Reichsmarine langer dunkelblauer Mantel aus dem Besitz von Kapitän zur See Lutter

Um 1920/25. Es handelt sich hierbei um einen alten Mantel der Kaiserlichen Marine, der in der Reichsmarine weitergetragen wurde. Eleganter dunkelblauer Mantel in feiner Fertigungsqualität. Komplett mit doppelter Knopfreihe mit feuervergoldeten Marineknöpfen. Komplett mit eingenähten Schulterstücken, diese noch aus der Kaiserlichen Marine, in der linken Hüfttasche mit eingenähtem Gehänge für den Offiziersdolch. An der Knopfleiste mit eingenähtem Band zum Eisernen Kreuz 1914 2. Klasse. Innen mit grauem Seidenfutter, hinten im Nacken mit gewebtem Trägeretikett "Lutter". Der Mantel ist getragen, in schönem Zustand.

Kapitän zur See Max Lutter, geboren 28.6.1872, im 1. Weltkrieg auf S.M.S. "Blücher,", 1.14 1. Offizier S.M.S. "Amazone", 1917 Kommandant S.M.S. "Preußen", danach auf Schlachtschiff "Zähringen", zuletzt 1918 Kommandant auf S.M.S. "König Wilhelm" bis Kriegsende. Anbei die Fotokopie aus der Ehrenrangliste der Kaiserlichen Marine 1914-18.



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Reichsmarine langer dunkelblauer Mantel aus dem Besitz von Kapitän zur See Lutter

Der vorliegende dunkelblaue Mantel aus der Zeit um 1920/25 repräsentiert eine faszinierende Übergangsperiode in der deutschen Marinegeschichte. Als Kleidungsstück eines Kapitäns zur See dokumentiert er den Wandel von der Kaiserlichen Marine zur Reichsmarine nach dem Ersten Weltkrieg.

Die Kaiserliche Marine, gegründet 1871 und unter Kaiser Wilhelm II. massiv ausgebaut, stellte bis 1918 die Seestreitkräfte des Deutschen Kaiserreichs dar. Nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg und den Bestimmungen des Versailler Vertrags von 1919 wurde sie aufgelöst und durch die deutlich verkleinerte Reichsmarine ersetzt. Der Versailler Vertrag beschränkte die deutsche Marine drastisch: maximal 15.000 Mann Personal, keine U-Boote, keine schweren Schlachtschiffe über 10.000 Tonnen.

In dieser Übergangszeit war es üblich, dass Offiziere ihre Uniformstücke aus der Kaiserzeit weitertrugen, da die neue Republik unter erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten litt und die Beschaffung neuer Uniformen kostspielig war. Der vorliegende Mantel zeigt genau diese Praxis: Ein ursprünglich kaiserlicher Mantel wurde in der Reichsmarine weiterverwendet, erkennbar an den noch vorhandenen Schulterstücken aus der Kaiserzeit.

Die dunkelblaue Farbe war traditionell die Kennfarbe der deutschen Marine seit ihrer Gründung. Der doppelreihige Schnitt mit feuervergoldeten Marineknöpfen entsprach der Offiziersuniform für höhere Dienstgrade. Die eingenähten Schulterstücke dienten der Rangkennzeichnung - ein Kapitän zur See trug vier mittlere goldene Ärmelstreifen oder entsprechende Rangabzeichen auf den Schulterstücken.

Besonders bemerkenswert ist das eingenähte Gehänge für den Offiziersdolch in der linken Hüfttasche. Der Marinedolch war integraler Bestandteil der Offiziersausrüstung und wurde zu besonderen Anlässen und Paraden getragen. Das Band zum Eisernen Kreuz 2. Klasse von 1914 an der Knopfleiste zeigt, dass der Träger diese Auszeichnung im Ersten Weltkrieg erhalten hatte. Das Eiserne Kreuz wurde am 5. August 1914 von Kaiser Wilhelm II. erneut gestiftet und war eine der häufigsten Tapferkeitsauszeichnungen.

Kapitän zur See Max Lutter, geboren am 28. Juni 1872, hatte eine bemerkenswerte Karriere in der Kaiserlichen Marine. Seine Dienstzeit umfasste einige der bedeutendsten Schiffe der deutschen Flotte. Die S.M.S. Blücher, auf der er diente, war ein Großer Kreuzer, der in der Schlacht am Doggerbank am 24. Januar 1915 versenkt wurde - eines der ersten großen Seegefechte des Ersten Weltkriegs.

1914 diente Lutter als 1. Offizier auf der S.M.S. Amazone, einem Kleinen Kreuzer der Gazelle-Klasse. 1917 übernahm er das Kommando der S.M.S. Preußen, eines Linienschiffs der Braunschweig-Klasse. Später kommandierte er die S.M.S. Zähringen, ebenfalls ein Linienschiff, und schließlich bis Kriegsende die S.M.S. König Wilhelm, ein älteres Küstenpanzerschiff, das im Ersten Weltkrieg hauptsächlich zu Ausbildungszwecken verwendet wurde.

Die Karriere Lutters spiegelt typische Offizierslaufbahnen der Kaiserlichen Marine wider: der Aufstieg vom Offizier zum Kommandanten verschiedener Schiffsklassen, wobei besonders die Position als Schiffskommandant das Vertrauen der Admiralität dokumentierte.

Das graue Seidenfutter war typisch für hochwertige Offiziersgarderobe dieser Zeit. Seide war ein Zeichen für Qualität und entsprach dem Status eines hochrangigen Seeoffiziers. Das gewebte Trägeretikett mit dem Namen "Lutter" war eine übliche Praxis zur Kennzeichnung persönlicher Ausrüstungsgegenstände, besonders wichtig in der militärischen Umgebung, wo Verwechslungen vermieden werden mussten.

Die Reichsmarine existierte von 1919 bis 1935, als sie in die Kriegsmarine des Dritten Reiches umgewandelt wurde. In diesen Jahren bemühte sich die Marine, trotz der drastischen Einschränkungen des Versailler Vertrags, ihre Traditionen und ihr professionelles Ethos zu bewahren. Das Weitertragen alter Uniformstücke war dabei nicht nur eine wirtschaftliche Notwendigkeit, sondern auch ein Symbol der Kontinuität.

Solche Uniformstücke sind heute wertvolle historische Dokumente. Sie erzählen nicht nur von militärischer Hierarchie und Tradition, sondern auch von persönlichen Karrieren, von den Umbrüchen deutscher Geschichte und von der materiellen Kultur des frühen 20. Jahrhunderts. Der Mantel verbindet die Kaiserzeit mit der Weimarer Republik und steht symbolisch für die Offiziere, die beide Epochen durchlebten.