Österreich 1. Weltkrieg Stahlhelm M 1917

Um 1917/18. Die originale braun-olive Lackierung zu ca. 80% erhalten, innen mit Blechring, gestempelt «66», daran Rest des dreiteiligen Futters. Reste des originalen zweiteiligen Leder-Kinnriemen vorhanden, seitlich gestempelt «66», in der Glocke «B». Vorne der Helm mit den Resten eines kleinen fünfzackigen „roten Sterns“. Zustand 2-3.
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1.250,00

Der österreichisch-ungarische Stahlhelm M1917 – Ein Zeugnis des industriellen Krieges

Der vorliegende Stahlhelm M1917 gehört zu den markantesten Ausrüstungsgegenständen der k.u.k. Streitkräfte im Ersten Weltkrieg und stellt für den militärhistorisch interessierten Sammler ein bedeutendes Dokument der industriellen Kriegsführung dar. In seiner Gestalt verbindet sich die Geschichte der Doppelmonarchie mit den technologischen Anforderungen des modernen Stellungskrieges.

Entstehungsgeschichte und Kontext

Die Einführung des Stahlhelms war eine direkte Antwort auf die verheerenden Kopfverletzungen, die der Stellungskrieg mit sich brachte. Das Deutsche Heer begann bereits 1916, den gekochten Leder-Pickelhaube durch den Stahlhelm zu ersetzen. Die Mittelmächte Österreich-Ungarns übernahmen, fertigten und beauftragten in der Folge Varianten des deutschen Stahlhelm M16-Designs. Obwohl der österreichische Helm die allgemeine Silhouette und die ballistischen Grundprinzipien des deutschen M16 teilte, war er eine eigenständige Anpassung, die auf die spezifischen logistischen und materiellen Gegebenheiten der Doppelmonarchie zugeschnitten wurde.

Zwischen November 1916 und dem Ende des Konflikts erwarb Österreich-Ungarn zunächst etwa 416.000 Helme direkt aus Deutschland. Parallel dazu wurde ab Mai 1917 die eigene Fertigung aufgenommen. Bis Kriegsende wurden insgesamt 534.013 Exemplare des M17 Normalhelm (nach deutschem Muster) produziert, wobei die Mehrzahl im Krupp-Werk in Berndorf in Niederösterreich hergestellt wurde. Insgesamt wurden während des Krieges über eine Million Stahlhelme aller in- und ausländischen Varianten an die Truppen ausgegeben.

Produktion und Hersteller

Es sind nur neun Fabriken bekannt, die während des Ersten Weltkriegs Helme für die k.u.k. Streitkräfte fertigten. Zu den identifizierten Herstellern zählen A. Westen Cilli (Celje, Slowenien), Brüder Gottlieb u. Brauchbar (Brünn), C.A. Scholtz (Mateócz) und die Berndorfer Metall-Warenfabrik (Berndorf, Österreich). Die Berndorfer Metallwarenfabrik allein steuerte 141.264 Einheiten des M17 Nationalmusters und 195.307 Einheiten des M18 “Ungarischen” Modells bei.

Modellvarianten

Die Klassifikation der österreichisch-ungarischen Stahlhelme umfasste mehrere Varianten. Der M17 Normalhelm folgte dem deutschen Muster und wurde in den Größen 64, 66 und 68 produziert. Das M17 Nationalmuster, auch als Berndorfer Modell bekannt, wurde ausschließlich in Größe 66 hergestellt. Hinzu kamen die Variante M17/18 (mit dem Spitznamen “Paperino”) sowie das M18 “Ungarische” Modell, das in Größe 64 gefertigt wurde.

Konstruktionsmerkmale

Der österreichische M1917 ähnelte dem deutschen M1916, wies jedoch einige Unterschiede auf, darunter den Kinnriemen, die höher an der Stahlglocke angebrachten Kinnriemennieten sowie Abweichungen bei der Platzierung der Markierungen. Charakteristisch waren die hochgewölbte Glocke, das steile Visier und ein verlängerter Nackenschutz, der umfassenden Schutz bieten sollte. Die Blechstärke betrug im Durchschnitt etwas über 1,15 mm über alle Produktionsstätten hinweg, wobei das Glockengewicht durchweg über 1.100 Gramm lag und nie unter 1.200 Gramm fiel.

Frühe österreichische Helme wurden in “Isonzo Braun” lackiert. Der hier beschriebene Helm bewahrt etwa 80 Prozent seiner originalen braun-oliven Lackierung. Im Gegensatz zu den deutschen Helmen findet man auf österreichischen Musterhelmen häufig keine Fabrikstempel und Heizenummern. Walzwerk-Domstempel (Heizlosnummern) befanden sich auf der Außenseite der oberen Glocke jedes österreichischen M17-Helms aus dem Ersten Weltkrieg.

Zum vorliegenden Exemplar

Das beschriebene Stück trägt die Größenstempelung “66” am Blechring und seitlich, sowie den Stempel “B” in der Glocke. Es verfügt über Reste des dreiteiligen Futters und des originalen zweiteiligen Leder-Kinnriemens. Die Helmglocke zeigt zudem Reste eines kleinen fünfzackigen Sterns auf der Vorderseite.

Nachkriegsverwendung

Die Geschichte der österreichisch-ungarischen Stahlhelme endete nicht mit dem Waffenstillstand von 1918. Diese Helme aus dem Ersten Weltkrieg wurden im neuen österreichischen Militär weiterverwendet. Viele Exemplare wurden mit einem überarbeiteten Innenfutter nach Modell 1917 versehen und anschließend von der österreichischen Polizei genutzt. Andere Helme wurden an die finnische Armee verkauft und von den Finnen durch den Zweiten Weltkrieg, den Winterkrieg und den Fortsetzungskrieg bis in die 1960er Jahre verwendet, als sie aus dem aktiven Dienst genommen und in militärische Lager überführt wurden. Auch Bulgarien nutzte ehemalige deutsche und österreichische Helme aus dem Ersten Weltkrieg, und es ist nicht ungewöhnlich, letztere mit kommunistischen Sternen auf der Vorderseite zu finden, was darauf hindeutet, dass diese Helme noch lange im Dienst blieben.

Für den Sammler stellt dieser Stahlhelm M1917 ein greifbares Stück der wechselvollen Geschichte Mitteleuropas dar – von den Schützengräben des Ersten Weltkriegs über die Umbrüche der Nachkriegszeit bis hin zu den ideologischen Konflikten des 20. Jahrhunderts.

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