Adolf Hitler - MIN KAMP I (Mein Kampf norwegisch),
Mein Kampf – Adolf Hitlers politisches Manifest – gehört zu den folgenreichsten und zugleich verhängnisvollsten Publikationen des 20. Jahrhunderts. Das vorliegende Exemplar stellt eine norwegische Übersetzung aus dem Jahr 1941 dar, erschienen unter dem Titel “Min Kamp I” im Verlag J. M. Stenersens Forlag in Oslo. Diese Ausgabe ist der erste Band der zweibändigen norwegischen Version und entstand unter den besonderen Umständen der deutschen Besatzung Norwegens.
Das Originalwerk entstand zwischen 1924 und 1925, als Hitler nach dem gescheiterten Hitlerputsch vom 9. November 1923 in der Festung Landsberg inhaftiert war. Der erste Band wurde 1925, der zweite 1926 veröffentlicht. In “Mein Kampf” legte Hitler seine ideologischen Grundsätze dar: seinen radikalen Antisemitismus, seine Rassentheorie, seine Vorstellungen von “Lebensraum im Osten” und seine Ablehnung der demokratischen Ordnung. Das Werk war eine Mischung aus Autobiografie, politischem Programm und ideologischer Abhandlung.
Die Verbreitung von “Mein Kampf” nahm nach Hitlers Machtübernahme 1933 drastisch zu. Das Buch wurde zum quasi-offiziellen Werk des nationalsozialistischen Regimes, und es gab erheblichen gesellschaftlichen Druck, es zu besitzen. Bis 1945 wurden etwa 12,5 Millionen Exemplare in Deutschland gedruckt. Städte und Gemeinden verschenkten es häufig an frisch verheiratete Paare, und es wurde zu einem erwarteten Geschenk bei verschiedenen Anlässen.
Die Übersetzung und Verbreitung von “Mein Kampf” in andere Sprachen war Teil der nationalsozialistischen Propagandastrategie. In den 1930er Jahren erschienen Übersetzungen in verschiedenen europäischen Sprachen, wobei einige Versionen – insbesondere für ausländische Märkte – gekürzt oder entschärft wurden, um internationale Kritik zu vermeiden. Die norwegische Ausgabe von 1941 entstand jedoch unter völlig anderen Vorzeichen.
Norwegen wurde am 9. April 1940 im Rahmen des Unternehmens Weserübung von deutschen Truppen besetzt. Das Land stand bis Mai 1945 unter deutscher Kontrolle. Während dieser Zeit versuchte die Besatzungsmacht, ihre Ideologie zu verbreiten und die norwegische Bevölkerung im nationalsozialistischen Sinne zu beeinflussen. Die norwegische nationalsozialistische Partei Nasjonal Samling unter Vidkun Quisling kollaborierte mit den Deutschen, hatte aber in der Bevölkerung nur sehr begrenzte Unterstützung.
Die Veröffentlichung dieser norwegischen Ausgabe im Jahr 1941 – dem zweiten Jahr der Besatzung – muss im Kontext dieser politischen Verhältnisse gesehen werden. Der Verlag J. M. Stenersens Forlag war ein etablierter norwegischer Verlag, der unter dem Druck der Besatzung stand. Die Publikation von “Min Kamp” war wahrscheinlich Teil der deutschen Propagandabemühungen, die NS-Ideologie in Norwegen zu verankern. Gleichzeitig demonstrierte das Werk für die norwegische Bevölkerung unmissverständlich die ideologischen Grundlagen der Besatzungsmacht.
Die materielle Ausführung dieser Ausgabe – Ganzleineneinband mit Schutzumschlag – entspricht den Publikationsstandards der Zeit. Trotz der Kriegsbedingungen und zunehmender Ressourcenknappheit wurde das Werk noch relativ hochwertig produziert, was seine propagandistische Bedeutung unterstreicht. Der Umfang von 352 Seiten deutet auf eine vollständige oder weitgehend vollständige Übersetzung des ersten Bandes hin.
Die Rezeption von “Mein Kampf” im besetzten Norwegen war komplex. Während Kollaborateure und Sympathisanten des Regimes das Werk möglicherweise studierten, betrachtete die Mehrheit der norwegischen Bevölkerung, die der Besatzung ablehnend gegenüberstand, es mit Skepsis oder Ablehnung. Der norwegische Widerstand war während der gesamten Besatzungszeit aktiv und vielfältig.
Nach dem Krieg wurden in Deutschland und anderen Ländern die Bestände von “Mein Kampf” weitgehend vernichtet. In Deutschland lagen die Urheberrechte bis 2015 beim Freistaat Bayern, der Neudrucke verhinderte. Exemplare wie die vorliegende norwegische Ausgabe haben heute primär historischen und wissenschaftlichen Wert. Sie dienen als Sachzeugen der nationalsozialistischen Propaganda und der Besatzungsgeschichte.
Solche historischen Objekte sind wichtige Quellen für die Erforschung der NS-Zeit, der deutschen Besatzungspolitik und der Propagandageschichte. Sie dokumentieren, wie das nationalsozialistische Regime versuchte, seine Ideologie über Sprachgrenzen hinweg zu verbreiten. Gleichzeitig erinnern sie an die dunklen Kapitel europäischer Geschichte und an die Notwendigkeit, totalitäre Ideologien kritisch zu hinterfragen. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit solchen Objekten und Texten bleibt unverzichtbar für das historische Verständnis und die Erinnerungskultur.