Aus der Fundgrube: 8 Troddeln/Portepees .
Die vorliegende Sammlung von acht Troddeln und Portepees repräsentiert eine faszinierende Querschnittsammlung militärischer Rangabzeichen und Ausrüstungsgegenstände aus verschiedenen Epochen und Nationen. Diese Objekte, die sich in unterschiedlichen Erhaltungszuständen befinden – von ungetragen bis defekt – bieten einen einzigartigen Einblick in die Entwicklung militärischer Standeszeichen über mehr als zwei Jahrhunderte hinweg.
Das Portepee, vom französischen “porte-épée” (Schwertträger) abgeleitet, entwickelte sich ab dem 17. Jahrhundert von einer rein funktionalen Handgelenkschlaufe zu einem bedeutenden Rangabzeichen für Offiziere und Unteroffiziere. Ursprünglich diente diese Schlaufe dazu, das Schwert oder den Säbel am Handgelenk zu sichern, um es im Gefecht nicht zu verlieren. Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurde das Portepee jedoch zunehmend zu einem Standeszeichen, das durch Material, Farbe und Ausführung den Rang und die Waffengattung des Trägers anzeigte.
In der preußischen Armee wurde das Portepee-System ab 1808 durch die Heeresreformen unter Gerhard von Scharnhorst systematisch geregelt. Die Königlich Preußische Armee-Verordnung unterschied klar zwischen dem Offiziersportepee mit silberner oder goldener Tresse und dem Unteroffiziersportepee aus Leder mit einfacherer Gestaltung. Diese Tradition wurde vom Deutschen Kaiserreich nach 1871 übernommen und weiter verfeinert. Jede Waffengattung – Infanterie, Kavallerie, Artillerie, Pioniere – erhielt spezifische Farbkombinationen und Ausführungen.
Die Troddel, der untere Abschluss des Portepees, entwickelte sich zum kunsthandwerklich aufwendigsten Teil. Sie bestand typischerweise aus einem sogenannten Perlstab (auch Schieber genannt), einem Knotenteil und dem eigentlichen Quastenteil mit den Fransen. Die Materialien variierten erheblich: Für Offiziere wurden Goldbouillon, Silberbouillon oder vergoldete bzw. versilberte Metalldrähte verwendet, während für Unteroffiziere und Mannschaften einfachere Materialien wie Wolle, Baumwolle oder Leder zum Einsatz kamen.
In der österreich-ungarischen Monarchie entwickelte sich ein ähnliches, aber eigenständiges System. Die k.u.k. Armee unterschied ebenfalls nach Rangstufen und Waffengattungen, wobei die Farbgebung nach der Adjustierungsvorschrift von 1867 und deren Nachfolgebestimmungen geregelt war. Besonders aufwendig waren die Portepees der Husarenregimenter und anderer Kavallerieeinheiten gestaltet.
In Frankreich behielt das Portepee (dort dragonne genannt) bis ins 20. Jahrhundert seine Bedeutung. Die französische Armee verwendete traditionell ein Farbsystem, das sowohl den Rang als auch die Zugehörigkeit zu bestimmten Regimentern anzeigte. Nach den napoleonischen Kriegen und durch das 19. Jahrhundert hindurch wurde das System mehrfach reformiert, behielt aber seine grundlegende Struktur bei.
Die russische und später sowjetische Militärtradition kannte ebenfalls das System der Säbel- und Degenportepees. In der zaristischen Armee waren diese prachtvoll ausgeführt, oft mit Emailarbeiten und aufwendigen Metallbeschlägen versehen. Nach der Oktoberrevolution 1917 wurden zunächst alle Rangabzeichen abgeschafft, doch ab 1935 führte die Rote Armee ein neues Rangsystem ein, das auch Portepees in vereinfachter Form wieder einführte.
Im 20. Jahrhundert erlebte das Portepee verschiedene Entwicklungsphasen. Während des Ersten Weltkriegs wurden zunehmend vereinfachte Feldausführungen verwendet. Die Reichswehr der Weimarer Republik behielt die Tradition bei, ebenso die Wehrmacht ab 1935, wobei letztere ein differenziertes System mit verschiedenen Ausführungen für Heer, Luftwaffe und Kriegsmarine entwickelte.
Nach 1945 setzten beide deutsche Nachfolgestaaten die Tradition in modifizierter Form fort. Die Bundeswehr führte 1956 ein neues Portepee-System ein, das sich an historischen Vorbildern orientierte, aber vereinfacht war. Die Nationale Volksarmee der DDR entwickelte ein eigenständiges System, das sich teilweise an sowjetischen Vorbildern orientierte.
Eine Sammlung wie die hier beschriebene, die inländische und ausländische Stücke verschiedener Epochen umfasst, dokumentiert diese vielfältige Entwicklung. Der unterschiedliche Erhaltungszustand – von ungetragenen Stücken bis zu defekten Exemplaren – ist typisch für solche Sammlungen und mindert keineswegs den historischen oder sammlerischen Wert. Gerade getragene und beschädigte Portepees zeugen von tatsächlichem militärischem Einsatz und sind damit authentische Zeitzeugen.
Für Sammler und Historiker sind solche Ensembles von besonderem Wert, da sie vergleichende Studien ermöglichen und die Entwicklung militärischer Tradition über nationale Grenzen und Epochen hinweg dokumentieren.