Königreich Preußen 1. Weltkrieg 3 Teller aus dem Service der Feldartillerieschule 1916
Die hier beschriebenen drei Teller aus dem Service der Feldartillerieschule von 1916 repräsentieren ein faszinierendes Zeugnis deutscher Militärgeschichte während des Ersten Weltkriegs. Diese Objekte verbinden kunsthandwerkliche Qualität mit militärischer Tradition und geben Einblick in die institutionelle Kultur der kaiserlichen Armee.
Die Feldartillerieschule in Jüterbog, südlich von Berlin gelegen, war seit ihrer Gründung im Jahr 1867 die zentrale Ausbildungsstätte für Offiziere und Unteroffiziere der preußischen und später deutschen Feldartillerie. Nach der Reichsgründung 1871 entwickelte sich die Einrichtung zur wichtigsten Institution für die taktische und technische Ausbildung von Artillerieoffizieren im gesamten Deutschen Reich. Die Schule war verantwortlich für die Entwicklung von Schießvorschriften, die Erprobung neuer Geschütze und die Standardisierung der Artillerietaktik.
Das Jahr 1916, das auf diesen Tellern vermerkt ist, markiert eine bedeutende Phase des Ersten Weltkriegs. Nach zwei Jahren intensiver Kampfhandlungen hatte sich die Artillerie als entscheidende Waffengattung etabliert. Die Materialschlachten bei Verdun und an der Somme demonstrierten die verheerende Wirkung moderner Artillerie. Die Feldartillerieschule spielte in dieser Zeit eine zentrale Rolle bei der Ausbildung von Ersatzoffizieren und der Weitergabe von Fronterfahrungen an neue Jahrgänge.
Die Dekoration der Teller zeigt das Emblem der Feldartillerieschule im Lorbeerkranz mit dem Eisernen Kreuz 1914. Das Eiserne Kreuz, 1813 von König Friedrich Wilhelm III. von Preußen gestiftet und 1914 von Kaiser Wilhelm II. erneuert, war die bedeutendste militärische Auszeichnung des Deutschen Reiches. Die Kombination mit dem Lorbeerkranz symbolisierte militärische Ehre und Siegeswillen. Die Jahreszahl 1916 deutet darauf hin, dass dieses Service entweder anlässlich eines besonderen Ereignisses oder als Teil einer regulären Beschaffung für die Offiziersmesse angefertigt wurde.
Der Hersteller Hutschenreuther aus Selb in Bayern gehörte zu den renommiertesten Porzellanmanufakturen Deutschlands. Die Firma, 1814 gegründet, war bekannt für die hohe Qualität ihres Hartporzellans und belieferte sowohl zivile als auch militärische Abnehmer. Der Vertrieb erfolgte über die Firma Schumann in Berlin, Leipziger Straße 107, die auf militärische Ausstattungsgegenstände spezialisiert war. Diese Geschäftsverbindung war typisch für die enge Verflechtung zwischen bayerischer Porzellanproduktion und preußischen Militärbehörden.
Die drei Teller - ein großer Speiseteller, ein Suppenteller und ein Frühstücksteller - repräsentieren ein vollständiges Grundgedeck, wie es in Offiziersmessen üblich war. Die Verwendung hochwertigen Porzellans in militärischen Einrichtungen spiegelte die hierarchische Struktur der kaiserlichen Armee wider. Während einfache Soldaten aus Emaillegeschirr aßen, verfügten Offizierskasinos über repräsentatives Porzellanservice.
Solche Servicegeschirre erfüllten mehrere Funktionen: Sie dienten dem praktischen Gebrauch bei den Mahlzeiten, repräsentierten aber auch die institutionelle Identität und den Korpsgeist der jeweiligen Einheit. Die aufwändige Gestaltung mit militärischen Emblemen förderte das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Traditionspflege. In den Offiziersmessen der Feldartillerieschule kamen bei festlichen Anlässen, Examensabschlüssen oder Verabschiedungen von Lehrgängen solche Serviceteile zum Einsatz.
Die Erhaltung dieser Teller bis heute ist bemerkenswert, da viele militärische Ausstattungsgegenstände am Kriegsende 1918 verloren gingen oder in den Wirren der Revolution und Demobilisierung vernichtet wurden. Nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs wurde die Feldartillerieschule Jüterbog unter die Kontrolle der Reichswehr gestellt und später von der Wehrmacht weitergeführt.
Aus kulturhistorischer Perspektive dokumentieren diese Objekte die Alltagskultur militärischer Eliten im Ersten Weltkrieg. Sie zeugen von einer Zeit, in der trotz des industrialisierten Massenkriegs an der Front traditionelle Formen militärischer Repräsentation und Lebensführung in den Ausbildungseinrichtungen der Etappe aufrechterhalten wurden. Die Kombination aus industrieller Fertigung und individueller Gestaltung für spezifische militärische Institutionen charakterisiert die Übergangsphase zwischen traditionellem Handwerk und moderner Massenproduktion.