Frankreich 3. Republik Kragenpatte für den Waffenrock Mannschaften im 10e régiment d'infanterie
https://de.wikipedia.org/wiki/10e_régiment_d’infanterie
Die vorliegende Kragenpatte des 10e régiment d'infanterie der Französischen Dritten Republik repräsentiert ein charakteristisches Element der militärischen Uniformierung um die Jahrhundertwende. Solche Kragenpatten dienten nicht nur der praktischen Kennzeichnung der Regimentszugehörigkeit, sondern verkörperten auch die jahrhundertealte Tradition der französischen Infanterie.
Das 10. Infanterieregiment blickte zur Zeit der Dritten Republik bereits auf eine ehrwürdige Geschichte zurück. Seine Ursprünge reichten bis ins 17. Jahrhundert, und es hatte an nahezu allen bedeutenden Feldzügen Frankreichs teilgenommen. Um 1900 war das Regiment in Ruffec im Département Charente stationiert und gehörte zur 12. Infanteriebrigade des 6. Armeekorps.
Die Uniformreform der späten 1870er und 1880er Jahre hatte nach der Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 zu erheblichen Veränderungen in der französischen Armee geführt. Dennoch behielt die Infanterie ihre traditionellen farbigen Elemente bei, die erst mit dem Ersten Weltkrieg endgültig verschwinden sollten. Der Waffenrock (tunique) der Mannschaften war in dieser Epoche noch überwiegend dunkelblau mit roten Besatzteilen, was die historischen Farben der französischen Armee widerspiegelte.
Die hier beschriebene Kragenpatte aus rotem Stoff mit der in dunkelblau aufgestickten Regimentsnummer entspricht genau den Vorschriften der Zeit. Rot war die traditionelle Waffenfarbe der Infanterie, während die dunkelblaue Stickerei einen starken Kontrast bildete und die Lesbarkeit der Regimentsnummer gewährleistete. Diese Farbkombination war nicht willkürlich gewählt, sondern folgte präzisen militärischen Reglementen, die in den ordonnances und décrets des französischen Kriegsministeriums festgelegt waren.
Die Nummerierung der französischen Infanterieregimenter folgte einem System, das nach den napoleonischen Kriegen etabliert und im 19. Jahrhundert weiter verfeinert wurde. Jedes Regiment trug seine Nummer mit Stolz, da sie die Kontinuität und die Kampfehren der Einheit repräsentierte. Die niedrige Nummer «10» wies auf ein besonders traditionsreiches Regiment hin, da die Nummerierung grundsätzlich das Dienstalter widerspiegelte.
Die Kragenpatten wurden paarweise am Stehkragen des Waffenrocks angebracht. Sie waren in der Regel aus Tuch gefertigt und die Regimentsnummern wurden in Handarbeit aufgestickt oder aufgenäht. Dies unterschied sie von den Offizierskragenpatten, die häufig aufwändiger gestaltet und manchmal mit Metallstickerei versehen waren. Die Patten der Mannschaften waren funktional und sollten vor allem der schnellen Identifizierung im Feld dienen.
Um 1900 befand sich die französische Armee in einer Übergangsphase. Die Dritte Republik hatte nach der Niederlage von 1870/71 umfangreiche Militärreformen durchgeführt, einschließlich der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht durch das Gesetz von 1872 und dessen Nachfolger. Die Armee wurde modernisiert, auch wenn die Uniformen noch stark traditionellen Mustern folgten. Die charakteristischen roten Hosen (pantalon garance) und die farbigen Kragenpatten machten die französischen Soldaten auf dem Schlachtfeld gut sichtbar – ein Umstand, der im Ersten Weltkrieg verheerende Folgen haben sollte.
Die Herstellung solcher Uniformteile erfolgte teils in staatlichen Militärmanufakturen, teils durch private Zulieferer, die nach genauen Spezifikationen arbeiteten. Die Qualität und Ausführung konnte variieren, aber die grundlegenden Maße und Farbvorschriften wurden streng eingehalten. Die Stickerei der Regimentsnummer erforderte handwerkliches Geschick, und es gab spezialisierte Schneider und Stickerinnen, die sich auf militärische Effekten spezialisiert hatten.
Das 10e régiment d'infanterie selbst sollte im Ersten Weltkrieg eine bedeutende Rolle spielen und an zahlreichen Schlachten teilnehmen, darunter die Schlacht an der Marne 1914 und die Schlacht um Verdun 1916. Bis 1914 hatte das Regiment jedoch die hier gezeigte traditionelle Uniform längst gegen die praktischere bleu horizon Uniform ausgetauscht, die ab 1915 standardmäßig eingeführt wurde.
Solche Kragenpatten sind heute gesuchte militärhistorische Sammlerstücke, die Einblick in die Uniformgeschichte der Belle Époque geben. Sie dokumentieren eine Ära, in der militärische Tradition und aufkommende Moderne miteinander rangen – eine Zeit, die mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs abrupt enden sollte.