische Position gestärkt.

Die vorliegenden Karten illustrieren die organisatorische Durchdringung solcher Veranstaltungen. Die Wohnungskarte wies dem Teilnehmer eine Unterkunft zu – vermutlich in einer Privatwohnung oder einem öffentlichen Gebäude, da Hotels die Massen an Besuchern nicht hätten aufnehmen können. Die noch anhängenden Gutscheine für Frühkaffee zeigen die detaillierte Planung der Verpflegung. Die separate Verpflegungskarte regelte die weiteren Mahlzeiten während der dreitägigen Veranstaltung.

Der Teilnehmer aus Harbach im Gau Hessen-Nassau repräsentiert die reichsweite Mobilisierung der Lehrerschaft. Harbach, eine kleine Gemeinde im heutigen Hessen, lag im Verwaltungsbereich des Gaues Hessen-Nassau, einer der NSDAP-Verwaltungseinheiten. Die Teilnahme an solchen Veranstaltungen war für Lehrer faktisch verpflichtend und diente der Kontrolle und ideologischen Ausrichtung.

Diese scheinbar banalen Verwaltungsdokumente sind historische Zeugnisse der nationalsozialistischen Durchdringung des Alltags. Sie dokumentieren:

  • Die Massenmobilisierung für ideologische Veranstaltungen
  • Die logistische Leistungsfähigkeit der NS-Organisationen
  • Die Kontrolle über das Bildungswesen durch den NSLB
  • Die Teilnahmepflicht und soziale Kontrolle in der NS-Gesellschaft

Der gebrauchte Zustand der Karten bestätigt ihre tatsächliche Verwendung. Die eingelösten oder fehlenden Gutscheine würden zeigen, welche Verpflegungsleistungen der Teilnehmer in Anspruch nahm. Solche Dokumente wurden normalerweise nicht aufbewahrt, was ihre Überlieferung besonders macht.

Nach dem Tod Hans Schemms 1935 bei einem Flugzeugabsturz verlor der NSLB an Bedeutung, blieb aber bis 1943 aktiv. Das Haus der Deutschen Erziehung in Bayreuth wurde im Krieg beschädigt und später für andere Zwecke genutzt. Heute erinnern nur noch wenige bauliche Reste und Archivdokumente an diese Institution.

Für die historische Forschung sind solche Alltagsdokumente von unschätzbarem Wert. Sie ergänzen offizielle Akten und Propagandamaterial durch konkrete Einblicke in die praktische Organisation und die Teilnahmeerfahrung gewöhnlicher Menschen im NS-System.